6 Gründe gegen Einmalhandschuhe im Alltag

Einweghandschuhe liegen im Trend. Doch wie sinnvoll ist es, die Handschuhe zu tragen? Trügerische Sicherheit, Hautprobleme, Allergien, Müll und Umweltbedenken – wir finden, es spricht vieles gegen diese zusätzliche Schutzmaßnahme im Alltag.

Einmalhandschuhe beim Einkauf

Das Wichtigste in Kürze

  1. Immer mehr Verbraucher tragen zum Schutz vor dem Coronavirus Einweghandschuhe, doch Krankheitserreger und Keime werden trotz Handschuhen verteilt.
  2. Die Handschuhe können aus natürlich gewonnenem Naturlatex (Kautschuk, Gummi), aus synthetischem Latex (Nitrilkautschuk) oder aus Kunststoff (Vinyl, PVC) sein.
  3. Einmalhandschuhe sind für den alltäglichen Gebrauch wenig sinnvoll. Sie können allergische Reaktionen auslösen, strapazieren die Haut und verursachen unnötigen Müll. Schutzhandschuhe sollten dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben.
Stand: 04.05.2020

Um sich vor SARS-CoV-2 zu schützen, greifen viele Menschen mittlerweile zu Einweghandschuhen, wenn sie das Haus verlassen. Vor allem im Supermarkt sind Verbraucher mit „Gummi-Handschuhen“ oder Latex-Handschuhen unterwegs. Dabei gibt es einige Gründe, die gegen Handschuhe im Corona-Alltag sprechen.

Grund 1 – Keime werden verteilt: Wer Einmalhandschuhe trägt, mag seine eigenen Hände zunächst besser vor Krankheitserregern schützen, er verteilt jedoch trotzdem jede Menge Keime in seiner Umgebung. Auf der Oberfläche der Handschuhe sammeln sich nämlich genauso viele Krankheitserreger wie auf einer bloßen Hand und diese werden mit jedem Kontakt weitergegeben.

Grund 2 – Trügerische Sicherheit: Je länger Einweghandschuhe getragen werden, desto kontaminierter sind sie. Besonders problematisch kann dies sein, wenn man sich mit den Handschuhen ins Gesicht fasst. Dann landet eine große Menge an Keimen schlimmstenfalls direkt an den Schleimhäuten von Augen, Nase und Mund. Winzige, unsichtbare Löcher im Gummi, die bei längerem Gebrauch zwangsläufig auftreten, beeinträchtigen darüber hinaus die Schutzfunktion. Regelmäßiges Händewaschen bleibt also trotz Handschuhen Pflicht.

Grund 3 – Stress für die Haut: Hände schwitzen in Handschuhen sehr viel schneller, weil die Luftzufuhr blockiert ist. Das beansprucht die Haut in besonderem Maße. Außerdem wird das Wachstum von Keimen im Handschuh durch das feucht-warme Klima begünstigt.

Grund 4 – Allergische Reaktionen: Latex, Vulkanisationsbeschleuniger, Weichmacher – viele Menschen reagieren auf Einweghandschuhe allergisch. Puder im Inneren der Handschuhe kann das Problem noch verschärfen. Insbesondere bestimmte Proteine in Naturlatex lösen Allergien aus. Doch auch Vulkanisationsbeschleuniger in Nitril-Handschuhen und Weichmacher in Vinyl-Handschuhen können zu Kontaktallergien führen, die mit Hautrötungen, Bläschen, Quaddeln oder Juckreiz verbunden sind.

Grund 5 – Mehr Müll: Einmalhandschuhe sind ein Wegwerfprodukt. Sie sollen genau ein Mal benutzt und anschließend entsorgt werden. Die Handschuhe dürfen aber nicht in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Sie gehören in den Restmüll. Am Ende bleibt also nur der Verbrennungsofen für die vielen Handschuhe, die nun zusätzlich getragen werden. Recycelt wird das Material nicht.

Grund 6 – Umweltprobleme: Gummibäume, aus denen der Naturkautschuk für Latex-Handschuhe gewonnen wird, wachsen oft in großen Monokulturplantagen in Asien. Der Anbau benötigt viel Fläche, für die teilweise Regenwälder abgeholzt werden. Der Einsatz von hochgiftigen Unkrautvernichtern und Pestiziden bedroht die Artenvielfalt vor Ort.

Unser Rat

Keime werden auch über die Hände weitergegeben. Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger tragen daher völlig zu Recht Einweghandschuhe, um sich selbst vor Infektionen zu schützen. Doch sie ziehen die Handschuhe meist nur für kurze Zeit an, wechseln sie regelmäßig und achten beim Ausziehen darauf, die Hände gründlich zu desinfizieren.

Diese hygienischen Grundregeln setzen Menschen im Alltag kaum um. Sie tragen die Handschuhe meist über einen längeren Zeitraum und wiegen sich in Sicherheit. Das kann zum Problem werden.

Wer seine Hände regelmäßig und gründlich mit Seife wäscht (mindestens 30 Sekunden), ist nach unserer Auffassung besser beraten. Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, reagieren Coronaviren empfindlich auf fettlösende Substanzen in herkömmlichen Seifen oder auch Geschirrspülmitteln. Die Substanzen beschädigen laut Experten die Virusoberfläche von SARS-CoV-2. Dadurch wird das Virus inaktiviert.

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