Guten Fisch kaufen – so geht's!

Wer Fisch aus ökologisch nachhaltiger Fischerei kauft, tut gleich dreimal Gutes: Das wichtige Ökosystem Meer bleibt intakt. Die Fischbestände schrumpfen nicht weiter zusammen. Der Fisch bleibt den Menschen als wichtige Nahrungsquelle erhalten. So finden Sie den richtigen Fisch!

Mann kauft Fisch im Supermarkt
Stand: 22.01.2020

Schritt 1: Fischart wählen

Seelachs, Heilbutt oder Zander? Mit richtig gutem Gewissen können wir nur noch wenige Fischarten essen. Welche Fische bedroht sind und welche noch empfehlenswert, steht in unserem »Fischratgeber für einen nachhaltigen Fischeinkauf«. Eine farbliche Einstufung im Ampelsystem hilft Ihnen bei der Orientierung.

  • Grün bedeutet: Die Fischerei ist insgesamt ausreichend ökologisch nachhaltig. Der Einkauf ist »empfehlenswert«.
  • Gelb bedeutet: Die Fischerei ist nur bedingt ökologisch nachhaltig. Der Einkauf ist nur »bedingt zu empfehlen«.
  • Rot bedeutet: Die Fischerei ist nicht ökologisch nachhaltig. Der Einkauf ist »nicht oder absolut nicht zu empfehlen«. Suchen Sie nach Alternativen!

Wenn Sie nach Alternativen für nicht empfehlenswerte Fische fragen, verändern die Anbieter ihr Sortiment vielleicht. Denn fragende Kunden signalisieren, dass sie mit dem Angebot nicht zufrieden sind.

Unser Fischratgeber

Unser Fischratgeber ist ein ausklappbares Booklet im Taschenformat, das Ihnen beim Einkauf von nachhaltig gefangenem Fisch helfen soll. Er listet auf, welche Fischarten aus welchen Fanggebieten zurzeit »empfehlenswert«, »bedingt zu empfehlen«, »nicht zu empfehlen« oder »absolut nicht zu empfehlen« sind.

Über das PDF-Dokument erhalten Sie eine Vorschau am Bildschirm. Die gedruckte Variante können Sie in unserem Online-Shop bestellen. Es fallen lediglich 2 Euro für Versand und Porto an.

Frischer Fisch muss in Deutschland gekennzeichnet werden. Das gilt für Fische und Fischprodukte, die mehr oder weniger naturbelassen verkauft werden, also Frischfische, Räucherfische, Krebs- und Weichtiere sowie bearbeitete Tiefkühl-Fischerzeugnisse. Hierfür gibt es verpflichtende Kennzeichnungselemente: Neben der Fischart (ergänzt durch den wissenschaftlichen Namen zum Schutz vor Betrug) müssen das Fanggebiet und die Fangmethode genannt werden.

Von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind dagegen verarbeitete und zubereitete Produkte, also zum Beispiel Fischsuppe, Fischbuletten oder Heringssalat. Auch in der Gastronomie sucht man in der Regel vergebens nach Informationen zur Herkunft der Fische, die auf dem Teller landen.

Schritt 2: Herkunft checken

Ob Sie einen Fisch guten Gewissens kaufen können oder eher nicht, hängt vor allem davon ab, wo er herkommt. Glücklicherweise, lässt sich die Herkunft eines Fisches mittlerweile leicht klären. Je nach Herkunftsgebiet kann eine Fischsorte in unserem Fischratgeber als »empfehlenswert« oder »nicht zu empfehlen« eingestuft sein.

Meeresfisch: Die Food and Agriculture Organisation (deutsch: Welternährungsorganisation) hat die Weltmeere in 19 Fangzonen aufgeteilt, die sogenannten FAO-Fanggebiete. Diese werden wiederum in Teilfanggebiete aufgeteilt. Diese Unterteilung ist sinnvoll, da nicht immer der Bestand eines ganzen Hauptfanggebiets bedroht ist, sondern manchmal lediglich Populationen in einem kleineren Teilgebiet.
Hinter der Abkürzung FAO ist bei der Deklaration von Fisch jeweils die Zahl für eines der Fanggebiete zu nennen. Deklariert wird dann zum Beispiel „gefangen in Fanggebiet FAO 67 (Nordostpazifik)“. Manchmal werden auch kleinere Gebiete wie FAO 27-16 (Nordostatlantik, Nordsee) angegeben.

Zuchtfische: Stammen Fische aus Aquakulturen, steht „aus Aquakultur“ oder „gezüchtet in…“ auf der Verpackung oder an der Theke. Anzugeben ist in diesem Fall das Land, in dem die Fische ihre letzte Entwicklungsphase durchlaufen haben. Sind die Fische in Binnengewässern wie Teichen oder Seen großgeworden, so muss der Hinweis „aus Binnenfischerei“ zu lesen sein.

Der MSC und andere Unternehmen wie Followfish bieten darüber hinaus noch eigene Rückverfolgungssysteme an. Auch hierfür finden sich aufgedruckte Codes auf den Verpackungen, die über die Internetseite des jeweiligen Anbieters getrackt werden können.

Gut zu wissen

Regionaler Fisch von der Küste: Traditionelle Fischereien an der Küste sind bei vielen Menschen beliebt. Oftmals betreiben die Fischer selbst kleine Imbisse oder eigene Restaurants: Direkt aus dem Meer auf den Teller. Auf der Website Fisch vom Kutter finden Sie weitere Informationen zu einzelnen Fischern, ihren Verkaufsterminen und den Häfen, die sie ansteuern. Ähnliche Angebote gibt es auch an Binnenseen, zum Beispiel für Saiblinge, Renken oder Felchen. Fragen Sie aber auch hier nach einer nachhaltigen Zucht.

Teilweise erreichen uns Beschwerden über Restaurants oder Fischräuchereien, die Fisch an den Küsten Norddeutschlands als regionale Delikatesse anpreisen, obwohl der Fisch gar nicht aus der Ostsee stammt, wie etwa Heilbutt oder Thunfisch. Fragen Sie beim Essen oder Einkauf kritisch nach!

Schritt 3: Fangmethode prüfen

Schleppnetze, Grundschleppnetze, Stellnetze, Langleinen, Schleppangeln, Reusen... Fische werden auf vielerlei Art und Weise gefangen. Einige Fangmethoden sind problematischer als andere. Dazu gehört insbesondere der Einsatz von Grundschleppnetzen, weil diese den Meeresboden stark beschädigen und negative Effekte auf die Ökosysteme dort haben oder sie im schlimmsten Fall ganz zerstören. Treibnetze wiederum führen zu sehr viel „Beifang“; es werden auch andere Meeresbewohner wie Delfine, Schildkröten oder zu kleine Jungfische mitgefangen. Mehr über Fanggeräte-Bezeichnungen und ihre Codes lesen Sie in dieser Veröffentlichung des Amtsblatts der Europäischen Union.

Je nach Fangmethode kann eine Fischsorte in unserem Fischratgeber als »empfehlenswert« oder »nicht zu empfehlen« eingestuft sein.

Schritt 3: Siegel suchen

Label und Gütesiegel können beim Einkauf helfen, doch weil es für Fisch so viele gibt, sind sie eher ein Problem. Denn die Bewertungskriterien sind nicht einheitlich. Ein staatlich kontrolliertes Siegel mit transparenten Anforderungen und unabhängigen Kontrollen wäre dringend geboten. 

Erste wichtige Schritte in Richtung Nachhaltigkeit sind Siegel, die Auskunft über die ökologischen Auswirkungen von Fischereien geben. Die Organisationen, die diese teilweise vergeben (WWF, Greenpeace, Bioland, Naturland  oder der Marine Stewardship Council und der Aquaculture Stewardship Councel) sind entschiedene Gegner der Ausbeutung unserer Meere und engagieren sich für die Rettung der Fischbestände. Doch leider arbeiten die Organisationen kaum zusammen und kommen teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. 

Nicht immer sind wir mit allen Vorgaben oder der Effizienz der Kontrollen zufrieden. Die meisten Fische mit Siegeln halten wir jedoch für empfehlenswert. Beim MSC-Siegel sind das immerhin 70 Prozent. Bei den anderen sogar mehr. Wichtig: Vertrauen Sie nicht ausschließlich den Siegeln. Es kommt auf den Einzelfall an.

Hinweis

Wir haben unsere Einkaufshilfe in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Berlin und der unabhängigen Nachhaltigkeitsberatung EcoAid entwickelt. Unsere Einschätzungen beruhen nicht auf Einzelmeinungen, sondern sind anhand der Bewertungen von vier anerkannten Institutionen erfolgt: WWF (Deutschland), Monterey Bay Aquarium (USA), Marine Conservation Society (Großbritannien) und Fishsource. Diese sind unabhängig erfolgt, müssen wissenschaftlich fundiert sein, die Auswirkungen auf die Meeresumwelt mitberücksichtigen und einmal jährlich aktualisiert werden.

Da uns die Aktualität so wichtig ist, sind unsere Bewertungen bis höchstens 31. März 2021 gültig.

Bücher und Broschüren