Ohne Krankenversicherung – was tun?

Obwohl in Deutschland schon vor Jahren eine Krankenversicherungspflicht eingeführt wurde, haben immer noch zu viele Bürger keine Absicherung für den Krankheitsfall. Für Menschen, die keine Krankenversicherung haben, gibt es eine Lösung.

Grüne Tasse neben dem Bett

Das Wichtigste in Kürze

  1. Etliche Menschen in Deutschland haben trotz einer Versicherungspflicht keine Krankenversicherung.
  2. Die Rückkehr in die gesetzliche oder private Krankenversicherung ist für die Betroffenen oft mit hohen Kosten verbunden.
  3. Ermäßigungen und spezielle Tarife sollen Nicht-Versicherten den Wiedereinstieg erleichtern.
Stand: 03.01.2018

Seit 2007 gilt für die gesetzliche (GKV) und seit 2009 für die private Krankenversicherung (PKV) eine allgemeine Versicherungspflicht. Der Versicherungsschutz wird jedoch nicht – wie etwa die Steuer – bei jedem Bürger über Finanz- oder Einwohnermeldeämter eingefordert und kontrolliert, sondern viele, z.B. freiwillig gesetzlich Krankenversicherte, müssen sich selbst melden. Tut man das nicht, muss man nachzahlen, selbst für mehrere Jahre rückwirkend. Zwar nicht den vollen Betrag, aber trotzdem kann das einige tausend Euro ausmachen.

Die richtige Krankenversicherung finden

Zunächst ist wichtig, zu klären, ob die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zuständig ist oder die private (PKV). Wer zuletzt in der GKV war, gehört dorthin. Wer privat versichert war, zur PKV. Wer unsicher ist, meldet sich besser zuerst bei einer Krankenkasse (GKV) an, die das dann klären sollte.

Gesetzliche Krankenversicherung: Wer sich als Noch-nicht-Versicherter bei einer Krankenkasse meldet, muss für jeden Monat zwischen Beginn der Versicherungspflicht und der Anmeldung einen ermäßigten Betrag von weniger als 50 Euro zahlen, allerdings kommen noch die Kosten für die Pflegeversicherung dazu. Die Konditionen gelten nur, wenn der Zeitraum länger als drei Monate ist, keine Leistungen der Krankenkasse in Anspruch genommen wurden oder diese Kosten zurückgezahlt werden und man vorher pflichtversichert war.
Freiwillig Versicherte müssen die vollen Beiträge nachzahlen, lediglich noch nicht beglichene Säumniszuschläge werden ihnen auf monatlich 1 Prozent ermäßigt.

Gut zu wissen

Beitragsschulden in der gesetzlichen Versicherung verjähren nach vier Jahren – außer bei vorsätzlichem Vorenthalten. Normalerweise werden von Neuversicherten also höchstens die reduzierten Beiträge für vier bis fünf rückständige Jahre gefordert.

Private Krankenversicherung: Für Privatversicherte mit Beitragsrückständen wurde der sogenannte Notlagentarif eingeführt, der allerdings nur geringe Leistungen bietet. Mit Hilfe des günstigen Tarifs sollen Betroffene ihre Schuldenberge reduzieren können. Verträge, die aufgrund von Beitragsrückständen ruhend gestellt worden sind, werden rückwirkend in den Notlagentarif überführt.

Gründe für fehlenden Versicherungsschutz

Warum sind immer noch viele Menschen nicht krankenversichert? Gründe dafür gibt es viele.

  1. Ein Grund ist, dass Menschen, die wenig oder nichts verdienen, trotzdem relativ viel Geld für ihre Krankenversicherung bezahlen müssen. Das ist in der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung sehr unterschiedlich: Die Krankenkassen stufen einen freiwillig versicherten Geringverdiener so ein, als würde er mehr als 2.000 Euro im Monat verdienen. Nur auf Antrag und mit Nachweis aller Einkommen kann diese Grenze auf etwa 1.300 Euro gesenkt werden, wofür immer noch 200 Euro Krankenversicherungsbeitrag im Monat zu zahlen sind. Dazu kommen noch Beiträge für die Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Bei der privaten Krankenversicherung ist es noch schlimmer, denn das Einkommen ist hier gänzlich irrelevant, nur das Alter und der Gesundheitszustand sind von Bedeutung. Deshalb kommen Privatversicherte noch häufiger in finanzielle Schwierigkeiten, vor allem wenn sie älter werden und die Beiträge unverhältnismäßig steigen.
  2. Ein zweiter Grund ist, dass Selbständige manchmal denken, sie könnten nicht nur ihre Firma, sondern auch ihr privates Leben ganz alleine stemmen. Aber Krankheit ist ein unvorhersehbares Schicksal und kann einen schnell überfordern, nicht nur finanziell.
  3. Ein dritter Grund dürfte sein, dass man sich mit dem Thema Krankheit nicht befassen möchte, wenn man jung und gesund ist.
  4. Ein vierter Grund ist sicher auch, dass in der Bevölkerung kein Bewusstsein für das Solidarsystem der gesetzlichen Krankenversicherung besteht, und mancher erst einsteigen will, wenn er Leistungen braucht, nicht aber, wenn es darum geht, die Leistungen für andere zu ermöglichen.

Unser Rat

Warten Sie mit Ihrer Krankenversicherung nicht, bis Sie krank werden. Denn dann haben Sie weder Kraft noch Lust, sich mit Ihrem Versicherungsstatus zu beschäftigen. Melden Sie sich bald bei der Krankenkasse oder Krankenversicherung, der Sie zuletzt angehört haben. Entrichten Sie den geringstmöglichen Beitrag und vereinbaren Sie eine Ratenzahlung, um Ihre ggf. aufgelaufenden Schulden abzustottern. Wenn Sie freiwillig gesetzlich versichert sind und Beitragsschulden haben: Beantragen Sie, dass noch nicht bezahlte Säumniszuschläge rückwirkend auf 1 Prozent reduziert werden.

Wenn Sie nicht wissen, ob Sie der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung zugehören: Gehen Sie zunächst zu einer gesetzlichen Krankenkasse.

Nur wer das System der Krankenversicherung in Deutschland nicht akzeptiert, hat es schwer. Für alle anderen gibt es immer eine Lösung.

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