Lohnt sich ein Beitragsentlastungstarif für die private Krankenversicherung?

In der privaten Krankenversicherung steigen die Beiträge mit dem Alter. Im Rentenalter wird das für viele Menschen zum Problem. Sogenannte Beitragsentlastungstarife sollen Abhilfe schaffen. Lohnt sich das?

Mann sitzt am Computer und stützt seinen Kopf

Das Wichtigste in Kürze

  1. Mit einem Beitrags­entlastungs­tarif der privaten Krankenversicherung können Verbraucher für hohe Beiträge im Alter vorsorgen.
  2. Die zusätzlichen Tarifbausteine sind mit zahlreichen Nachteilen verbunden und für die meisten Versicherten wenig sinnvoll.
  3. Die Verbraucherzentrale rät von Abschluss der Zusatztarife ab, denn ein Tarifwechsel spart am Ende meistens mehr Geld. 
Stand: 29.08.2018

In der privaten Krankenversicherung steigen die Beiträge mit zunehmendem Alter, doch die Einkünfte vieler Menschen sinken beim Renteneintritt. Mit sogenannten Beitragsentlastungstarifen wollen die Versicherer ihren Kunden unter die Arme greifen. Doch lohnt sich ein Tarif überhaupt?

Wir raten vom Abschluss eines gesonderten Tarifbausteins zur Beitragsentlastung im Alter ab, denn die Beiträge bleiben trotz Zusatzvereinbarung oft sehr hoch und das angesparte Geld kann zudem verloren gehen.

Nachteile von Beitragsentlastungstarifen

Mit einem Beitragsentlastungstarif können privat versicherte Verbraucher für hohe Krankenversicherungsbeiträge im Alter vorsorgen. Durch Zusatzzahlungen in den Jahren mit besserem Einkommen sollen die Beitragserhöhungen im Alter weniger hoch ausfallen. Doch was plausibel klingt, hat seine Tücken:

  • Die Beiträge für die private Krankenversicherung bleiben häufig trotz Entlastungstarif im Alter sehr hoch.
  • Das für die Beitragsentlastung angesparte Kapital wird nur sehr niedrig verzinst.
  • Wechseln Versicherte zu einer anderen Versicherungsgesellschaft oder in die gesetzliche Krankenversicherung, wird das angesparte Geld meist nicht ausgezahlt.
  • Im Todesfall haben die Erben das Nachsehen, denn die Sparsumme wird nicht ausgeschüttet.
  • Die getroffene Zusatzvereinbarung gilt in der Regel bis zum Lebensende.

Normalerweise dient das für die Beitragsentlastung angesparte Geld dazu, die Beiträge von Versicherten ab dem 67. Lebensjahr zu senken. Trotz Eintritt der Leistungspflicht durch die Versicherung müssen Betroffene den vereinbarten Betrag für den Entlastungstarif jedoch weiterzahlen. Da fragt man sich: Was soll eine Versicherung, für die man dann, wenn sie auszahlt, gleichzeitig weiter einzahlen muss?

Beispiel

Herr P. beschwerte sich bei uns darüber, dass er als hochbetagter Rentner immer noch monatlich die vereinbarte Summe für den Beitragsentlastungstarif zahlen müsse, und fragte, ob das wirklich rechtens sei. Er kam trotz der Beitragsentlastung auf eine monatliche Beitragsbelastung von mehr als 700 Euro.

Wir mussten Herrn P. sagen, dass er leider den Beitragsentlastungstarif bis zum Lebensende weiter zahlen muss – das hätte er bei Vertragsabschluss wissen können, wenn er alles gründlich gelesen hätte. (Aber wer liest schon alles, was er lesen müsste, um alles zu wissen, was er wissen müsste…?)

Die Beitragsentlastungstarife der privaten Krankenversicherer lohnen sich meistens nicht. Ein Tarifwechsel spart am Ende oft mehr Geld. Sinnvoll kann der zusätzliche Tarifbaustein unter Umständen für privatversicherte Angestellte sein, deren Arbeitgeber einen Teil der Kosten übernehmen und die ihre Aufwendungen steuerlich absetzen können.

Die Stiftung Warentest hat im September 2017 insgesamt 30 Beitragsentlastungs­tarife hinsichtlich Leistungsumfang, Rendite, Flexibilität und vertraglichen Regelungen überprüft. Zur kostenpflichtigen Tarifübersicht.

Unser Angebot

Unsere Experten beraten zur Tarifwahl in der privaten Krankenversicherung und informieren in dem regelmäßig stattfindenden Vortrag „Gesetzlich oder privat krankenversichern?“ über mögliche Fallstricke im Versicherungssystem. Die nächste Veranstaltung findet statt am Dienstag, 25. September 2018, 18:30 Uhr.

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