Laktosefrei, glutenfrei – eine Werbestrategie?

Mittlerweile findet man auch in Supermärkten immer mehr Lebensmittel mit dem Hinweis „laktosefrei” oder „glutenfrei”. Häufig erwecken Hersteller und Händler den Eindruck, dass laktose- bzw. glutenfreie Produkte allgemein Gesundheit und Wohlbefinden steigern können. Doch stimmt das? Wann und für wen die Angebote sinnvoll sind, haben die Verbraucherzentralen in einem Faltblatt zusammengestellt.

Wie viel Gluten steckt wirklich drin? Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) hat den exakten Glutengehalt von 43 ausgewählten Lebensmitteln und Getränken veröffentlicht. Die Angaben helfen Zöliakiepatienten und Glutensensitiven, Produkte mit dem Klebeeiweiß zu meiden.

Laktosefreies Essen als modernes Lifestyleprodukt

Stempel Laktosefrei

Immer mehr Lebensmittel werden zu Marketingzwecken als laktosefrei ausgelobt und überteuert verkauft. Die Umsätze in diesem Bereich wachsen Jahr für Jahr zweistellig. Doch während laktosefreie Milch eine gute Alternative für Menschen mit entsprechender Intoleranz ist, sind viele andere Lebensmittel, wie Hartkäse, Mozzarella, Brot oder Putenaufschnitt unnötige Spezialprodukte.

Trotzdem greifen mehr und mehr Verbraucher – auch Menschen, die gar keine Milchzuckerunverträglichkeit haben – zu den Spezial-Nahrungsmitteln, weil sie vermuten, dass Laktosefreies generell gesünder sei. Die Lebensmittelindustrie hat es geschafft, laktosefreies Essen zu einem modernen Lifestyleprodukt zu machen. Es gilt schon fast als trendy, obwohl 85 Prozent der Deutschen Milchzucker gut vertragen.

Tipps für Menschen mit Laktoseintoleranz

Wir raten betroffenen Personen, die Intoleranz auf jeden Fall von einem Facharzt diagnostizieren und individuell prüfen zu lassen, in welchen Mengen auch gewöhnliche Lebensmittel gegessen werden können. Jeder Mensch hat eine persönliche Toleranzgrenze.

Wenn in normalen Fertigprodukten Milchzucker, Milchpulver, Molke oder Sahne verarbeitet wurden, dann müssen diese in der Zutatenliste auf der Verpackung aufgeführt werden. Je weiter hinten diese Beimengungen in der Auflistung stehen, desto geringer ist ihr Anteil. Kommt Laktose beispielsweise als Trägerstoff von Aromen oder Geschmacksverstärkern zum Einsatz, sind die Mengen für milchzuckerempfindliche Personen meistens unbedenklich. Eine Zusammenfassung mit weiteren Verbrauchertipps erhalten Sie unter:


Gesetzgeber in der Pflicht

Um Verbrauchern das Einkaufen zu erleichtern, sollten nach unserer Auffassung Hersteller dazu verpflichtet werden, auf allen laktosehaltigen Lebensmitteln die genaue Menge auszuweisen. Konkrete Angaben wären für rund 12 Millionen Betroffene eine wichtige und vor allem geldwerte Einkaufshilfe, weil sie dann nur in Ausnahmefällen teure Spezialprodukte kaufen müssten.

Darüber hinaus sollten die beiden Begriffe „laktosearm” und „laktosefrei” klar definiert werden. Zurzeit dürfen „laktosefreie” Lebensmittel noch 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthalten – konkrete gesetzliche Vorgaben fehlen.

Marktcheck 2012: 24 Produkte im Preisvergleich

Laktosefreie Lebensmittel sind teuer und in vielen Fällen überflüssig. Unser Marktcheck ergab, dass von Laktoseintoleranz betroffene Menschen durchschnittlich 2,4-mal so viel für Lebensmittel zahlen müssen, die als laktosefrei deklariert sind. Und das, obwohl viele Produkte von Natur aus ohnehin gar keinen oder nur sehr wenig Milchzucker enthalten. Insgesamt 24 als milchzuckerfrei gekennzeichnete Produkte aus den Bereichen Wurst und Käse, Brot und Gebäck sowie Molkereierzeugnisse haben wir unter die Lupe und deren Preise mit denen herkömmlicher Lebensmittel verglichen.

Falls sich unsere folgende Bildergalerie nicht automatisch öffnet, können Sie sich einen Flashplayer herunterladen. Den bekommen Sie beispielsweise hier.

Ergebnisse in der Zusammenfassung

  • Der durchschnittliche Preisaufschlag für die im Marktcheck untersuchten Produkte lag bei knapp 140 Prozent.

  • Laktosefreie Wurst war im Durchschnitt um 95 Prozent teurer, obwohl beispielsweise Schinken, Kochschinken und Putenbrust natürlicherweise gar keine Laktose enthalten und der Zusatz von Laktose bei der Herstellung auch nicht üblich ist.

  • Die Preise für laktosefreien Käse betrugen im Mittel 122 Prozent mehr als die für konventionelle Käseprodukte. Dabei sind z.B. die Klassiker Emmentaler, Gouda, Tilsiter und Butterkäse von Natur aus streng laktosearm und können normalerweise bedenkenlos verzehrt werden.

  • 383 Prozent teurer als normales Schwarzbrot war das als gluten- und laktosefrei deklarierte Schwarzbrot von Minus L und mit fast fünffachem Preis der Spitzenreiter im Marktcheck, obwohl Brot in der Regel gar keine Laktose enthält. Auch das in dieser Rubrik untersuchte Knäcke- und Mehrkornbrot war mit Preisaufschlägen von 170 Prozent und 277 Prozent besonders überteuert.

  • Butter, die von Natur aus laktosearm ist und ohnehin nur in geringen Mengen gegessen wird, war in der laktosefreien Variante um 217 Prozent teurer.

Das Faltblatt „Laktosefrei, glutenfrei – auch eine Werbestrategie!” und das Video Marketingtricks – Laktosefreie und glutenfreie Produkte wurden finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Stand vom Freitag, 16. Oktober 2015

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