Notdienste kassieren ab

Zuerst kein Glück und dann kommt noch das Pech dazu: Ob Kurzschluss, verstopfte Toilette oder Schädlingsinvasion – besonders im Notfall bitten unseriöse Dienstleister Verbraucher gerne zur Kasse. Doch Wucherpreise müssen Sie nicht akzeptieren! Bleiben Sie hartnäckig und zahlen Sie nicht!

Handwerker im Einsatz

Das Wichtigste in Kürze

  1. Notdienste schlagen oft Kapital aus der misslichen Lage ihrer Kunden und fordern enorme Geldbeträge für ihre Dienstleistungen.
  2. Wer zahlt, sieht sein Geld in aller Regel nicht wieder.
  3. Viele Firmen geben vor, ein regionaler Anbieter zu sein, dabei agieren sie bundesweit und nutzen lediglich örtliche Telefonvorwahlen.
Stand: 13.09.2019

Ob verstopfte Wasserleitungen, ausgelaufene Waschmaschinen oder kaputte Heizungsanlagen – häusliche Katastrophen passieren besonders gern in den Abendstunden oder am Wochenende. Ein Glückspilz, wer dann einen guten und günstigen Handwerker zur Hand hat. Anbieter, die auf den vorderen Listenplätzen der Suchmaschinen landen oder mit Anzeigen in den Gelben Seiten werben, fordern oft Wucherpreise und ziehen einem das Geld aus der Tasche.

So funktioniert die Notfall-Abzocke

Über kostenfreie 0800-er Nummern, oft aber auch regionale Nummern, die am Ende auf eine Vermittlungsplattform führen, geraten Verbraucher an die schwarzen Schafe der Handwerksbranche. Im Netz mit geringen Anfahrtspauschalen und günstigen Preisen beworben, entpuppen sich die Notdienste – sind sie erst einmal vor Ort – als miese Drückerkolonnen, die auf sofortige Zahlung bestehen. Meist werden die Arbeiten umfangreicher und damit teurer als zunächst vermutet. Rohrreinigungsfirmen beispielsweise lassen sich den Einsatz von Spezialgeräten teuer bezahlen, wie etwa die Fahrt mit einer Kamera durchs Leitungssystem.

Sind die Arbeiten erledigt, wird eine extrem überhöhte Rechnung präsentiert, die noch vor Ort bezahlt werden soll. Reicht das Bargeld nicht aus, ist schnell ein Gerät zur mobilen Zahlung gezückt, um den Betrag mit der Geldkarte zu begleichen. Klappt das nicht, geht es manchmal sogar gemeinsam zum Geldautomaten der Hausbank, um die Summe abzuheben.

4.000 Euro für Schädlingsbekämpfung

Eine Verbraucherin entdeckte in ihrer Küche Motten. Der angerufene Schädlingsbekämpfer versprühte zehn Dosen Ungezieferbekämpfungsmittel und präsentierte eine Rechnung über knapp 2.000 Euro. Da sie eine solch hohe Geldsumme nicht in bar hatte, beglich die Verbraucherin den Betrag über ein Kartenlesegerät. Doch weil die Übertragung der Zahlungsinformationen beim ersten Mal angeblich nicht funktioniert hatte, gab sie ihre Daten ein zweites Mal ein. Als der Schädlingsbekämpfer schon längst über alle Berge war, stellte sie fest, dass das Geld zweimal von ihrem Konto abgebucht worden war. Die Bank sah sich nicht in der Lage, die knapp 4.000 Euro zurückzuholen. Rund 60 Euro pro Dose hatte der Dienstleister für das Schädlingsbekämpfungsmittel verlangt. Im Baumarkt um die Ecke kostete die identische Packung nur fünf Euro. Auf der Rechnung stand keine Firmenanschrift, sondern nur eine dubiose „GmbH in Gründung“.

Wer die Wucherpreise für den Notdienst bezahlt hat, stellt im Nachhinein oft fest, dass auf der Rechnung keine verwertbaren Adressen und Namen stehen – es also gar keinen Kontakt gibt, von dem man sein Geld zurückfordern könnte.

Keine überhöhten Preise zahlen

Je mehr Druck man auf Sie ausübt, desto wahrscheinlicher ist die Notfall-Rechnung überhöht. Desto wahrscheinlicher ist auch, dass Sie Ihr Geld nie wiedersehen werden. Zahlen Sie daher allenfalls einen Betrag, der angemessen erscheint sofort. Will man Sie einschüchtern, so rufen Sie jemanden zu Hilfe, zum Beispiel einen Nachbarn, Familie oder Freunde.

Täglich benötigen zahllose Verbraucher die Hilfe von Notdiensten. Doch Wucherpreise müssen Sie nicht akzeptieren!

Unser Rat

Bewahren Sie Ruhe, wenn Sie in eine Notsituation geraten sind. Überlegen Sie genau, ob Ihr Problem sofort gelöst werden muss oder Sie noch Zeit haben, einen zuverlässigen Handwerker zu suchen. 

Ist Eile geboten, so beauftragen Sie nicht den erstbesten Notdienst, der Ihnen von Suchmaschinen im Internet oder den Gelben Seiten vorgeschlagen wird. Versuchen Sie schon am Telefon, einen Festpreis zu vereinbaren. Haben Sie einen „Blanko-Auftrag“ erteilt und keinen Preis vorab vereinbart, zahlen Sie nicht vorschnell mehrere Hundert Euro. Informieren Sie die Polizei und erstatten Sie Strafanzeige, wenn ein Unternehmen Ihre Notlage ausgenutzt und unverhältnismäßig viel Geld von Ihnen verlangt hat.

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