Dürfen Fitnessstudios Verträge wegen Corona verlängern?

Sie haben den Vertrag mit Ihrem Fitnessstudio fristgerecht gekündigt? Doch nun heißt es: Wegen Corona müssen Sie noch länger Mitglied bleiben und zwei weitere Monatsraten zahlen. Das ist unzulässig! Eine solche Vertragsverlängerung müssen Sie nicht akzeptieren.

Training im Fitnessstudio

Das Wichtigste in Kürze

  1. Einige Fitness- und Wellnessstudios verlängern die Laufzeit der Verträge ihrer Kunden um die Dauer der behördlich angeordneten Corona-Schließzeit. Verbraucher, die ihren Vertrag fristgerecht gekündigt haben, sollen oft für zwei weitere Monate zahlen.
  2. Rechtlich gilt: Die Laufzeit eines (Erst)Vertrags ist verbunden mit einem konkreten Datum für die Kündigung. Dieses Ausstiegsdatum ist bereits beim Vertragsschluss festgelegt und darf nicht einseitig durch ein Unternehmen geändert werden.
  3. Die Verbraucherzentrale Hamburg hilft Ratsuchenden weiter, wenn sie Probleme bei der Kündigung ihres Vertrags zur vereinbarten Frist haben.
Stand: 09.06.2020

Nach mehrwöchiger Corona-Schließzeit ist das Trainieren in Fitnessstudios in vielen Bundesländern wieder erlaubt. Seither beschweren sich immer mehr Sporttreibende bei uns, weil ihnen mitgeteilt wurde, dass sich die Laufzeit ihres Vertrags um die Dauer der behördlich angeordneten Schließung verlängern würde.

Wir stellen klar: Die einseitige Änderung der Vertragslaufzeit durch einen Fitnessstudiobetreiber ist unzulässig. Für eine Kündigung gelten trotz Corona-Schließzeit die im ursprünglichen Vertrag festgelegten Fristen.

Laufzeit ist Laufzeit

Wird ein Vertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten am 1. April geschlossen, kann er zum 31. März des Folgejahres gekündigt werden. Der festgelegte Zeitraum ist ein wesentlicher Bestandteil des Vertrags. Die Laufzeit kann nur in Absprache mit dem Kunden geändert werden. Doch trotz eindeutiger Rechtslage lassen Fitnessstudios die Verträge ihrer Kunden neuerdings einfach länger laufen.

  • Herrn C. schrieb man: „Da Ihr Vertrag die Zahlung von insgesamt zwölf Beiträgen vorsieht, verlängert sich Ihre Mitgliedschaft folglich um die Dauer der Schließung.“
  • Frau A., die ihren Vertrag zum 30. September kündigen wollte, erhielt eine Bestätigung für den 30. November 2020 mit dem folgenden Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass sich durch das Pausieren das derzeitige Enddatum Ihres Vertrages ändert.“

Bietet Ihnen Ihr Fitnessstudio eine Verlängerung Ihres Vertrags um den Zeitraum der Schließung an, so können Sie sich darauf einlassen, müssen es aber nicht!  

Einige Unternehmen argumentieren, dass sie während der Schließzeit keine Mitgliedsbeiträge eingezogen hätten. Das klingt großzügig, ist aber eine Selbstverständlichkeit! Als Fitnessstudiomitglied müssen Sie keine Beiträge leisten, wenn sie die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht nutzen können. Die finanziellen Verluste der Corona-Zeit wollen einige Anbieter nun anscheinend zu Lasten der Verbraucher ausgleichen.

Gutschein muss eingelöst werden

Abweichend von der grundsätzlichen Regel „Keine Leistung – kein Geld“ ist am 20. Mai 2020 ein Gesetz in Kraft getreten, dass Unternehmen berechtigt, für die Zeit der Corona-bedingten Schließung einen Gutschein in Höhe der entsprechenden Summe auszustellen. Das gilt für Verträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden.

Hat man Ihnen für die ausgefallene Trainingsmöglichkeit während der Schließzeit einen solchen Gutschein ausgestellt, so müssen Sie diesen auch noch vor Ende der regulären Laufzeit Ihres Vertrags einlösen können.

Unser Angebot

Haben Sie auch Probleme mit ihrem Fitnessstudiovertrag? Unsere Juristinnen und Juristen helfen weiter – telefonisch oder im persönlichen Gespräch. Am Ende dieser Seite finden Sie Informationen zu unserem Beratungsangebot.

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