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Krankenkasse wechseln – was sollte ich beachten?

Zum Jahreswechsel werden viele Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge voraussichtlich um bis zu 0,3 Prozentpunkte erhöhen. Ein Wechsel der Kasse kann sich lohnen und Ihnen helfen, Geld zu sparen. Doch der Monatsbeitrag allein sollte nicht ausschlaggebend sein. Wir erklären, worauf bei der Auswahl einer Krankenkasse zu achten ist.

Krankenkasse wechseln: Patientin gibt Gesundheitskarte an Arzt

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die monatlichen Kosten für den Versicherungsschutz einer Krankenkasse setzen sich zusammen aus dem normalen Beitragssatz und einem Zusatzbeitrag, den jede Kasse individuell festlegt.
  2. Erhöht die Krankenkasse den Zusatzbeitrag haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Wer schon länger als 12 Monate in seiner Krankenkasse ist, kann jederzeit kündigen – immer zum Ende des übernächsten Monats.
  3. Die allermeisten Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zwar gleich, doch bei einigen Service- und Leistungsangeboten bestehen teils erhebliche Unterschiede. 
  4. Beim Wechsel der Krankenkasse ist daher nicht nur auf den monatlichen Beitrag zu achten, sondern auch auf die angebotenen Leistungen.
  5. Je nach Kasse und Beitragssatz können Versicherte durch einen Kassenwechsel Geld sparen.
Stand: 07.11.2022

Erhöhen Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge, denken viele Versicherte über den Wechsel zu einer anderen, günstigeren Kasse nach. Lohnt sich das und was ist zu beachten? Wir sagen's Ihnen.

Welche Beiträge erheben Krankenkassen?

Krankenkassen verlangen ihren normalen Beitragssatz und können – wenn sie nicht kostendeckend arbeiten – einen Zusatzbeitrag erheben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen je zur Hälfte für beide Beiträge auf. Derzeit beträgt der Krankenkassenbeitrag 14,6 Prozent vom Bruttoeinkommen. Der Zusatzbeitrag liegt aktuell bei durchschnittlich 1,3 Prozent, zum Jahreswechsel wird er voraussichtlich um 0,3 Prozentpunkte steigen. Anders als beim normalen Beitrag von 14,6 Prozent kann es beim Zusatzbeitrag große Unterschiede zwischen den Krankenkassen geben. Mit Hilfe der Krankenkassenliste des GKV-Spitzenverbands können Sie alle Zusatzbeiträge der Kassen vergleichen.

Wie viel Geld kann ich durch einen Wechsel der Krankenkasse sparen?

Je nach Anstieg des Zusatzbeitrags und Bruttoeinkommen kann die Kostenersparnis pro Jahr am Ende eine dreistellige Summe ausmachen. Es kann aber auch sehr viel weniger sein. Sie sollten Ihren Fall genau durchrechnen.

Häufig heben die Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag nur um wenige Promillepunkte an. Eine Erhöhung um 0,1 Prozentpunkte führt bei einem Monatsverdienst von 3.000 Euro brutto für versicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Mehrkosten von 18 Euro pro Jahr. Für Selbstständige, die den Beitrag komplett alleine zahlen müssen, sind es 36 Euro jährlich. Kommt es tatsächlich zu einer Erhöhung um 0,3 Prozent liegt der Anstieg bei 54 Euro jährlich bzw. 108 Euro.

Von den bundesweit geöffneten Kassen verlangt die derzeit günstigste Krankenkasse einen Zusatzbeitrag von 0,69 Prozent, die teuerste 1,7 Prozent. Sollten beide Kassen ihren Zusatzbeitrag um 0,3 Prozentpunkte erhöhen, könnten versicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem Monatsverdienst von 3.000 Euro brutto durch einen Wechsel pro Jahr 181,80 Euro sparen, für freiwillig versicherte Selbstständige sind es sogar 363,60 Euro. Zu beachten ist jedoch, dass es sich hierbei um ein Extrembeispiel handelt, bei dem von der teuersten zur günstigsten Kasse gewechselt wird – in den meisten Fällen wird sich eine solche Ersparnis schwerlich realisieren lassen.

Wichtig!

Aktuell muss Sie Ihre Krankenkasse nicht mit einem gesonderten Informationsschreibens bzw. einem Brief über die Erhöhung des Zusatzbeitrags informieren. Auf den höheren Beitrag kann die Kasse auch nur in ihrer Mitgliederzeitschrift oder auf ihrer Website hinweisen. Lesen Sie die Veröffentlichungen Ihrer Krankenkasse also in nächster Zeit möglichst sorgfältig oder recherchieren Sie nach dem aktuellen Zusatzbeitrag auf eigene Faust im Internet. 

Worauf sollte ich beim Wechsel der Kasse achten?

Von einem Wechsel der Krankenkasse einzig mit Blick auf den Zusatzbeitrag raten wir ab. Betrachten Sie immer das Gesamtpaket. Die allermeisten Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zwar gleich, doch bei einigen Service- und Leistungsangeboten bestehen teils erhebliche Unterschiede. 

  • Welche Zusatzleistungen oder Zuzahlungen bietet Ihnen Ihre Krankenkasse? Das können zum Beispiel Zuschüsse für Osteopathie- oder Homöopathiebehandlungen, Zahnersatz oder Reiseimpfungen sein.
  • Gibt es spezielle Wahltarife, die interessant für Sie sind?
  • Kann man von einem Bonusprogramm profitieren und zum Beispiel Prämien erhalten, wenn man Vorsorgechecks nutzt.
  • Gibt es eine gutes Service- bzw. Beratungsangebot? Manche Krankenkassen setzen eher auf einen digitalen oder telefonischen Service, andere halten ein dichteres Filialnetz vor.

Erst wenn Sie von einer anderen Krankenkasse ein vergleichbares Angebot für einen deutlich niedrigeren Zusatzbeitrag erhalten, kann ein Wechsel sinnvoll sein.

Gut zu wissen

Die Wahl der richtigen Krankenkasse ist immer noch eine große Herausforderung. Über (häufig kostenpflichtige) Vergleichsportale lassen sich zwar Angaben zu Zusatzbeitrag, Filialdichte, Beratungs- und Leistungsangebot und mehr vergleichen, schnell zu überblickende Informationen zu ebenso relevanten Daten wie beispielsweise dem Genehmigungsverhalten der Kassen sind aber rar – wenn es sie denn überhaupt gibt. Wir fordern daher ein kostenfreies Vergleichsportal, auf dem Krankenkassen in standardisierter Form entsprechende Daten aufführen.

Wie finde ich die richtige Krankenkasse für mich?

Das Netz ist voll von Vergleichsportalen, die Sie bei der Suche nach einer guten Krankenkasse unterstützen können. Doch wir empfehlen – auch wenn die Suche 4,90 Euro kostet – den Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest, weil wir sicher sind, dass Sie hier unabhängig informiert werden.

Wann kann man die Krankenkasse wechseln?

Jede und jeder Versicherte kann seine Krankenkasse frei wählen und nach Belieben wechseln (eine Ausnahme gilt nur für Mitglieder der landwirtschaftlichen Krankenkasse). Ein Wechsel kann – sobald die sogenannte Bindungsfrist von 12 Monaten vorbei ist – immer zum Ablauf des übernächsten Monats vollzogen werden.

Wichtig: Wird ein Zusatzbeitrag neu eingeführt oder erhöht, haben Versicherte zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht. Dann entfällt die einjährige Bindungsfrist. Sie können Ihre Mitgliedschaft in diesem Fall bis zum Ablauf des Monats kündigen, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder erhöht wurde.

Wer schon länger als 12 Monate in seiner Krankenkasse ist, kann natürlich jederzeit kündigen – ebenfalls zum Ende des übernächsten Monats.

Wer allerdings einen speziellen Wahltarif zur Absicherung seines Krankengeldes abgeschlossen hat, kann immer erst frühestens nach Ablauf einer dreijährigen Bindungsfrist kündigen. 

Wie funktioniert der Krankenkassenwechsel?

Für einen Wechsel müssen Sie nur eine neue Krankenkasse auswählen und dieser beitreten. Ihre neue Kasse informiert sodann Ihre alte Kasse über den Wechsel. Letztere muss Ihnen innerhalb von zwei Wochen das Ende Ihrer Mitgliedschaft bestätigen.

Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber den Wechsel Ihrer Krankenkasse formlos mit. Ein eigenes Kündigungsschreiben an die alte Kasse und die Vorlage einer Kündigungsbestätigung bei der neuen Kasse sind nicht nötig.

Unser Angebot

Sie haben noch Fragen oder benötigen Unterstützung bei der Entscheidungsfindung? Unsere Expertinnen und Experten helfen Ihnen gerne weiter. Eine Übersicht unserer Beratungsangebote rund um Thema Krankenversicherung finden Sie am Ende dieser Seite.

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