Ärger beim Kauf von Möbeln und Küchen

Käufer von Möbeln oder Küchen sollen fast immer eine Anzahlung leisten. Doch eine Pflicht, das Geld vorzustrecken, gibt es nicht. Weigern Sie sich, denn Sie allein tragen das Risiko. Und setzen Sie Fristen bei Lieferverzug.

Frau schaut sich ein Sofa in einem Möbelhaus an

Das Wichtigste in Kürze

  1. Anzahlungen für Möbel und Küchen sind unrechtmäßig. Verbraucher müssen erst bei Lieferung zahlen.
  2. Selbst wenn im „Kleingedruckten“ eine Anzahlung vereinbart ist, kann diese in der Regel verweigert werden.
  3. Verzögert sich eine Möbellieferung, sollten Verbraucher ihren Vertragspartner in Verzug setzen. Dann haben sie Ansprüche auf Rücktritt oder Schadensersatz.

Zahlung erst bei Lieferung oder nach Einbau

Wer Möbel im Ladengeschäft oder eine Einbauküche kauft, ist nicht verpflichtet, eine Anzahlung zu leisten. Die Zahlung ist erst bei der Lieferung bzw. nach dem Einbau fällig.

Nach dem Gesetz besteht keine Vorausleistungspflicht bei Kaufverträgen. Auch bei sogenannten Werkverträgen, zum Beispiel beim Kauf einer maßangefertigten Einbauküche oder maßangepassten Jalousien, müssen Sie erst nach Abschluss der Arbeiten zahlen. Denn: Für Sie als Kunden sind Anzahlungen in Höhe von oft einigen Tausend Euro ein hohes Risiko.

  • Geht der Händler pleite, ist Ihr Geld weg, obwohl Ihnen keine Möbel geliefert wurden.

  • Für die oft einige Monate dauernde Lieferzeit geben Sie Ihrem Händler einen zinslosen Kredit.
     

Sogar dann, wenn im Kleingedruckten eine Anzahlung festgelegt wurde, können Sie den Vorschuss verweigern und eine Lieferung ohne Anzahlung verlangen. Denn eine derartige Klausel ist – zumindest bei einem Kauf im stationären Handel (Möbelhaus) und im Rahmen von Werkverträgen (Maßanfertigungen) – unwirksam. Das haben bereits einige Gerichte entschieden, zum Beispiel das Landgericht Potsdam, Az. 8 O 627/94, das Oberlandesgericht Dresden, Az. 21 U 3679/97 für 20 Prozent Anzahlung, das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken, Urteil vom 4. Oktober 2001, Az. 4 U 115/00 – Fenster- und Türenhersteller / 80 Prozent bei Lieferung, 20 Prozent nach Montage.

Auch die Vereinbarung „Restzahlung vor Lieferung“ ist ungültig! (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 10. März 1999, Az. VIII ZR 204/98).

Unser Rat

Verweigern Sie Anzahlungen grundsätzlich. Wenn der Händler darauf besteht: Kaufen Sie die Möbel notfalls woanders!

Frist setzen bei Lieferverzug

Sie haben Möbel bestellt, doch auch nach Wochen ist die Couch noch nicht da?

Da hilft es nichts, wenn Sie dem Händler hinterher telefonieren. Dann wird es Zeit, den Vertragspartner in Verzug zu setzen. Denn nur, wenn er in Verzug ist, haben Sie weitergehende Ansprüche auf Rücktritt oder Schadensersatz. Aus Beweisgründen sollten Sie die Fristsetzung unbedingt schriftlich vornehmen – am besten per Einwurf-Einschreiben. Die Frist muss angemessen sein. Unser Musterbrief hilft Ihnen dabei.

Auch, wenn Sie die Möbel wirklich gern haben möchten und eigentlich gar nicht zurücktreten wollen: Kündigen Sie das an, denn nur das bringt den Händler auf Trab.

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