Finger weg von verbrauchervorlagen.de: 40 Euro für begonnene Dokumente
Vorsorgevollmacht, Kündigung oder Kaufvertrag online erstellen? Auf verbrauchervorlagen.de kostet jedes Dokument 40 Euro. Der Preis wird auf der Website durchaus deutlich genannt. Doch auch wer mit dem Ausfüllen der Formulare lediglich beginnt und den Vorgang nicht abschließt, wird zur Kasse gebeten.
Das Wichtigste in Kürze
- Auf verbrauchervorlagen.de können verschiedene Rechtsdokumente für jeweils 40 Euro erstellt werden. Der Preis wird auf der Website deutlich genannt.
- Nach den AGB des Anbieters werden die 40 Euro jedoch auch dann als „Aufwandsersatz“ verlangt, wenn lediglich mit dem Ausfüllen eines Formulars begonnen und der Vorgang anschließend nicht abgeschlossen wird.
- Verbraucherinnen und Verbrauchern die unter diesen Umständen eine Rechnung erhalten, sollten diese nicht vorschnell bezahlen und sich unabhängig beraten lassen. Forderungen können mit dem kostenlosen Musterbrief der Verbraucherzentrale Hamburg bestritten werden.
Auf verbrauchervorlagen.de lassen sich verschiedene Dokumente erstellen – von Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen über Miet-, Arbeits-, Kauf- und Darlehensverträge bis hin zu Kündigungsschreiben. Kostenpunkt: jeweils 40 Euro.
Das Portal will dabei mehr bieten als eine einfache Mustervorlage. Nutzerinnen und Nutzer werden durch einen Fragebogen geführt, um die Dokumente individuell anzupassen.
Der Preis von 40 Euro für diesen Service wird auf der Website gut sichtbar genannt. Versteckt sind die Kosten also nicht. Problematisch wird es an einer anderen Stelle: Der Anbieter verlangt den Betrag schon dann, wenn das Formular gar nicht vollständig ausgefüllt und der Bestellprozess nicht abgeschlossen wurde.
40 Euro ohne zahlungspflichtige Bestellung
Wir haben das Angebot des Portals anhand einer Vorsorgevollmacht genauer geprüft – die ersten Angaben für die Vollmacht eingetragen, den Vorgang aber nicht abgeschlossen.
Nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters reicht es aus, im sogenannten Funnel Name und E-Mail-Adresse anzugeben und anschließend 30 Minuten lang nicht fortzufahren. Dann folgt eine E-Mail, in der die fehlenden Angaben innerhalb von 24 Stunden angefordert werden (→ Beispiel zur Ansicht). Reicht man sie nicht nach, beansprucht der Anbieter einen „Aufwandsersatz“ für bereits erbrachte Teilleistungen.
Die Höhe der Forderung überrascht: Der Aufwandsersatz entspricht dem Preis für einen vollständigen Auftrag (wie zum Beispiel eine fertiggestellte Vorsorgevollmacht) – also 40 Euro.
In dem uns vorliegenden Fall wurde dieser Betrag tatsächlich in → Rechnung gestellt. Der Anbieter führt als Teilleistungen eine Plausibilitätsprüfung der vorhandenen Angaben, eine Adressvalidierung und die Erstellung einer Dokumentenvorschau auf. Gleichzeitig bestätigt er, dass eine vollständige Durchsicht und Zustellung der Vorsorgevollmacht wegen der fehlenden Angaben gar nicht möglich gewesen sei.
Mit anderen Worten: Das fertige und von Hand geprüfte Dokument gab es nicht – die Rechnung über den vollen Preis von 40 Euro aber schon.
Fragwürdige Regelung in den AGB
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Portals werfen weitere Fragen auf. Dort heißt es, Verbraucherinnen und Verbraucher würden mit einem Klick auf die Schaltfläche „Zahlungspflichtig bestellen“ ein verbindliches Vertragsangebot abgeben. Erst mit einer anschließenden Auftragsbestätigung des Anbieters komme der Vertrag zustande.
Gleichzeitig soll nach einer anderen Klausel bereits – wie oben beschrieben – das Anlegen von Name und E-Mail-Adresse im „Funnel“ ausreichen, um nach 30 Minuten und einer weiteren Nachfrist den Anspruch auf 40 Euro Aufwandsersatz auszulösen.
Wir meinen: Das ist nicht rechtens! Für kostenpflichtige Online-Verträge gilt die sogenannte Button-Lösung. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen ausdrücklich über eine entsprechend beschriftete Schaltfläche bestätigen, dass sie eine Zahlungsverpflichtung eingehen.
Unser Rat
Haben Sie nach einem abgebrochenen Vorgang auf verbrauchervorlagen.de eine Rechnung erhalten, obwohl Sie keine zahlungspflichtige Bestellung ausgelöst haben? Dann zahlen Sie nicht vorschnell! Lassen Sie die Forderung prüfen und widersprechen Sie ihr gegebenenfalls. Dafür können Sie unseren kostenlosen Musterbrief nutzen.
Nutzen Sie zum Erstellen von Vorsorgedokumenten wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung gerne unseren kostenlosen Online-Service. Auch hier werden Sie Schritt für Schritt zu Ihrem individuellen Vorsorgedokument geführt.