P&R Container: Schiffbruch eines Anlagemodells

Schiffscontainer kaufen, vermieten und wieder verkaufen: Das Anlagemodell von P&R Container erschien vielen Verbraucherinnen und Verbraucher über Jahre hinweg lukrativ. Doch tatsächlich existierten viele Container nur auf dem Papier und so brach das ganze System im Frühjahr 2018 zusammen. Aus der Insolvenzmasse von P&R sollen jetzt erste Gläubiger Abschlagszahlungen erhalten. Gleichzeitig setzt der Insolvenzverwalter Anleger jedoch mit der Anfechtung bereits abgewickelter Miet- und Rückzahlungen unter Druck.

Schiff mit Containern auf der Elbe

Das Wichtigste in Kürze

  1. Zehntausende Anleger sind von der Pleite der P&R Containergesellschaften betroffen.
  2. Erste Gläubiger sollen jetzt Abschlagszahlungen erhalten. Eine zweite Auszahlung ist für Mitte 2022 angekündigt.
  3. Der Insolvenzverwalter erklärt die Anfechtung bereits abgewickelter Zahlungen und fordert Anlegerinnen und Anleger zum Verzicht auf die Einrede der Verjährung auf.
Stand: 02.07.2021

Im Frühjahr 2018 meldete P&R Container die Insolvenz für drei Gesellschaften an. Bald folgten zwei weitere deutsche Gesellschaften der P&R Gruppe. Es geht um Investitionen im Umfang von mehreren Milliarden Euro bei den folgenden Gesellschaften:

  • P&R Container Leasing GmbH (Az. 1542 IN 727/18)
  • P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 726/18)
  • P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 728/18)
  • P&R Transport-Container GmbH (Az. 1542 IN 1127/18)
  • P&R AG (Az. 1542 IN 1128/18)

Die meisten Betroffenen schauen auf eine jahrelange Historie von Investitionen in Container bei P&R zurück, sie haben oft mehrere Verträge mit P&R-Gesellschaften abgeschlossen und damit in der Vergangenheit eine hohe Rendite erzielt. Doch am Ende wurden sie bitter enttäuscht. Ein riesiger Kapitalanlagebetrug von geschätzten 2,5 Milliarden Euro wurde aufgedeckt.

Entschädigung anteilig je nach Schadenshöhe

Die ersten Anleger sollten ab Mai 2021 Abschlagszahlungen aus der Insolvenzmasse der P&R Containergesellschaften erhalten. Zuvor hatte sich die Mehrheit der Gläubiger dafür ausgesprochen, alle P&R-Anleger weitgehend gleich zu behandeln, egal bei welcher der Gesellschaften sie Kunde waren. Eine zweite Auszahlung ist für Mitte 2022 angekündigt. Ausgestanden ist der Fall für Anleger damit allerdings noch nicht. Parallel zu den Auszahlungen treibt der Insolvenzverwalter ausstehende Forderungen ein, darunter fallen auch bereits an Anleger ausgezahlte Mieten und Rückkaufsummen für Container. Da juristisch noch gar nicht geklärt ist, ob diese Rückforderungen überhaupt berechtigt sind, fordert der Insolvenzverwalter betroffene Anleger zu einem Verzicht auf die Einrede der Verjährung auf. So möchte er Zeit gewinnen, um die unklaren Rechtsfragen höchstrichterlich entscheiden zu lassen.

Unser Rat: Stimmen Sie auf keinen Fall unüberlegt so einer Verzichtserklärung zu. Lassen Sie sich von neutraler Stelle beraten, ihre Optionen prüfen und gegeneinander abwägen. Wir sind für Sie da – kompetent und unabhängig.

Schneeballsystem mit Containern

P&R betrieb ein gigantisches Schneeballsystem. Über eine Million Container existierten vor der Insolvenz nur auf dem Papier und wurden niemals auf ein Schiff geladen. Die zwangsläufige Folge dieses Systems: Die laufenden Erlöse aus der Containerflotte reichten nicht mehr aus, um die Mietansprüche der Anleger zu bedienen. In den Jahren 2008 und 2009 brach außerdem die Containernachfrage in Folge der internationalen Finanzkrise dramatisch ein. „Unbeschäftigte“ Container führen aber nicht nur zu Mietausfällen, sondern verursachen ganz erhebliche Kosten. Diese „Stillstandskosten“ können den Substanzwert von Containern schnell aufzehren. Ende 2009 erfolgte daher sogar ein Notverkauf von 210.000 Containern unter Marktwert.

Statt Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, wurden die fälligen Auszahlungen an die Anleger aus Neuanlagegeldern aufgebracht. Dieses System ließ sich jedoch nur aufrechterhalten, solange genug frisches Geld hereinkam. Seit 2016 und 2017 ließen sich Container nur noch schwer an Anleger verkaufen und P&R verfügte bald nicht mehr über ausreichende finanzielle Mittel.

Unser Angebot

Die Anleger haben sich im Insolvenzverfahren auf eine anteilige Auszahlung je nach Schadenshöhe verständigt. Voraussetzung für eine Auszahlung ist eine ordnungsgemäße Anmeldung zur Insolvenztabelle. Auch Anleger, die nachträglich mit einer Anfechtung und Rückforderung ihrer bereits erhaltenen Auszahlungen konfrontiert sind, sollten ihre Ansprüche in der Insolvenz anmelden. Unsere unabhängigen Experten prüfen für Sie, wie Sie auf die Schreiben des Insolvenzverwalters reagieren sollten.

Denkbar ist auch eine Inanspruchnahme des Bank- oder Anlageberaters auf Schadenersatz, falls diesem Fehler bei der Beratung nachzuweisen sind. Lassen Sie von unseren Experten prüfen, ob Sie beim Abschluss der Anlage falsch beraten wurden.

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