Reise stornieren – geht das?

Ob Terroranschlag in London, Putschversuch in der Türkei oder Zika in Südamerika – viele fragen sich, ob sie eine gebuchte Reise antreten müssen oder sie stornieren können. Reiseanbieter zeigen sich angesichts solcher Ereignisse oft kulant. Wir erklären, unter welchen Umständen ein Urlaub abgesagt werden kann. 

Sandburg am Strand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Gebuchte Reisen können bei Katastrophen durch höhere Gewalt im Reiseland kostenfrei storniert werden. Einzelne Terroranschläge zählen nicht dazu.
  2. Das Auswärtige Amt gibt eine Einschätzung dazu, ob die Situation im Urlaubsgebiet als gefährlich eingeschätzt wird oder nicht.
  3. Reise-Rücktrittskostenversicherungen springen nur ein, wenn Reisende selbst oder ein naher Angehöriger schwer erkrankt oder stirbt.
Stand: 01.07.2018

Bei Unruhen im Urlaubsland, nach Naturkatastrophen, Krieg und Terroranschlägen fragen sich viele, ob sie eine gebuchte Reise antreten müssen oder stornieren können.

Gefahrensituation – ja oder nein?

Wenn aufgrund von sogenannter höherer Gewalt im Urlaubsgebiet eine Gefahrensituation vorliegt, die die Reise erheblich gefährdet oder beeinträchtigt, kann die Reise kostenfrei gekündigt werden. Wurde die Reise oder der Flug bereits bezahlt, erhält man das Geld zurück.

Bei der Einschätzung „Gefahrensituation, ja oder nein?” geht es um eine objektive Sichtweise; persönliche Angst oder Befürchtungen zählen nicht. Ob die Situation im Urlaubsgebiet als gefährlich eingeschätzt wird, können Sie beim Auswärtigen Amt erfahren.

Was sagt das Auswärtige Amt? Rät das Auswärtige Amt nicht ab, will man aber gleichwohl auf keinen Fall fahren, muss man in den sauren Apfel beißen und Stornokosten zahlen oder aber, wenn man anderer Auffassung ist und die Situation am Urlaubsort objektiv für gefährlich hält, es auf einen gerichtlichen Streit ankommen lassen. Gerichte sind zwar letztlich nicht an die Einschätzung des Auswärtigen Amts gebunden, man muss aber schon sehr handfeste Belege vorweisen, um sie dann zu überzeugen.

Ob ungeklärter Flugzeugabsturz, Terroranschläge, Lawinenkatastrophen oder Epidemien – jeder Fall ist unterschiedlich zu beurteilen. Leider wird erst Monate später durch die Gerichte entschieden, ob es sich bei den Ereignissen um höhere Gewalt gehandelt hat und in welcher Region diese vorlag – doch die persönliche Entscheidung muss sofort getroffen werden.

Faustregel

Einzelne terroristische Gewaltakte erlauben in der Regel keine Stornierung, vielmehr sind flächendeckende, (bürger-)kriegsähnliche Zustände erforderlich. Komplizierter wird es bei höherer Gewalt, wenn der Urlaub bereits angetreten war.

Für Reisen, die vor dem 1. Juli 2018 gebucht wurden, gilt: Eventuell durch die Kündigung des Vertrags entstehende Mehrkosten für Unterbringung und Flug werden zwischen Reisendem und Veranstalter aufgeteilt. Wurde die Reise nach dem 1. Juli 2018 gebucht, so muss der Reiseveranstalter die Kosten der Unterbringung für höchstens drei Nächte tragen (in Ausnahmefällen auch länger). Die Mehrkosten der Rückbeförderung gegen ganz zu Lasten des Veranstalters.

So oder so, wenden Sie sich auf jeden Fall an Ihren Reiseveranstalter. In der Vergangenheit haben viele Reiseanbieter eine Umbuchung aus Kulanz ermöglicht.

Hilft die Versicherung?

Eine Reise-Rücktrittskostenversicherung tritt für diese Stornokosten nicht ein. Die greift nur, wenn Sie selbst aufgrund einer schweren Krankheit an der Reise gehindert werden oder bei Krankheit bzw. Tod eines nahen Angehörigen.