Dispo: Immer noch Wucher!

Banken leihen sich für nur 0,00 Prozent bei der EZB Geld und verlangen für den Dispo bis zu 13,75 Prozent, wie ein Vergleich der Stiftung Warentest zeigt. Das ist Wucher und muss per Gesetz gestoppt werden! Infos rund ums Thema Dispozinsen.

Älteres Ehepaar schaut auf Geldscheine

Das Wichtigste in Kürze

  1. Verbraucher müssen bei vielen Banken und Sparkassen zu hohe Dispozinsen zahlen, wenn sie ihr Konto überziehen.
  2. Kreditinstitute sind gesetzlich verpflichtet, den Dispozins auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Außerdem müssen sich Verbraucher beraten lassen, wenn sie ihren Dispo „dauerhaft und erheblich” in Anspruch nehmen. 
  3. Die Verbraucherzentrale fordert eine Deckelung der Zinssätze, um die Dispozinsen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren.
Stand: 12.12.2017

Bereits seit Jahren zahlen Verbraucher für ihre Dispositionskredite (Dispo) Zinssätze, die in keinem angemessenen Verhältnis stehen. Banken leihen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld für derzeit nur 0,00 Prozent und verlangen für den Dispo bis zu knapp 14 Prozent. Noch höher liegen die Zinssätze in der Regel für die von vielen Banken geduldete Überziehung des Dispos, diese ist mitunter noch einmal fünf Prozentpunkte teurer. Das ist Wucher und muss per Gesetz gestoppt werden.

Wucher mit Dispo und Überziehungszinsen

Eine Untersuchung der Zeitschrift Finanztest hat gezeigt: Den günstigsten Dispozins verlangt die Deutsche Skatbank mit 0,0 Prozent für ihr online geführtes Konto; 13,75 Prozent zahlen hingegen Kunden mit schlechter Bonität bei der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost. Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 9,78 Prozent. An der Situation hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Erfreulich ist einzig, dass alle Banken den Zinssatz nunmehr auf ihrer Internetseite veröffentlichen. Dazu sind sie allerdings seit März 2016 gesetzlich verpflichtet.

Gesetzentwurf kein großer Wurf

Im Juli 2015 hat sich die Bundesregierung endlich dazu durchgerungen, in Sachen Dispozins zu handeln. Danach ist ein Beratungsangebot für Verbraucher verpflichtend, die ihren Dispokredit „dauerhaft und erheblich” in Anspruch nehmen. Doch wer will gerne mit seiner Bank reden, wenn das Konto andauernd ins Minus rutscht? Außerdem haben  die Kreditinstitute wohl kaum ein Interesse daran, ihren Kunden günstigere Ratenkredite anzubieten, wenn sie mit den hohen Zinsen der Dispokredite viel mehr verdienen können.

Seit Juni 2010 sollen Kunden nach­voll­ziehen können, wie und wann sich die Zinsen verändern. Die Kreditinstitute legen seitdem in ihren AGBs in einer Zins­anpassungs­klausel fest, an welchen Referenz­wert sie den Dispozins koppeln. Der Abstand zwischen dem EZB-Leitzins und dem durchschnittlichen Dispozins lag vor der Finanz­krise Anfang 2008 bei gut acht Prozent­punkten. Dann stieg er 2010 auf fast zwölf Prozentpunkte. Aktuell liegt der Unterschied immer noch bei knapp zehn Prozent­punkten.

Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes will das zuständige Ministerium die Entwicklung der Dispozinsen über fünf Jahre hinweg beobachten und anschließend entscheiden, ob weitere Schritte notwendig sind, um die Zinssätze zu senken.

Unser Fazit

Information ist gut. Transparenz ist gut. Beratung ist gut. Dennoch werden alle drei Punkte zusammen nicht helfen, die Dispozinsen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren. Das Nachsehen haben die Verbraucher, die – wenn sie einmal in der Schuldenfalle stecken – auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Da hilft nur die Deckelung der Zinssätze.

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