Drittanbieter: Abos auf der Telefonrechnung

Bei zweifelhaften Forderungen verweisen Mobilfunkfirmen oft zur Klärung an den sogenannten Drittanbieter, fordern aber gleichzeitig vehement die Zahlung. So geht's nicht! Unser Musterbrief hilft beim Widerspruch.

Junge Frau schaut auf ihr Smartphone

Das Wichtigste in Kürze

  1. Mobilfunkanbieter fordern oft die Bezahlung von Leistungen anderer Unternehmen ein, verweisen bei Reklamationen jedoch an den sogenannten Drittanbieter.
  2. Probleme haben vor allem Verbraucher mit Verträgen bei E-Plus (Base) und Mobilcom-Debitel.
  3. Betroffene sollten sich bei ihrem Mobilfunkanbieter schriftlich per Einschreiben Rückschein beschweren.
Stand: 17.09.2019

Immer wieder staunen Verbraucher über in ihren Mobilfunkrechnungen auftauchende Posten für Leistungen dritter Unternehmen, die sie wissentlich weder bestellt noch genutzt haben. Dabei handelt es sich etwa um Abonnements von Info- und Unterhaltungsdiensten oder kostenpflichtige Serviceleistungen, Hotlines und Ansagedienste.

Mobilfunkunternehmen als Ansprechpartner

Was man nicht bestellt hat, muss man auch nicht bezahlen. In der Praxis der Mobilfunkanbieter soll anscheinend anderes gelten. Dort fühlt man sich für gegen Drittanbieterforderungen gerichtete Beschwerden meist nicht zuständig, fordert aber nachdrücklich deren Bezahlung. Nicht selten wird den Forderungen sogar mit Hinweis auf die Möglichkeit einer Sperre der SIM-Karte Nachdruck verliehen. Man sei nämlich, so lautet eine verbreitete Begründung, gesetzlich oder auch von der Bundesnetzagentur verpflichtet, die Forderungen einzuziehen. Deshalb also soll der Kunde erst mal zahlen und dann zusehen, ob er sich sein Geld von dem Drittanbieter wieder zurückholen kann.

Wir halten diese Haltung für irreführend. Natürlich kann man im Einzelfall über die Frage streiten, ob die Reklamation des Kunden berechtigt ist oder nicht. Doch wer eine Zahlung verlangt, muss auch erklären wofür und kann nicht auf einen Dritten verweisen. Eine gesetzliche Verpflichtung oder Anweisung der Bundesnetzagentur, bestrittene Drittanbieterforderungen einzuziehen, gibt es nicht.

Aktueller Fall

41.000 Kunden der Mobil­funkanbieter Mobilcom-Debitel, Vodafone und Klarmobil haben falsche und zu hohe Rechnungen bekommen – für Dritt­anbieter­leistungen wie Videos oder andere auf der Rechnung nicht genannte „Dienste“, die sie gar nicht bestellt hatten. Zahlen sollten sie dennoch – bis sich Finanztest einschaltete. ⇒ Weiterlesen

Der Fall E-Plus

Weil E-Plus (Base) bei unklaren Rechnungsposten stets an den Drittanbieter verwies, haben wir das Unternehmen verklagt. E-Plus hatte eine Zahlung von über 200 Euro angemahnt und wies die Kundin, die wiederholt erklärt hatte, keine Drittanbieterleistungen in Anspruch genommen zu haben, folgendermaßen zurecht:

„Aus unseren Unterlagen geht hervor, dass wir Sie bereits am 14. Dezember 2013 darüber informiert haben, dass Sie sich bitte an den entsprechenden Drittanbieter wenden möchten, um eine eventuelle Gutschrift zu erhalten.“

Das Landgericht Potsdam folgte unserer Ansicht und untersagte es E-Plus mit Urteil (Az. 2 O 340/14) vom 26. November 2015 Verbrauchern gegenüber zu behaupten, dass sie sich für eine Gutschrift an den Drittanbieter wenden müssen. In seinem Urteil stellt das Gericht klar, dass sich der Verbraucher mit seinen Beanstandungen nicht an den Drittanbieter wenden muss, sondern diese gegenüber dem Mobilfunkanbieter geltend machen kann.

Der Fall Mobilcom-Debitel

Auch der Anbieter Mobilcom-Debitel fällt in Sachen Drittanbieter besonders negativ auf: Rund ein Viertel der Verbraucherbeschwerden, die in der ersten Hälfte des Jahres 2016 bei den Verbraucherzentralen bundesweit eingingen, betrafen diesen Mobilfunkprovider. Verbraucher berichteten, dass das Unternehmen sie nicht ausreichend darin unterstützt, sich vor unberechtigten Drittanbieterabrechnungen zu schützen – teilweise wurde sogar trotz bestrittener Forderungen eine Anschlusssperre angedroht und durchgeführt. Mobilcom-Debitel setzt seinen Kunden die Pistole auf die Brust: Entweder sie zahlen den Rechnungsbetrag oder der Telefonanschluss wird gesperrt. Mehr dazu lesen Sie auf der Internetseite des Marktwächters Digitale Welt.

Beschwerde einreichen

Für Beschwerden gegen erfolgte Abrechnungen ist der Mobilfunkanbieter solange Ansprechpartner wie er eine entsprechende Zahlung verlangt. Die Beschwerde sollte schriftlich, am besten per Einschreiben mit Rückschein vorgebracht werden. Dafür können Sie unseren Musterbrief verwenden.

Ist die Drittanbieterforderung bestritten, darf Ihnen der Zugang zum Telefondienst nicht wegen Zahlungsverzugs gesperrt werden und eine Meldung bei einer Auskunftei ist unzulässig.

Unser Rat

  • Reklamieren Sie die Rechnung bei Ihrem Mobilfunkanbieter per Einschreiben Rückschein.
  • Lassen Sie die Forderungen zurückbuchen und zahlen Sie Rechnungen nur in gerechtfertigtem Umfang.
  • Lassen Sie vorsorglich bei Ihrem Telefonanbieter eine Drittanbietersperre einrichten.
  • Erstatten Sie bei derartigen Vorkommnissen Anzeige bei der Bundesnetzagentur.

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