Gefährliche Billigware im Internet: So erkennen Sie unsichere Produkte beim Online-Shopping
Sehr günstige Produkte aus Online-Shops erfüllen häufig nicht die europäischen Sicherheitsstandards. Besonders betroffen sind Spielzeug, Elektronik, Kosmetik und Haushaltswaren. Als Verbraucherin oder Verbraucher können Sie viele Risiken nicht selbst erkennen. Vor dem Kauf sollten Sie deshalb Verkäufer, Herkunft der Ware und Rückgabemöglichkeiten prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sehr günstige Produkte im Online-Handel sind oft unsicher oder gefährlich – besonders bei Direktversand aus Nicht-EU-Ländern.
- Verbraucherinnen und Verbraucher können viele Risiken nicht selbst erkennen, etwa Schadstoffe oder elektrische Mängel. Besonders riskant sind Kinderartikel, Elektronik, Kosmetik und Haushaltswaren, schlechte Qualität findet sich auch häufig bei Kleidung.
- Deshalb gilt vor jedem Kauf: Verkäufer, Impressum, Rücksenderegeln und Versandherkunft prüfen – bei Unklarheiten besser nicht kaufen.
- Möchten Verbraucherinnen und Verbraucher in einem Online-Shop kaufen, den sie nicht kennen, sollten sie zunächst überprüfen, ob der Shop bereits auf der Fake Shop-Liste oder China Shop-Liste der Verbraucherzentrale Hamburg gelistet ist oder der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen Alarm schlägt.
Fast alle Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten, dass Produkte, die sie in einem deutschsprachigen Online-Shop oder auf einem Online-Marktplatz in Deutschland kaufen können, europäischen Standards zum Beispiel bei der Produktsicherheit genügen. Ein Irrtum: Es findet vor Markteinführung meist keine unabhängige Prüfung von Produkten statt. Um die Einhaltung von Sicherheitsstandards müssen sich Hersteller und Händler kümmern.
Warum ist Billigware aus dem Internet häufig problematisch?
Produkte werden vor dem Verkauf in der Regel nicht von unabhängigen Stellen geprüft. Für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften sind Hersteller und Händler verantwortlich. Kontrollen zeigen jedoch, dass insbesondere sehr günstige Produkte aus außereuropäischen Drittstaaten häufig gegen europäische Sicherheitsstandards verstoßen.
Bei einer EU-weiten Kontrollaktion der Zollbehörden erfüllte mehr als die Hälfte von rund 20.000 überprüften Spielzeugen und elektronischen Kleingeräten die Anforderungen nicht. Laboruntersuchungen einer Stichprobe dieser Produkte ergaben, dass 84 Prozent gefährlich waren. Auch die Zahl der Warnmeldungen im europäischen Schnellwarnsystem (RAPEX/Safety Gate) hat mittlerweile einen Rekordwert erreicht.
Welche Produkte sind besonders problematisch?
Bei einigen Produktgruppen können Mängel direkte Folgen für Gesundheit und Sicherheit haben:
| Produktgruppe | Typische Risiken |
| Spielzeug und Kinderartikel | Weichmacher, verschluckbare Kleinteile, Strangulationsgefahr, mangelnde Cybersicherheit bei Smart Toys |
| Elektrische Geräte und Ladegeräte | Brandgefahr, Stromschlaggefahr, mangelnde Cybersicherheit |
| Kosmetik | Nicht deklarierte oder gefährliche Inhaltsstoffe |
| Kleidung und Schuhe | Nicht deklarierte oder gefährliche Inhaltsstoffe (bei Hautkontakt) |
| Haushaltswaren | Schadstoffe und Materialmigration |
Bedeuten CE-Zeichen und GS-Zeichen, dass ein Produkt geprüft wurde?
Nein. Das CE-Zeichen ist kein unabhängiges Prüfsiegel. Mit der Kennzeichnung erklärt der Hersteller lediglich, dass sein Produkt den Sicherheitsanforderungen der EU entspricht. Eine unabhängige Kontrolle findet in vielen Fällen nicht statt. Daher kommt es häufig zur missbräuchlichen Verwendung. Fehlt das CE-Zeichen, muss das Produkt nicht zwangsläufig mangelhaft sein, jedoch raten wir vom Kauf ab, insbesondere bei Kinderspielzeug, Werkzeug oder elektronischen Artikeln.
Mehr Sicherheit bietet das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“). Produkte mit diesem Zeichen wurden freiwillig von unabhängigen, zugelassenen Prüfstellen wie TÜV oder DEKRA auf ihre Sicherheit geprüft. Die Prüfung wird freiwillig von den Herstellern veranlasst.
Wer haftet für Schäden durch unsichere Produkte?
Das europäische Produktsicherheitsrecht setzt darauf, dass Importeure und Händler in der EU haften. Schwieriger wird es, wenn es keinen verantwortlichen Hersteller oder Händler mit Sitz in der Europäischen Union gibt. In solchen Fällen können Schadensersatzansprüche oft nicht durchgesetzt werden. Marktüberwachungsbehörden können dann meist nur erreichen, dass gefährliche Produkte nicht weiter verkauft werden.
Auch das europäische Warnsystem „Safety Gate“ greift erst, wenn ein Produkt bereits als gefährlich erkannt und gemeldet wurde oder ein Unfall passiert ist.
Welche weiteren Nachteile haben Billigprodukte?
Neben Sicherheitsrisiken gibt es weitere Probleme, die Sie kennen sollten:
- Verbraucherrechte lassen sich häufig schwer durchsetzen: Widerrufs- und Gewährleistungsrechte sowie Rückerstattungen sind bei außereuropäischen Anbietern oft kaum durchsetzbar.
- Billigprodukte halten häufig nicht lange: Billigprodukte sind oft so minderwertig, dass sie schnell kaputtgehen oder unbrauchbar sind. Die Produktionsbedingungen genügen meist nicht europäischen Standards – weder in Bezug auf faire Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz noch in Bezug auf Umweltschutz.
- Billigprodukte belasten die Umwelt: Die Herstellung von kurzlebigen Konsumgütern geht mit enormen Umweltbelastungen einher: Ressourcenverbrauch, Treibhausgasemissionen, Luft-, Wasser-, und Bodenverschmutzungen durch den Einsatz von Schadstoffen. Minderwertige Materialien und Produkte können meist nicht recycelt werden, darüber hinaus entstehen Emissionen durch lange Transportwege.
Wie erkenne ich seriöse Online-Shops?
Wenn Sie einen unbekannten Online-Shop nutzen möchten, prüfen Sie zunächst, ob er bereits auf der Fake-Shop-Liste oder der China-Shop-Liste der Verbraucherzentrale Hamburg gelistet ist oder der Fakeshop-Finder Alarm schlägt. Achten Sie zusätzlich auf folgende Punkte:
- Gibt es einen verantwortlichen Anbieter in Deutschland oder der EU? Der Vertragspartner muss eine physische Anschrift in Deutschland oder der EU angeben (nicht nur Postfach oder Kontaktformular) sowie Kontaktdaten (Telefon, E-Mail). Prüfen Sie auf dem Registerportal, ob das Unternehmen tatsächlich unter der angegebenen Handelsregisternummer registriert ist. Achtung, manchmal nutzen die Betrüger auch einfach die Daten anderer Personen oder Firmen, um mit einem vermeintlich vollständigen Impressum Seriosität vorzugaukeln. Nähere Informationen zu Unternehmen erhalten Sie im Unternehmensregister für Deutschland und die EU.
- Gibt es Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten? Falls der Hersteller nicht in der EU niedergelassen ist, müssen Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten vorliegen. Sind die Angaben unvollständig, nicht nachvollziehbar oder fehlen komplett, ist ein Kauf nicht empfehlenswert.
- Sind Widerruf und Rücksendung klar geregelt? Sind die Angaben zu Widerruf und Rücksendung unklar, widersprüchlich oder nicht auffindbar: besser nicht kaufen, denn es besteht ein hohes Risiko.
- Woher kommt die Ware? Diese Angaben findet man bei dem jeweiligen Produkt unter Stichworten wie „Versand aus …“ oder „Lieferung durch …“. Manchmal sieht man erst im Checkout, aus welchem Lager das Produkt tatsächlich kommt (EU-Lager oder EU-Ausland). Seriöse EU-Händler mit eigenem Lager liefern in der Regel innerhalb weniger Werktage. Wird eine Lieferzeit von 10 bis 20 Tagen angegeben oder fallen zusätzliche Kosten für Zollgebühren an, sind das sehr starke Hinweise auf eine Einfuhr aus Drittstaaten.
Wie kann man sichere Produkte auswählen?
Der Preis allein sagt nichts über die Qualität eines Produkts aus. Extrem niedrige Preise gehen jedoch häufig mit Sicherheitsmängeln einher. Achten Sie deshalb auf folgende Punkte:
- Lesen Sie die Kundenbewertungen. Kundenbewertungen – positive wie negative - geben Hinweise zu den Produkten. Hier gilt: Besonders auf negative Bewertungen anderer Käufer und Käuferinnen achten.
- Bevorzugen Sie den Kauf auf Rechnung. Empfehlenswert ist immer die Bezahlung auf Rechnung. Zahlungen per Vorkasse sind riskant. Wenn andere Zahlmethoden (zum Beispiel Kreditkarte, Paypal) zwar beworben werden, aber im Bezahlvorgang nicht funktionieren, ist ebenfalls Vorsicht geboten.
- Achten Sie auf aussagekräftige Güte- und Prüfsiegel und Produkttests. Viele Produkte sind mit Güte- oder Prüfsiegeln versehen. Nicht alle sind aussagekräftig. Unabhängige Prüfsiegel wie das GS-Zeichen oder TÜV-/VDE-Zertifikate bestätigen zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Produkte von in der EU registrierten Herstellern unterliegen Kontrollen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass dem CE-Zeichen auch Prüfungen des Herstellers zu Grunde liegen. Unabhängige Bewertungen wie die der Stiftung Warentest geben die Gewissheit, dass die Produkte in Deutschland getestet wurden.
- Prüfen Sie, ob Sicherheitshinweise vorhanden und verständlich sind. Wenn die Sicherheitshinweise fehlen, unklar formuliert oder nicht in der Landessprache (zum Beispiel Deutsch für den deutschen Markt) vorliegen, sollte das Misstrauen wecken. Denn das kann ein Anzeichen für ein unsicheres oder nicht-konformes Produkt sein. Sicherheitshinweise finden sich zum Beispiel unter dem Begriff „Produktbeschreibung“.
- Achten Sie besonders bei Produkten mit erhöhtem Risiko auf Qualität. Überall da, wo von minderwertigen Produkten besondere Gefahren ausgehen können, sollten Sie beim Einkauf besonders auf Qualität achten.
- Prüfen Sie Warnmeldungen. Sind Produkte auf Portalen wie BAuA, Safety Gate gelistet, gilt unbedingt: Nicht kaufen!
Was tun, wenn ein Produkt gefährlich erscheint?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Produkt unsicher ist oder eine Gefahr für Ihre Gesundheit oder Sicherheit darstellt, sollten Sie es nicht weiter verwenden. Das gilt insbesondere bei elektrischen Geräten, Spielzeug oder Produkten mit direktem Hautkontakt.
- Verwenden Sie das Produkt nicht weiter. Trennen Sie elektrische Geräte vorsorglich vom Stromnetz und bewahren Sie das Produkt auf.
- Sichern Sie Belege und dokumentieren Sie den Mangel. Bewahren Sie Kaufbelege, Bestellbestätigungen und den Schriftverkehr mit dem Händler auf. Fotos oder Videos können helfen, Mängel oder Schäden nachzuweisen.
- Informieren Sie den Händler. Beschreiben Sie den Mangel möglichst genau und verlangen Sie gegebenenfalls eine Erstattung oder Ersatzlieferung.
- Prüfen Sie bestehende Warnmeldungen. Informationen zu gefährlichen Produkten finden Sie im europäischen Schnellwarnsystem Safety Gate sowie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
- Melden Sie gefährliche Produkte den zuständigen Behörden. Besteht ein ernstes Sicherheitsrisiko, sollten auch die Marktüberwachungsbehörden informiert werden. Dadurch können weitere Verbraucherinnen und Verbraucher geschützt werden.
- Dokumentieren Sie entstandene Schäden. Wenn durch das Produkt ein Sach- oder Personenschaden entstanden ist, sollten Sie Schäden und Verletzungen sorgfältig dokumentieren.
- Wichtig: Bewahren Sie das Produkt zunächst auf und entsorgen Sie es nicht vorschnell. Es kann als Nachweis für Reklamationen oder mögliche Schadensersatzansprüche benötigt werden.
Häufige Fragen
Sind sehr günstige Produkte immer unsicher?
Nein. Ein niedriger Preis bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt gefährlich ist. Das Risiko ist bei extrem günstiger Ware aus Nicht-EU-Ländern jedoch erhöht.
Kann ich Schadstoffe oder technische Mängel selbst erkennen?
Meist nicht. Viele Gefahren sind für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht sichtbar.
Ist das CE-Zeichen ein Qualitätsnachweis?
Nein. Das CE-Zeichen ist kein unabhängiges Prüfsiegel.
Wer haftet bei Schäden?
Grundsätzlich Importeure oder Händler innerhalb der EU. Bei Anbietern außerhalb der EU können Ansprüche schwer durchsetzbar sein.
Wo finde ich Warnungen zu gefährlichen Produkten?
Warnungen veröffentlicht unter anderem das europäische Schnellwarnsystem Safety Gate sowie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
Haben Sie weitere Fragen zum Themen, wenden Sie sich gerne an unsere Expertinnen und Experten im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit.