Wie sinnvoll sind Luftreiniger?

Regelmäßiges Lüften mit weit geöffneten Fenstern ist das beste Mittel, um Raumluft von Coronaviren, aber auch von anderen Luftschadstoffen zu befreien. Doch was tun, nun da es draußen immer kälter wird, man aber nicht immer frieren möchte? Vielerorts werden angesichts steigender Infektionszahlen Luftreiniger angepriesen. Worauf sollte man bei diesen Geräten achten?

Luftreiniger im Schlafzimmer

Das Wichtigste in Kürze

  1. Luftreiniger können die Luftqualität verbessern. Sie sind jedoch kein Ersatz für regelmäßiges Lüften.
  2. Nicht jedes Gerät filtert Viren und Virenpartikel aus der Luft.
  3. Die Leistung eines Luftreinigers muss zur Raumgröße und Personenzahl passen.
  4. Von Geräten, die mit Ozon oder Ionisatoren arbeiten, ist abzuraten.
  5. Verbraucher, die einen Luftreiniger kaufen möchten, sollten auch den Stromverbrauch des Geräts, die Lärmentwicklung sowie die Kosten für Wartung und Filterwechsel im Blick haben.
Stand: 16.10.2020

„Lüften, lüften, lüften“ lautete die Devise der letzten Wochen, um das Corona-Infektionsrisiko in Innenräumen zu senken. Doch nun da es immer kälter wird, gestaltet sich das Lüften zunehmend schwieriger. Gleichzeitig steigen die Infektionszahlen. Das ruft die Hersteller von Luftreinigern auf den Plan, die eifrig ihre Produkte anpreisen.

  • Unsere Luftreiniger filtern bis zu 99,995 % der Viren, Bakterien & Aerosole aus der Luft.“
  • „Holen Sie sich mit dem Hochleistungs-Luftreiniger saubere Luft in Ihren Alltag.“
  • „Reduziert infektiöse Aerosole und Viren durch UVC-Bestrahlung und Aktivkohlefilter.“

Wenn Sie mit der Anschaffung eines Luftreinigers liebäugeln, sollten Sie einige Dinge beachten. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengefasst.

Unabhängige Testergebnisse und Filter prüfen

Verlassen Sie sich beim Kauf eines Luftreinigers nicht nur auf die Versprechen der Hersteller. Achten Sie darauf, dass die Leistungsdaten des Geräts von unabhängiger und seriöser Stelle getestet und bestätigt wurden.

Achtung, nicht alle Luftfilter halten virushaltige Partikel aus der Luft zurück! Nur Geräte, die über sogenannte High Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H14 verfügen, können Viren oder kleinste, mit Viren beladene Tröpfchen (Aerosole) filtern.

Reinigungsleistung muss zur Raumgröße passen

Achten Sie darauf, dass die Filterleistung des Geräts für die Raumgröße und Personenanzahl ausreichend ist. Positionieren Sie den Reiniger im Raum so, dass er einen großen Anteil der Raumluft ansaugen kann. Die virenbeladene Luft sollte nicht nur im Raum verteilt und verwirbelt werden. Achtung, in fast allen Räumen gibt es strömungstote Zonen, in denen die Reiniger ihren Zweck nicht erfüllen.

Gerade die kleinsten Partikel sind besonders schwer abzusondern. Sollen Luftreiniger effizient arbeiten, ist dafür in der Regel die höchste Leistungsstufe notwendig. Das braucht meist viel Strom und sorgt oft für reichlich Lärm. Das verschweigen die Hersteller der Geräte gerne. Ein normaler Raum mit einer Fläche von 20 Quadratmetern beispielsweise müsste mit einem Luftreiniger ausgestattet werden, der 10 Kubikmeter (!) Luft pro Minute durch den Filter schleust. Das ist eine ganze Menge!

Finger weg von Geräten mit Ozon und Ionisatoren

Vermeiden sollten Sie den Kauf von Luftreinigern, die mit Ozon arbeiten. Ozon kann die Raumluft belasten oder zu chemischen Reaktionen führen, die die Luft mit weiteren gesundheitsschädlichen Stoffe anreichern.

Andere Geräte-Typen ionisieren die Raumluft. Dieses Verfahren macht Viren jedoch nicht wirksam unschädlich. Zudem wird bei der Ionisation von Luft Ozon gebildet, das nicht alle Geräte in harmlosere Verbindungen umwandeln. Daher raten wir auch von Geräten mit Ionisatoren ab.

Das Reizgas Ozon kann tränende Augen, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen verursachen.

Gut zu wissen

Regelmäßiges Lüften mit weit geöffneten Fenster ist unverzichtbar, um Raumluft von Coronaviren zu befreien. Luftfilter können das Lüften lediglich ergänzen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

UV-C-Licht ebenfalls problematisch

Andere Luftreiniger arbeiten mit sogenanntem UV-C-Licht. Das ist energiereiche ultraviolette Strahlung. Diese Strahlung ist prinzipiell in der Lage, Viren unschädlich zu machen. Ob die UV-Technik aus handelsüblichen Geräten tatsächlich Viren wirkungsvoll deaktivieren kann, ist laut Umweltbundesamt jedoch noch nicht nachgewiesen.

Luftreiniger mit UV-C-Strahlung sollten Sie zum Schutz von Haut und Augen nur dann einsetzen, wenn die Geräte wirklich keine UV-C-Strahlung freisetzen.

Stromverbrauch im Blick haben

Je nach eingestellter Ventilatorstufe und Nutzungszeit des Luftreinigers summieren sich die Kilowattstunden. Gerade dann, wenn der Reiniger in der kalten Jahreszeit möglicherweise im Dauereinsatz läuft.

Oft wird vom Hersteller der Verbrauch bei niedriger Stufe angegeben, aber Sie benötigen eine deutlich höhere, um die gewünschte Luftumwälzung zu erzielen. Nicht zu vergessen der Stromverbrauch im Standby-Betrieb! Schalten Sie die Geräte im Ruhezustand daher lieber komplett aus und prüfen Sie vor dem Kauf unbedingt deren Verbrauch.

Ein weiterer Nachteil: Viele Geräte sind keine Leisetreter, sondern machen Lärm. Lassen Sie sich das Gerät im Handel vorführen (auch die höchste Stufe). So können Sie am besten abschätzen, ob Sie mit der Geräuschkulisse eines Luftreiniger-Modells leben können oder nicht.

Filter vom Experten wechseln lassen

Mit dem Kauf eines Luftreinigers alleine ist es nicht getan. Die Reiniger müssen regelmäßig gewartet und die potenziell verseuchten Filter nach einer bestimmten Betriebszeit ausgewechselt werden. Das sollten Sie geschulten Experten überlassen. Wir raten davon ab, die in der Regel ziemlich teuren Filter selbst zu tauschen. Bedenken Sie, dass durch den professionellen Filtertausch zusätzliche Kosten entstehen.

Unser Rat

Verlassen Sie sich beim „Säubern“ der Atemluft nicht nur auf Luftreiniger. Geräte mit dem richtigen Filter mögen zwar die Luftqualität verbessern und die Viruslast minimieren, doch eine sichere Bank sind sie nicht. Viele Dinge sind zu beachten, damit ein handelsübliches Luftreinigungsgerät den gewünschten Effekt erzielt. Sicher sind Ihnen hingegen eine höhere Stromrechnung, meist viel Lärm und Folgekosten für die professionelle Wartung des Geräts.

Wir raten in Corona-Zeiten trotz Kälte zum regelmäßigen Lüften: Mit der sogenannten Querlüftung (es reichen auch fünf Minuten) sorgen Sie für ausreichend Durchzug und den nötigen Luftaustausch. Öffnen Sie dafür mindestens zwei gegenüberliegende Fenster soweit wie möglich.

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