Mogelpackung des Monats: „Vernel Soft & Oils“ von Henkel

Das Wichtigste in Kürze
  • Weniger drin und drastisch teurer: bis zu 99 Prozent bezogen auf die Füllmenge
  • Geringere Dosierung pro Waschladung: Dosierempfehlung schwer umsetzbar
  • Henkel verweist auf Rezepturverbesserung: erhöhte Parfümkonzentration
  • Verbraucherzentrale empfiehlt Verzicht auf Weichspüler: nicht notwendig und zusätzliche Umweltbelastung


Neue Flasche – weniger drin

Abb. Neue FlascheVon der Marke „Vernel Soft & Oils“ gibt es die beiden Sorten Original und Liebliches Magnolien-Öl. Die neue, höhere und schlankere Flasche beinhaltet jetzt nur noch 600 Milliliter Weichspüler. Auf den ersten Blick wirkt sie nicht unbedingt viel kleiner. In der alten gedrungeneren Flasche gab es noch 750 Milliliter Inhalt. Auch auf dieser Flasche ist der Hinweis „Neu“ vermerkt, obwohl es sich im Vergleich um die alte handelt.

Verkaufspreis steigt zusätzlich

Doch nicht nur die geringere Füllmenge sorgt für einen höheren Preis, sondern auch der Verkaufspreis selbst. In einer Hamburger Rewe-Filiale waren noch beide Flaschen gleichzeitig im Verkauf: Der neue Preis lag bei 1,99 Euro, der alte bei 1,25Euro. Unterm Strich ist Vernel „Soft & Oils“ damit um 99 Prozent pro Liter teurer.

Rewe wollte sich auf unsere Anfrage hin nicht zu den Preisen äußern, führte aber aus: „(…) Wie Ihnen der Hersteller Henkel verdeutlicht hat, wurde das Produkt „Vernel Soft & Oils“ in der Rezeptur und Aufmachung grundlegend überarbeitet. Rewe ist bei der Preisgestaltung und Positionierung des Produktes den Empfehlungen von Henkel gefolgt. (…)“

Bei Real fiel die Preiserhöhung mit 67 Prozent ein wenig „glimpflicher“ aus: statt 1,49 Euro kostet der Weichspüler jetzt 1,99 Euro. Real bestätigte die Preiserhöhung uns gegenüber und ergänzte „(…) Neben einem Produkt-Relaunch wurden begleitend zur Inhaltsveränderung durch Henkel auch ein neuer UVP für den betreffenden Artikel kommuniziert.(…)“

Vernel: beide Packungen im Vergleich

Kein besonderer Hinweis auf geringere Dosierung

Neben der Füllmengenreduzierung wurden auch klammheimlich die Dosierempfehlungen von Henkel verändert. Jetzt sollen Verbraucher nur noch mindestens 25 Milliliter Weichspüler pro Waschgang verwenden, davor waren es 30 Milliliter. Deshalb ist die Anzahl der Waschladungen (WL) trotz deutlich geringerer Füllmenge nur von 25 auf 24 WL pro Flasche gefallen. Leider fehlt auf der Schauseite der neuen Flasche ein auffälliger Hinweis zur geringeren Dosierung, so dass wahrscheinlich viele Kunden weiterhin die bisherige Menge verwenden. Das haben enttäuschte Verbraucher bestätigt, die sich über den Weichspüler bei uns beschwert haben. 

Vernel alte Flasche: Dosieranleitung

Vernel neue Flasche: Dosieranleitung

Links die Dosierempfehlung für die alte Flasche, rechts für das neue „Vernel Soft & Oils“

Das genaue Dosieren mit der Verschlusskappe ist aus unserer Sicht ohnehin nur schwer möglich: Es sind keine Markierungen für die richtige Dosierung vorhanden. Darüber hinaus ist die Dosierkappe (70 ml laut Henkel) überdimensioniert! Musste man vor der Rezepturänderung knapp eine halbe Kappe füllen, darf es jetzt nur noch ungefähr ein Drittel pro Waschladung sein. Doch das ist ohne Markierung kaum zu schaffen. Überdosierungen werden an der Tagesordnung sein. Mit dem Ergebnis, dass die Flasche deutlich schneller leer ist als vom Hersteller berechnet. Ob Henkel das wohl mit einkalkuliert hat?
Bezieht man die Preiserhöhung auf die Waschladungen pro Flasche fällt sie geringer aus: Bei Rewe sind es dann noch 66 Prozent, bei Real 39 Prozent.

Henkel verweist auf bessere Formel

Auf dem Etikett bewirbt Henkel den neuen Weichspüler mit „langanhaltendem Duft“ und „mit 3-Oil Complex“. Henkel äußert sich in einer Stellungnahme gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg wie folgt: „(…) Die Formel von Vernel Soft & Oils wurde zum Juli dieses Jahres verbessert und enthält nun eine erhöhte Parfümkonzentration. Dadurch war es möglich, die Dosierempfehlung von 30 ml auf 25 ml pro Anwendung zu senken und auch die Flaschengröße anzupassen. (…)“

Verbraucherzentrale empfiehlt den Verzicht auf Weichspüler

Unabhängig von dieser drastischen Preiserhöhung raten wir prinzipiell von Weichspülern ab. Weichspüler werden für den eigentlichen Waschvorgang nicht benötigt. Auch das Umweltbundesamt appelliert an Verbraucher „(…) Weichspüler nur dann einzusetzen, wenn man seine Funktionen auch wirklich benötigt, da es sich hierbei um einen zusätzlichen Eintrag von Chemikalien in die Umwelt handelt. Wenn Sie nicht auf den Gebrauch von Weichspülern verzichten wollen, reduzieren Sie diesen und dosieren Weichspüler so sparsam wie möglich.“

Weitere nützliche Infos rund ums Waschen lesen Sie in unserem Artikel „Mal ordentlich waschen“.

Mehr über Mogelpackungen

Sie interessiert das Thema Mogelpackungen? Dann sind Sie bei uns richtig. Hier finden Sie weitere Infos und unsere einzigartige Mogelpackungsliste mit versteckten Preiserhöhungen auf Basis eigener Recherchen und vieler Hinweise aufmerksamer und verärgerter Verbraucher. Mit aktuell fast 1.000 Produkten beleuchtet die Liste unter Nennung der Namen von Produkt und Hersteller die Maschen der Anbieter.

Übersicht aller Produkte: Mogelpackungsliste „Weniger drin, Preis gleich“

vzhh auf Facebook

Auf unserer Facebook-Seite finden Sie aktuelle Posts zu den Themen Lebensmittel, Ernährung und Mogelpackungen. Wir freuen uns über Ihr „Gefällt mir“ für unsere Seite!

Stand vom Dienstag, 5. Dezember 2017

zurück