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Inflation: Dispo wird zur Kostenfalle

Immer mehr Menschen geraten angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten in finanzielle Bedrängnis. Viele Betroffene nutzen dann einen Dispokredit, zeigt eine aktuelle Umfrage. Doch die Dispozinsen sind bei den meisten Banken viel zu hoch und grenzen an Wucher.

Eine Frau sitzt verzweifelt über Rechnungen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der Dispositionskredit (umgangssprachlich „Dispokredit“, auch nur „Dispo“) ist die von Kreditinstituten auf einem Girokonto eingeräumte, betraglich begrenzte Überziehungsmöglichkeit.
  2. Etwa jede bzw. jeder Siebte hat im letzten Quartal 2022 einen Dispokredit genutzt oder das Konto überzogen. Fast jede bzw. jeder Zehnte sieht sich nicht in der Lage, gestiegene Kosten auf Dauer zu tragen.
  3. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen bei vielen Banken und Sparkassen sehr hohe Dispozinsen zahlen, wenn sie ihr Konto überziehen. Der durchschnittliche Zinssatz lag Ende 2022 bei etwa 10 Prozent.
  4. Kreditinstitute sind gesetzlich verpflichtet, den Dispozins auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Außerdem müssen sie ihre Kundinnen und Kunden über Alternativen zum Dispokredit aufklären, wenn diese ihren Dispo „dauerhaft und erheblich” in Anspruch nehmen.
Stand: 03.02.2023

Seit Jahren zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher für ihre Dispositionskredite (Dispo) Zinssätze, die in keinem angemessenen Verhältnis stehen. Angesichts der aktuellen Preissteigerungen werden die teuren Kredite für immer mehr Menschen zur Kostenfalle. Eine aktuelle Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Die Inflation treibt Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend in Dispokredite.

  • Von Anfang September bis Anfang Dezember 2022 hat etwa jeder siebte Verbraucher bzw. jede siebte Verbraucherin (14 Prozent) in Deutschland einen Dispokredit genutzt oder das Konto überzogen.
  • Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten mit Dispokredit beziehungsweise Kontoüberziehung geben an, dass höhere Kosten – beispielsweise für Lebenshaltung oder Energie – der Grund dafür waren. 
  • 9 Prozent aller im selben Zeitraum Befragten ab 18 Jahren sehen sich nicht in der Lage, die gestiegenen Lebenshaltungskosten auf Dauer tragen zu können und müssen sich verschulden.
  • 14 Prozent der Befragten mit Dispokredit bzw. Kontoüberziehung rechnen damit, ihr Konto erst nach mehr als sechs Monaten wieder ausgleichen zu können. 
  • Mehr Informationen zur Umfrage

Wucher mit Dispo und Überziehungszinsen

Innerhalb der Branche verlangen die Unternehmen uneinheitliche Dispozinsen von ihren Kundinnen und Kunden: Laut Dispozins-Vergleich der Stiftung Warentest vom Mai 2022 erhebt beispielsweise die Deutsche Skatbank bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.250 Euro und einem maximalen Dispolimit von 2.500 Euro gar keine Dispo-Zinsen (0,0), die ING Diba nimmt 6,99 Prozent und die Deutsche Bank 11,65 Prozent. Wird ein Konto über den vereinbarten Disporahmen hinaus überzogen, verlangt die Deutsche Bank bis zu 15,15 Prozent.

Der durchschnittliche Zins von 10 Prozent für einen Dispokredit ist fast doppelt so hoch wie die Kosten für einen herkömmlichen Ratenkredite mit einer Zinsbindung von 1 bis 5 Jahren. An dieser misslichen Situation hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Erfreulich ist einzig, dass alle Banken den Zinssatz per Gesetz mittlerweile auf ihren Internetseiten veröffentlichen müssen.

Nur Informationen helfen nicht weiter

Die Politik muss endlich handeln! Verbraucherinnen und Verbraucher dürfen durch Dispokredite nicht in schlimmere finanzielle Not geraten. Die Nutzung des Dispos sollte nur für kurze Zeit möglich und der Disporahmen begrenzt sein, auch ein Zinseszins-Verbot wäre ein gutes Mittel, um explodierende Kosten zu vermeiden.

Zwar sind Banken seit 2015 verpflichtet, aktiv das Gespräch mit ihren Kundinnen und Kunden zu suchen und über Alternativen zum Dispokredit aufzuklären, wenn diese ihren Dispokredit „dauerhaft und erheblich” in Anspruch nehmen. Doch die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre zeigen, dass diese Vorgabe wenig nützt. Wer will schon gerne mit seiner Bank reden, wenn das Konto andauernd ins Minus rutscht? Außerdem haben die Kreditinstitute wohl kaum ein Interesse daran, Betroffenen günstigere Ratenkredite anzubieten, wenn sie mit den hohen Zinsen der Dispokredite viel mehr verdienen können.

    Unser Rat

    Information ist gut. Transparenz ist gut. Beratung ist gut. Dennoch werden alle drei Punkte zusammen nicht helfen, die Dispozinsen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren. Das Nachsehen haben die Verbraucherinnen und Verbraucher, die – wenn sie einmal in der Schuldenfalle stecken – auf keinen grünen Zweig mehr kommen.

    Ist Ihr Konto dauerhaft im Dispo? Dann raten wir Ihnen, sich aktiv nach einem günstigen Ratenkredit umzuschauen. Hier sind die Zinsen für Sie günstiger. Haben Sie keine Aussicht auf einen Kredit, sollten Sie sich an eine Schuldnerberatung wenden. Unsere Expertinnen und Experten helfen weiter, wenn Ihnen die Schulden über den Kopf wachsen.

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