Krankenkasse: Wechseln wegen höherer Beiträge?

Bei der Wahl einer Krankenkasse kommt es nicht nur auf die Höhe des Zusatzbeitrags an. Wichtig ist vor allem, welche Leistungen Sie für Ihre Beiträge bekommen. Das sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Krankenkasse beachten.

Krankenkasse wechseln: Patientin gibt Gesundheitskarte an Arzt
Stand: 26.02.2020

Erhöhen Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge, denken viele Versicherte über den Wechsel zu einer anderen, günstigeren Kasse nach. Lohnt sich das und was ist zu beachten? Wir sagen's Ihnen.

Welche Beiträge erheben Krankenkassen?

Krankenkassen verlangen ihren normalen Beitragssatz und können – wenn sie nicht kostendeckend arbeiten – einen Zusatzbeitrag erheben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen je zur Hälfte für beide Beiträge auf. Derzeit beträgt der Krankenkassenbeitrag 14,6 Prozent vom Bruttoeinkommen. Der Zusatzbeitrag liegt aktuell bei durchschnittlich 1,1 Prozent.

Beim Zusatzbeitrag gibt es große Unterschiede von Kasse zu Kasse: Zwischen 0,39 und 1,54 Prozent verlangen die bundesweit geöffneten Krankenkassen momentan.

Soll ich meine Krankenkasse wirklich wechseln?

Häufig heben die Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag nur um wenige Promillepunkte an. Eine Erhöhung um 0,1 Prozentpunkte führt bei einem Monatsverdienst von 3.000 Euro brutto für versicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gerade einmal zu Mehrkosten von 18 Euro pro Jahr. Für Selbstständige, die den Beitrag alleine zahlen müssen, sind es 36 Euro jährlich.

Von einem Wechsel der Krankenkasse einzig mit Blick auf den Zusatzbeitrag raten wir ab. Betrachten Sie das Gesamtpaket. Die allermeisten Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zwar gleich, doch bei einigen Service- und Leistungsangeboten bestehen teils erhebliche Unterschiede. 

  • Welche Zusatzleistungen oder Zuzahlungen bietet Ihnen Ihre Krankenkasse? Das können zum Beispiel Zuschüsse für Osteopathie- oder Homöpathiebehandlungen, Zahnersatz oder Reiseimpfungen sein.
  • Gibt es spezielle Wahltarife, die interessant für Sie sind?
  • Kann man von einem Bonusprogramm profitieren und zum Beispiel Prämien erhalten, wenn man Vorsorgechecks nutzt.
  • Gibt es eine gutes Service- bzw. Beratungsangebot? Manche Kassen setzen eher auf einen digitalen oder telefonischen Service, andere halten ein dichteres Filialnetz vor.

Erst wenn Sie von einer anderen Krankenkasse ein vergleichbares Angebot für einen deutlich niedrigeren Zusatzbeitrag erhalten, kann ein Wechsel sinnvoll sein.

Gut zu wissen

Die Krankenkassenwahl ist für Verbraucherinnen und Verbraucher leider noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Daran wird auch das neue „Gesetz für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung“ nichts ändern. Zwar können Versicherte die Höhe des Zusatzbeitrags leicht herausfinden, doch es fehlen schnell zu überblickende Informationen zum Genehmigungsverhalten der Kassen sowie zu den jeweiligen Service-, Beratungs- und Leistungsangeboten, die sich gut miteinander vergleichen lassen.

Wann kann man die Krankenkasse wechseln?

Jede und jeder Versicherte kann seine Krankenkasse frei wählen und nach Belieben wechseln (eine Ausnahme gilt nur für Mitglieder der landwirtschaftlichen Krankenkasse). Die ordentliche Kündigung einer Mitgliedschaft kann immer zum Ablauf des übernächsten Monats ausgesprochen werden. Zu beachten ist jedoch, dass ein Wechsel in der Regel nur alle eineinhalb Jahre möglich ist. Denn als Versicherter ist man 18 Monate an seine aktuelle – und natürlich auch zukünftige – Kasse gebunden.

Wichtig: Wird ein Zusatzbeitrag neu eingeführt oder erhöht, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Dann entfällt die eineinhalbjährige Bindungsfrist. Sie können Ihre Mitgliedschaft in diesem Fall bis zum Ablauf des Monats kündigen, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder erhöht wurde.

Wer schon länger als 18 Monate in seiner Krankenkasse ist, kann natürlich jederzeit kündigen – ebenfalls zum Ende des übernächsten Monats.

Wie funktioniert der Krankenkassenwechsel?

  • Kündigen Sie Ihrer alten Krankenkasse am besten schriftlich oder per Einschreiben.
    Formulierungshilfe: „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft in Ihrer Krankenkasse fristgemäß zum … (letzten Tag des übernächsten Monats einfügen). Von Rückwerbungsversuchen bitte ich abzusehen. Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung unverzüglich schriftlich (gemäß § 175 SGB V). Die Mitgliedsbescheinigung meiner neuen Krankenkasse sende ich Ihnen innerhalb der Kündigungsfrist zu. Mit freundlichen Grüßen“
  • Spätestens zwei Wochen nach Erhalt der Kündigung muss Ihnen Ihre alte Krankenkasse eine Kündigungsbestätigung ausstellen. Bestehen Sie darauf, dass Sie die Bestätigung der Kündigung sofort erhalten. Schalten Sie notfalls das Bundesversicherungsamt ein.
  • Mit der Kündigungsbestätigung Ihrer alten Krankenkasse melden Sie sich bei Ihrer neuen Kasse und beantragen eine Mitgliedschaft. Sie erhalten dann Ihre neue Mitgliedsbescheinigung und eine Versichertenkarte. Übrigens, alle gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, neue Mitglieder unabhängig von Alter, Einkommen oder Gesundheitszustand aufzunehmen.
  • Sobald Sie die Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse bei Ihrer alten Krankenkasse vorlegen, ist die Kündigung wirksam. Bis Sie von Ihrer neuen Krankenkasse aufgenommen werden, sind Sie durch Ihre alte Krankenkasse abgesichert. Legen Sie die Mitgliedsbescheinigung Ihrer neuen Krankenkasse sofort Ihrem Arbeitgeber vor.

Wie finde ich die richtige Krankenkasse für mich?

Das Netz ist voll von Vergleichsportalen, die Sie bei der Suche nach einer guten Krankenkasse unterstützen können. Doch wir empfehlen – auch wenn die Suche 3,50 Euro kostet – den Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest, weil wir sicher sind, dass sie hier unabhängig informiert werden.

Unser Angebot

Sie haben noch Fragen oder benötigen Unterstützung bei der Entscheidungsfindung? Unsere Expertinnen und Experten helfen Ihnen gerne weiter. Eine Übersicht unserer Beratungsangebote rund um Thema Krankenversicherung finden Sie am Ende dieser Seite.

Bücher und Broschüren