Macht Weizen krank?

Der Weizen ist unser wichtigstes Getreide. Es ist insgesamt ein gesundes, seit Jahrtausenden bewährtes Lebensmittel. Dennoch liest man immer wieder, dass uns das Getreide krank machen kann. Stimmt das?

Weizenfeld mit Ähren
Stand: 22.04.2015

Ist Weizen ein Hauptverursacher für Zivilisationskrankheiten?

Fettleibigkeit, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen? Wer kein Übergewicht hat, bekommt mit höchster Wahrscheinlichkeit auch keinen Diabetes Typ 2, auch nicht mit Weizen. Wer aber zu viel Energie zu sich nimmt und sich gleichzeitig zu wenig bewegt, kann übergewichtig werden – das ist eine Frage der Energiebilanz, egal ob mit oder ohne Weizen. Insbesondere Vollkornweizen liefert dem Körper Vitamine, Mineralstoffe und ist insgesamt ein gesundes, seit Jahrtausenden bewährtes Lebensmittel.

Macht Weizen süchtig und führt so zu unkontrolliertem Essen?

Studien zeigen, dass nach der Aufnahme von Weizen Sättigungshormone ausgeschüttet werden. Zudem besagen wissenschaftliche Daten, dass die Proteine des Glutens (Klebereiweiß) Sättigungshormone stimulieren und damit ebenfalls zur Sättigung beitragen. Brötchen oder Nudeln machen also nicht süchtig sondern satt. Egal ob es sich um Fett, Zucker oder Weizen handelt, wenn man mehr davon isst als der Körper braucht, nimmt man zu.

Aber im Weizen sind doch Exorphine, die süchtig machen können?

Es stimmt, dass Weizen Exorphine enthält. Exorphine sind Eiweiße, die an Opiatrezeptoren andocken können. Allerdings sind Exorphine nicht nur im Weizen, sondern auch in anderen Lebensmitteln wie Milch oder Spinat enthalten. Die Wirkung der Exorphine ist noch nicht ausreichend erforscht, aber man geht davon aus, dass sie eine eher positive Wirkung auf den Menschen haben. So weist eine Studie zum Beispiel darauf hin, dass Exorphine sich positiv auf den Blutdruck auswirken können. Sie machen allerdings nicht süchtig!

Spielt es keine Rolle, ob Weizen als Weiß- oder Vollkornmehl verzehrt wird?

Getreideballaststoffe haben durchaus eine präventive Wirkung und können zu einer gesunden Ernährung einen wichtigen Beitrag leisten. Ein hoher Anteil an Ballaststoffen in der Ernährung wirkt ausgleichend auf den Blutzuckerspiegel, sorgt für eine geregelte Verdauung und für ein längeres Sättigungsgefühl, deshalb ist Vollkornweizen besonders empfehlenswert.

Lässt Weizen-Gluten den Dünndarm erkranken und verursacht es Zöliakie?

Richtig ist, dass Gluten bei Zöliakiepatienten zu entzündeten Dünndarmschleimhäuten führt. Aber Ernährungswissenschaftler gehen davon aus, dass eine genetische Disposition (z.B. Vererbung) zu Zöliakie führt und nicht etwa übermäßiger Weizenkonsum. Für die meisten Menschen stellt jedoch Gluten in normalem Ausmaß keine Belastung dar, der Darm bleibt gesund. In Deutschland sind übrigens nur etwa ein Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen, die selbstverständlich glutenhaltiges Getreide wie etwa Weizen und andere glutenhaltige Zutaten strikt meiden müssen.

Quellen

  • M.C. Geraedts et al. (2010): Release of satiety hormones in response to specific dietary proteins is different between human and murine small intestinal mucosa. Ann. Nutr. Metab. 56:308.
  • S. Choi et al. (2009): Meal ingestion, amino acids and brain neurotransmitters: Effects of dietary protein source on serotonin and catecholamine synthesis rates. Physiol. Behav. 98:156.
  • O. Jadresin et al. (2008): Compliance with gluten-free diet in children with coeliac disease. J. Pediatr. Gastroenterol. Nutr. 47:344.
  • O. Saddah et al. (2004): Effect of gluten-free diet and adherence on growth and diabetic control in diabetics with coeliac disease. Arch. Dis. Child. 89:871.
  • H.J. Freeman (2008): Pearls and pitfalls in the diagnosis of adult celiac disease. Can. J. Gastroenterol. 22:273.
  • Murray JA et al. (2004): Effect of a gluten-free diet on gastrointestinal symptoms in celiac disease. 79:669–73.
  • Herzstiftung, Herzbericht 2014 http://www.herzstiftung.de/pdf/presse/herzbericht-2014-dgk-pm.pdf
  • Zioudrou, C., Streaty, R. A., and Klee, W.A. Opioid peptides derived from food proteins: The exorphins. J. Biol. Chem. 254:2446, 1979
  • Mehlreport 22, Ein „buchkritisches“ Fachinterview zu Ausgabe 22, Februar 2013

Zum Weiterlesen

Wie viel Gluten steckt wirklich drin? Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) hat den exakten Glutengehalt von 43 ausgewählten Lebensmitteln und Getränken veröffentlicht. Die Angaben helfen Zöliakiepatienten und Glutensensitiven, Produkte mit dem Klebeeiweiß zu meiden.