Wie bedenklich ist Titandioxid und wo ist der Stoff enthalten?

Titandioxid wird verwendet, um Lebensmittel optisch attraktiver zu machen. Aufgrund seiner vermutlich erbgutschädigenden Wirkung raten wir, auf Produkte mit diesem Stoff zu verzichten. Ein genauer Blick auf die Liste mit Zutaten bzw. Inhaltsstoffen hilft, den überflüssigen Farbstoff zu identifizieren.

Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Zahnpasta mit Titandioxid

Das Wichtigste in Kürze

  1. Titandioxid ist ein weißer Farbstoff, der unter der Bezeichnung E 171 in Lebensmitteln und unter der Verwendung des Color Index CI 77891 oder als „Titanium Dioxide“ in Kosmetika zu finden ist.
  2. Titandioxid kann, nach neuester Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), vermutlich das Erbgut schädigen.
  3. In einigen Lebensmitteln wie gefärbten Süßigkeiten, aber vor allem auch in Nahrungsergänzungsmitteln und Zahnpasta ist Titandioxid noch zu finden – ebenso in vielen Arzneimittel-Dragees.
Stand: 21.09.2021

Titandioxid macht Zahncreme strahlend weiß, verleiht silberfarbenen Kugeln für die Torte  einen schönen Glanz und gibt der Salatsoße eine appetitliche Farbe. Seit mehr als 50 Jahren darf der Farbstoff Lebensmitteln und Medikamenten zugesetzt werden. Doch nun wird an der Sicherheit von Titandioxid gezweifelt. Eingeatmet soll das weiße Pulver Krebs begünstigen, beim Schlucken könnten Schäden am menschlichen Erbgut entstehen. Wir beantworten wichtige Fragen rund um den viel diskutierten Stoff.

Was ist Titandioxid?

Titandioxid (Titanium Dioxide) ist ein weißes, mineralisches Farbpigment. In Lebensmitteln ist es als Zusatzstoff E 171 zugelassen. Unter dem Color Index CI 77891 wird der Stoff auch in Kosmetika, wie zum Beispiel Zahnpasta oder Sonnenmilch, verwendet. Ein weiterer Name ist Pigment White 6.

Wo wird Titandioxid eingesetzt?

Titandioxid wird vor allem bei Produkten eingesetzt, die schön weiß sein oder eine kräftige Farbe haben sollen. Glänzende und glitzernde Farbeffekte sind mit diesem Pigment auch möglich. Mit rund 90 Prozent findet der Stoff daher als Bestandteil von Farben, Lacken, Papier und Kunststoffen die größte Verwendung. Doch auch in Lebensmitteln (z.B. Süßwaren, Backdekor, Gebäck, Soßen), Nahrungsergänzungsmitteln, Medikamenten und Kosmetika ist er zu finden.

Gut zu wissen

  • Erlaubte Bezeichnungen für Titandioxid auf Lebensmitteln: Farbstoff E 171 und (Farbstoff) Titandioxid
  • Erlaubte Bezeichnungen für Titandioxid auf Kosmetika: CI 77891 und Titanium Dioxide

In welchen Produkten findet man Titandioxid?

Prinzipiell darf Titandioxid noch in allen Lebensmitteln eingesetzt werden, in denen der Zusatz von Farbstoffen möglich ist. Eine begrenzte Höchstmenge gibt es nicht. Es gilt: „quantum satis“ (so viel wie nötig).

Durch eine umfassende Recherche haben wir festgestellt, dass einige Hersteller von Lebensmitteln Titandioxid in den letzten Monaten anscheinend bereits aus ihren Produkten entfernt haben. Doch in gefärbten, glänzenden Süßigkeiten, Backdekor, Dragees Kaugummis, Soßen, Lakritz und Nahrungsergänzungsmitteln ist der problematische Stoff noch zu finden. Auch auf Beipackzetteln von Medikamenten und bei Zahnpasta sind wir fündig geworden.

Enthalten auch Bio-Produkte Titandioxid?

Nein, Bio-Lebensmittel enthalten kein Titandioxid. Nach der EG-Öko-Verordnung ist die Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen wie Farbstoffen, Süßstoffen, Stabilisatoren und Geschmacksverstärkern für Bio-Lebensmittel komplett untersagt.

​​​​​​​Wie gefährlich ist Titandioxid?

Titandioxid ist vermutlich erbgutschädigend. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Mai 2021. Titandioxid könne in Lebensmitteln demnach nicht mehr als sicher angesehen werden.

Die EFSA hat bei ihrer Bewertung vor allem genotoxische Effekte betrachtet. Einige wissenschaftliche Studien deuten wohl darauf hin, dass Titandioxid die DNA-Stränge brechen lassen und so Chromosomenschäden (verändertes Erbgut) verursachen kann.

Gleichzeitig stellt die Partikelgröße ein Problem dar. Titandioxid deckt bei einer Teilchengröße zwischen 100 und 300 Nanometern besonders gut und entfaltet seine Brillanz. Doch Nanopartikel sind so winzig, dass sie in menschliche Zellen gelangen können. Wie genau sich die kleinen Partikel im menschlichen Körper verhalten, ist noch nicht abschließend geklärt. Fakt ist: Produkte mit Titandioxid enthalten auch Nanopartikel. In welcher Menge lässt sich in der Regel nicht nachvollziehen.

Wie hoch sind die Grenzwerte für Titandioxid?

Es gibt keinen Grenzwert für Titandioxid in Lebensmitteln, weil die Unbedenklichkeit des Farbstoffs in Bezug auf eine möglicherweise erbgutschädigende Wirkung nicht bewiesen werden konnte. Eine sichere Menge für die tägliche (orale) Aufnahme von Titandioxid wurde nicht festgelegt.

Wie gelangt Titandioxid in den Körper?

Da Titandioxid in verschiedenen Bereichen verwendet wird, müssen bei der gesundheitlichen Bewertung alle Aufnahmewege berücksichtigt werden.

Durch den Verdauungstrakt (oral) gelangt Titandioxid als Zusatzstoff mit E-Nummer (E171) über Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sowie über Medikamente in unseren Körper. Über Lebensmittel aufgenommenes Titandioxid ist vermutlich erbgutschädigend und nicht mehr sicher.

Ebenso problematisch ist die Aufnahme von Titandioxid (auch in Nanopartikelgröße) durch Einatmen über die Atemwege (inhalativ). In Tierstudien haben tief eingeatmete Titandioxidpartikel zu chronischen Entzündungen geführt. Bei extrem hoher Titandioxidkonzentration über einen sehr langen Zeitraum konnte man sogar die Bildung von Lungentumoren beobachten. 2019 hat die Europäische Kommission daher beschlossen, dass Titandioxid in Pulverform unter bestimmten Umständen einen entsprechenden Warnhinweis tragen soll.

Eine Aufnahme über die Haut (transdermal) ist nach derzeitigem Wissensstand nicht möglich. Dies gilt sowohl für intakte als auch für durch Sonnenbrand geschädigte Haut. Der Einsatz von Titandioxid als CI 77891 oder Titanium Dioxide in Kosmetika gilt demnach derzeit als risikofrei.

Gut zu wissen

Auf Zahnpasta ist die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Kosmetika – unserer Einschätzung nach – nicht einfach zu übertragen. Die Schleimhäute im Mund sind anders aufgebaut als die Haut am restlichen Körper. Besonders bei Kinderzahnpasta, die oft auch heruntergeschluckt wird, sehen wir den Einsatz von Titandioxid daher ebenso kritisch wie bei Lebensmitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allerdings kann noch nicht beurteilen, ob die Bewertung der EFSA zu Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff auch auf die Verwendung in Zahnpasta übertragen werden kann. Es soll eine Risikobewertung durchgeführt werden.

Warum ist Titandioxid (noch) nicht verboten?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist dafür verantwortlich, wissenschaftliche Bewertungen vorzunehmen. Sie spricht keine Verbote aus. Die Bewertung der EFSA bildet jedoch die Grundlage für Entscheidungen auf EU- sowie Landesebene.

Ein EU-weites Verbot wurde von der Europäischen Kommission bisher nicht ausgesprochen. Frankreich hat den Zusatzstoff jedoch bereits 2020 verboten; die Schweiz hat diesen Schritt ebenfalls angekündigt. In Deutschland ist Titandioxid noch zugelassen. Allerdings tagt demnächst der „Ständige Ausschuss der Lebensmittelkette und Tiergesundheit“ und wird vermutlich auch über ein Verbot von Titandioxid diskutieren.

Danke für Ihren Hinweis!

Sie sind über ein Produkt mit Titandioxid gestolpert? Informieren Sie uns! Gerne nehmen wir das Beispiel in unsere Liste auf, wenn Sie uns per E-Mail den genauen Produktnamen und ein Foto (auch von der Zutatenliste bzw. den Inhaltsstoffen) übermitteln.

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