Dürfen Fitnessstudios Verträge wegen Corona verlängern?

Sie haben den Vertrag mit Ihrem Fitnessstudio fristgerecht gekündigt? Doch dann heißt es: Wegen Corona müssen Sie noch länger Mitglied bleiben und weitere Monatsraten zahlen. Eine solche Vertragsverlängerung müssen Sie nicht akzeptieren, finden wir.

Training im Fitnessstudio

Das Wichtigste in Kürze

  1. Einige Fitness- und Wellnessstudios verlängern die Laufzeit der Verträge ihrer Kunden um die Dauer der behördlich angeordneten Corona-Schließzeit. Verbraucher, die ihren Vertrag fristgerecht gekündigt haben, sollen oft für weitere Monate zahlen.
  2. Rechtlich gilt: Die Laufzeit eines (Erst)Vertrags ist verbunden mit einem konkreten Datum für die Kündigung. Dieses Ausstiegsdatum ist bereits beim Vertragsschluss festgelegt und darf nicht einseitig durch ein Unternehmen geändert werden.
  3. Die Verbraucherzentrale Hamburg hilft Ratsuchenden, wenn sie Probleme bei der Kündigung ihres Vertrags zur vereinbarten Frist haben.
Stand: 13.07.2021

Immer wieder beschweren sich Sporttreibende bei uns, weil ihnen mitgeteilt wurde, dass sich die Laufzeit ihres Vertrags mit dem Fitnessstudio um die Dauer der behördlich angeordneten Corona-Schließung verlängern würde.

Wir sind der Auffassung: Die einseitige Änderung der Vertragslaufzeit durch einen Fitnessstudiobetreiber ist unzulässig. Für eine Kündigung gelten trotz Corona-Schließzeit die im ursprünglichen Vertrag festgelegten Fristen.

Laufzeit ist Laufzeit

Wird ein Vertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten am 1. April geschlossen, kann er zum 31. März des Folgejahres gekündigt werden. Der festgelegte Zeitraum ist ein wesentlicher Bestandteil des Vertrags. Die Laufzeit kann nur in Absprache mit dem Kunden geändert werden. Doch trotz unserer Meinung nach eindeutiger Rechtslage lassen Fitnessstudios die Verträge ihrer Kunden neuerdings einfach länger laufen.

  • Herrn C. schrieb man: „Da Ihr Vertrag die Zahlung von insgesamt zwölf Beiträgen vorsieht, verlängert sich Ihre Mitgliedschaft folglich um die Dauer der Schließung.“
  • Frau A., die ihren Vertrag zum 30. September kündigen wollte, erhielt eine Bestätigung für den 30. November 2020 mit dem folgenden Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass sich durch das Pausieren das derzeitige Enddatum Ihres Vertrages ändert.“

Bietet Ihnen Ihr Fitnessstudio eine Verlängerung Ihres Vertrags um den Zeitraum der Schließung an, so können Sie sich darauf einlassen, müssen es aber nicht!  

Einige Unternehmen argumentieren, dass sie während der Schließzeit keine Mitgliedsbeiträge eingezogen hätten. Das klingt großzügig, ist aber eine Selbstverständlichkeit! Als Fitnessstudiomitglied müssen Sie keine Beiträge leisten, wenn Sie die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht nutzen können.

Ebenso verweisen viele Anbieter darauf, dass sie aufgrund der „Störung der Geschäftsgrundlage“ zur Verlängerung des Vertrags berechtigt wären. Selbst wenn man diese Auffassung nicht bereits im Ansatz ablehnt, muss der Studiobetreiber nachweisen, dass ein Festhalten an der ursprünglich vereinbarten Vertragslaufzeit unzumutbar ist. Das bedeutet nach unserer Auffassung: Er muss daher darlegen, dass weder Kosten für Honorarmitarbeiter während der Schließzeit gespart noch Kurzarbeitergeld beantragt wurde, keine sonstigen staatlichen Hilfeleistungen erfolgten und auch keine grundsätzliche Möglichkeit bestand, sich gegen eine Betriebsschließung zu versichern.

Auch das Amtsgericht Papenburg (Urteil vom 18. Dezember 2020; Az. 3 C 337/20) ist der Ansicht, dass sich der Vertrag nicht um die coronabedingte, behördlich angeordnete Schließzeit verlängert. Dieses Urteil wurde im Berufungsverfahren vom LG Osnabrück (Urteil vom 9. Juli 2021; Az. 2 S 35/21) bestätigt. Das Landgericht hat die Revision zugelassen.

Ebenso hat das Amtsgericht Döbeln (Az.: 3 C 878/20) mit Urteil vom 15.03.2021 die Klage eines Fitnessstudios abgewiesen. Das Studio hatte auf Zahlung von Beiträgen geklagt, da es der Ansicth war, dass sich der Vertrag um die behördlich angeordnete Schließzeit verlängert und sich das Vertragsende daher verschoben hat. 

Gutschein muss eingelöst werden

Abweichend von der grundsätzlichen Regel „Keine Leistung – kein Geld“ ist am 20. Mai 2020 ein Gesetz in Kraft getreten, dass Unternehmen berechtigt, für die Zeit der coronabedingten Schließung einen Gutschein in Höhe der entsprechenden Summe auszustellen. Das gilt für Verträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden.

Hat man Ihnen für die ausgefallene Trainingsmöglichkeit während der Schließzeit einen solchen Gutschein ausgestellt, so können Sie diesen auch noch vor Ende der regulären Laufzeit Ihres Vertrags einlösen (nach Wiedereröffnung mit den laufenden Beiträgen verrechnen). Ist das Einlösen während der Vertragslaufzeit nicht mehr möglich, können Sie die Auszahlung des Betrages verlangen – allerdings erst Anfang 2022.

Unser Angebot

Haben Sie auch Probleme mit ihrem Fitnessstudiovertrag? Unsere Juristinnen und Juristen helfen weiter – telefonisch oder im persönlichen Gespräch. Am Ende dieser Seite finden Sie Informationen zu unserem Beratungsangebot.

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