Das falsche Spiel mit echtem Pelz

Wird es kalt, sieht man wieder überall Pelz – häufig als Mützenbommel oder als Besatz an der Kapuze. Doch vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass es sich um Echtpelz handeln kann. Die Deklaration ist mangelhaft. Selbst ein niedriger Preis ist kein Indikator für Kunstfell.

Mann mit Pelzmütze vor Täfelung

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Unterscheidung von Echt- und Kunstpelz ist oft nur schwer möglich. Die Deklaration ist in Deutschland mangelhaft.
  2. Bei der Aufzucht der Pelztiere hapert an der Umsetzung von Vorschriften und Gesetzen.
  3. Das Fur-Free-Retailer-Label kennzeichnet Einzelhändler, die sich schriftlich zu einem Pelzverzicht verpflichtet haben.
Stand: 03.12.2019

Echtpelz muss in Deutschland zwar gekennzeichnet werden, wird er aber oft gar nicht. Häufig fehlt die eigentlich verpflichtende Kennzeichnung, vor allem bei Parkas oder Mützen. Wer kein Kleidungsstück mit Pelz kaufen will, sollte daher beim Einkauf genau hinschauen. Durch Scheren, Färben oder das Mischen von Materialien ist leider manchmal gar nicht mehr zu erkennen, ob ein Fell echt oder nur nachgemacht ist. 

Aus diesen Gründen brauchen wir strengere Kennzeichnungspflichten für Pelze. Die Schweiz könnte hier ein Vorbild sein: Verbraucher müssen dort laut Pelzdeklarationsverordnung genaue Angaben über Tierart, Herkunft des Fells und die Art der „Gewinnung“ erhalten.

In Deutschland muss jedes Kleidungsstück nur mit dem Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ deklariert werden. Nichttextiles können Fell-, Leder- oder Daunenteile sein, aber beispielsweise auch Knöpfe aus Horn. Für Kleidung mit mehr als 20 Prozent „nichttextilen Teilen tierischen Ursprungs“ gibt es gar keine Kennzeichnungspflicht. Lederjacken oder Pelzmäntel sind also per se raus.

Tierschutzprobleme überall auf der Welt

Die meisten Pelztiere, wie Füchse oder Nerze werden auf Pelzfarmen gezüchtet. Dort leben die Tiere in engen Gitterkäfigen ohne Auslauf bis zur sogenannten Pelzernte. Bevor ihnen das Fell abgezogen wird, werden sie meist vergast, vergiftet, erschlagen oder durch Stromschläge getötet, um den Pelz nicht zu beschädigen. So etwas wie Bio-Pelze oder glaubhafte Labels für Pelze aus tiergerechter Haltung gibt es nicht! Nur vereinzelt existieren Pelze aus Beiprodukten der Jagd oder wiederverwendete Pelze.

Auch auf das Verkaufsargument „in Europa hergestellt“ kann man nicht viel geben. Die Pelztierhaltung und ihre Tierschutzprobleme sind überall die gleichen – in Finnland genauso wie in Dänemark oder China. Zwar gibt es rechtsverbindliche Vorschriften für die Haltung von Pelztieren, doch hapert es oft an der Umsetzung der Vorgaben.

Unsere Tipps für den Nicht-Pelz-Kauf

  • Wenn Sie nicht versehentlich Kleidungsstücke aus echtem Pelz kaufen wollten, sollten Sie auf das Fur-Free-Retailer-Label achten. Die dort gelisteten Einzelhändler haben sich verpflichtet, auf Pelz zu verzichten und nur pelzfreie Mode anzubieten. Auf furfreeretailer.com finden Sie eine Liste sämtlicher Modemarken, die sich klar gegen Pelz in ihren Kollektionen aussprechen.
  • Schauen Sie sich das Kleidungsstück, das Sie kaufen möchten, genau an. Echte Pelzhaare bewegen sich, wenn man sie leicht anpustet. Oben ist in der Regel das längere Deckhaar und darunter die kürzere Wolle zu sehen. Die einzelnen Haare haben oft unterschiedliche Längen und Dicken. Zieht man die Haare auseinander, kommt meist das Leder zum Vorschein. Kunstfell hingegen ist in Textilien eingewebt, die Haare sind alle gleich lang und stark und in der Regel starrer als echte Tierhaare.

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