Verlangt Ihre Bank Negativzinsen?

Vom sogenannten Verwahrentgelt auf Tagesgeld- und Girokonten waren bislang nur Geldsummen meist über 100.000 Euro betroffen. Jetzt berechnen erste Anbieter – zumindest bei Neukunden – diese Negativzinsen ab dem ersten Euro. Auch Bestandskunden kann Ärger drohen.

Finger drehen zwei Würfel

Das Wichtigste in Kürze

  1. Immer mehr Banken und Sparkassen berechnen ein sogenanntes Verwahrentgelt (Negativzinsen), in einigen Fällen schon ab einem Euro Guthaben auf Tagesgeld- und Girokonten.
  2. Von diesen Strafzinsen sind vor allem Neukunden betroffen, doch einige Banken streben auch Vereinbarungen mit Bestandskunden an, um nachträglich ein Verwahrentgelt berechnen zu können.
  3. Vor einer Kontoeröffnung sollte man sich unbedingt bei der Bank erkundigen, ob und ab wann sie Negativzinsen erhebt.
  4. Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt Beschwerden von Betroffenen.
  5. Die Verbraucherzentrale hat wichtige Fragen zum Thema gesammelt und beantwortet diese kurz und knapp.
Stand: 06.05.2021

Immer mehr Kreditinstitute verlangen für Guthaben auf Tagesgeld- und Girokonten mittlerweile Negativzinsen. Tendenz weiter steigend. Im Schnitt betragen diese Negativzinsen 0,5 Prozent. Einige Anbieter berechnen keine sogenannten Verwahrentgelte, sondern verlangen stattdessen Gebühren für das Führen eines Tagesgeldkontos.

Bislang gelten Strafzinsen fast ausschließlich für Neukunden. Banken und Sparkassen versuchen allerdings bereits, individuelle Vereinbarungen mit Bestandskunden zu treffen, um nachträglich ein Verwahrentgelt berechnen zu können. Betroffene berichteten uns, dass ihre Bank mit Kündigung des Kontos gedroht habe, falls man sich nicht einigen könne.

Wichtig: Unterschreiben Sie nicht unüberlegt! Unserer Auffassung nach darf von Bestandskunden ohne eine Vereinbarung kein Negativzins verlangt werden. Droht Ihre Bank offen mit Kündigung des Girokontos, sollten sie die Vereinbarung nur dann verweigern, wenn Sie bereit sind, Ihre Bank notfalls zu wechseln.

Danke für Ihren Hinweis!

Geben Sie uns gerne Bescheid, wenn Sie von Ihrem Kreditinstitut zur Zahlung von Negativzinsen für Ihre Spareinlagen aufgefordert wurden. Uns interessiert zudem, welche Angebote Ihnen seitens Ihrer Bank oder Sparkasse unterbreitet werden.

Markt in Bewegung

Banken, die heute noch keine Negativzinsen berechnen, können dies morgen schon tun. In der Regel folgen Anbieter aktuellen Trends am Markt sehr schnell. Auch die Einlagenhöhe, ab der Negativzinsen berechnet werden, kann sich jederzeit ändern:

  • 16. April 2021: Die Hamburger Sparkasse kündigt an, ab dem 1. Mai bereits ab einem Guthaben von 50.000 Euro ein Verwahrentgelt zu verlangen. Zuvor lag die Grenze noch bei 500.000 Euro. Ebenfalls zum 1. Mai soll die Höhe der Spareinlagen auf 100.000 Euro begrenzt werden. Bestehende Guthaben sind davon allerdings ausgenommen.

Die Informationen zu Negativzinsen sind auf den Internetseiten von Banken und Sparkassen nicht immer leicht zu finden, zum Teil sind sie gar nicht oder nur unvollständig vorhanden. Hier erwarten wir mehr Transparenz seitens der Unternehmen.

Situation bei Sparbüchern

Das Sparbuch gilt bislang als Möglichkeit, Negativzinsen zu umgehen. Bei einem Sparvertrag sind Banken, juristisch gesehen, nämlich Darlehensnehmer. Als Kunde ist man Darlehensgeber und erhält für sein Geld Zinsen – und zwar positive. Ein Sparbuch mit Negativzinsen wäre kein Sparkonto mehr. Sollten Banken für solche Spareinlagen Negativzinsen verlangen, würden wir sie abmahnen. Informieren Sie uns also bitte, wenn man Sie für Ihr Sparbuch zur Kasse bittet.

Antworten auf Ihre Fragen zu Negativzinsen

Das Thema Negativzinsen bewegt zurzeit viele Menschen. Hier beantworten wir Ihnen häufig gestellte Fragen:

  • Negativzinsen, Verwahrentgelt, Strafzinsen: Ist das das Gleiche?
    Ja und nein. Für Neukunden gelten von vornherein andere Konditionen: Die Negativzinsen werden in den Vertragsschluss mit einbezogen: Der Neukunde weiß also von Anfang an, dass Negativzinsen erhoben werden. 
  • Ich bin Bestandskunde. Darf meine Bank/Sparkasse einfach Negativzinsen einführen?
    Die Bank/Sparkasse darf Sie nicht einfach zur Kasse bitten und Negativzinsen von Ihrem Guthaben abziehen. Es muss eine Vereinbarung darüber getroffen werden. Das bedeutet: Sie müssen einverstanden sein.
  • Was passiert, wenn ich mit Negativzinsen nicht einverstanden bin und die Vereinbarung nicht unterschreibe?
    Viele Anbieter haben ihren Kunden zunächst nur mündlich angedroht, die Konten ordentlich zu kündigen. Jetzt wissen wir auch von schriftlichen Androhungen, „die Geschäftsbeziehungen zu überdenken“. Wenn Sie nicht unterschreiben, sollten Sie sich also darauf einstellen, dass eine Kündigung durch den Anbieter erfolgt.
  • Werden Neukunden anders behandelt?
    Ja und nein. Für Neukunden gelten von vornherein andere Konditionen: Die Negativzinsen werden in den Vertragsschluss mit einbezogen: Neukunden wissen also von Anfang an, dass Negativzinsen erhoben werden. 
  • Muss ich auch auf dem Sparkonto Negativzinsen zahlen?
    Einige Anbieter wollen auch auf Sparkonten Negativzinsen einführen. Wir halten das für rechtswidrig und prüfen gerade juristische Schritte.
  • Kann ich mein Geld in einem anderen Finanzprodukt parken?
    Eine schnelle Ausweichmöglichkeit können Sparkonten sein. Das Geld ist ähnlich schnell verfügbar und sicher angelegt. Aber Vorsicht, einige Anbieter begrenzen die Höhe des Sparguthabens, zum Beispiel auf 100.000 Euro. Andere Banken bieten gar keine Sparprodukte mehr an.
  • Was gilt für Sparkonten?
    Aus unserer Sicht dürfen die Banken/Sparkassen keine Negativzinsen auf Sparkonten einbehalten. Es gibt einige Anbieter, die die Guthabenhöhe begrenzen.
  • Für welche Konten gelten die Negativzinsen?
    Momentan erheben Banken/Sparkassen hauptsächlich für Giro- und Tagesgeldkonten Negativzinsen. Dies ist aber nur nach Vereinbarung oder für Neukunden möglich.
  • Ist ein Negativzins/Verwahrentgelt rechtswidrig?
    Es ist umstritten, ob doppelte Kosten (Kontoführungsgebühren und Negativzinsen) für ein Girokonto einbehalten werden dürfen. Dies wird gerichtlich geklärt werden müssen. 
  • Gibt es Gerichtsverfahren?
    Ja, die Verbraucherzentrale Sachsen führt ein Verfahren gegen die Sparkasse Vogtland.
  • Dürfen die Banken/Sparkassen einfach kündigen?
    Den Anbietern steht in aller Regel ein ordentliches Kündigungsrecht zu. Dies ist unabhängig von Negativzinsen in den zu Vertragsbeginn geltenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt.  
  • Kündigen die Banken/Sparkassen wirklich?
    Ja, davon müssen wir ausgehen. Von ersten Kündigungen haben wir schon gehört.
  • Kann ich einfach die Bank wechseln?
    Ja, grundsätzlich schon. Allerdings gehen wir davon aus, dass auch weitere Anbieter Negativzinsen erheben werden.
  • Gibt es noch kostenlose Girokonten?
    Ja, die Stiftung Warentest hält eine Übersicht bereit.
  • Soll ich mein Einverständnis verweigern? Was hat das für Konsequenzen?
    Wenn Sie das tun, droht Ihnen die Kontokündigung. Leider wissen wir nicht, ob ein vom Anbieter gekündigtes Konto negative Auswirkungen bei der Schufa und auf Ihren Scoring-Wert hat.
  • Wie kann ich mein Guthaben alternativ anlegen?
    Das kommt ganz auf Ihren persönlichen Bedarf an. Wann und wofür benötigen Sie das Geld? Wie sicherheitsorientiert sind Sie? Können und wollen Sie ein Risiko eingehen?
  • Meine Bank hat mir Alternativen vorgeschlagen. Soll ich die annehmen?
    Bleiben Sie kritisch. Bankprodukte sind häufig sehr teuer und nicht auf Ihren Bedarf zugeschnitten. Unterschreiben Sie keinesfalls vorschnell, sondern lassen Sie die Angebote von einer Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe prüfen.
  • Ich bin unsicher, was ich mit dem Geld machen soll. Wo und wie kann ich mich am besten über Alternativen informieren?
    Ihre Verbraucherzentrale vor Ort steht Ihnen mit Rat und Tat zu Seite. Dort können Sie sich beraten oder Angebote einschätzen lassen.

Unser Tipps

Wenn Sie planen, ein neues Konto zu eröffnen, fragen Sie einfach direkt beim Anbieter nach, ob bzw. ab welchem Betrag Negativzinsen erhoben werden.

Sollten Ihre bestehenden Giro- und Tagesgeldkonten von einem Verwahrentgelt betroffen sein, suchen Sie nach einer neuen Bank oder Sparkasse bzw. verteilen Sie Ihr über den Freibetrag hinausgehendes Geld auf andere Konten. In unserem Sparzinsvergleich finden Sie Angebote ausgewählter Finanzinstitute.

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