Daunen: Raus aus den Federn!

Für eine Menschenhand voll Daunen, müssen Tiere viel Leid erfahren. Zudem wird getrickst, teuer verkauft und dabei nicht selten das Blaue vom Himmel versprochen und nicht gehalten. Wie Sie bekommen, was Sie wollen und worauf Sie beim Kauf achten können.

Person beim Winterspaziergang

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele in Textilien verarbeitete Daunenfedern stammen aus Lebendrupf, werden den Tieren also bei lebendigem Leib aus der Haut gerissen.
  2. Für Verbraucher ist es kaum möglich, die Herkunft von Daunen zu überprüfen. Beweise dafür, woher das Füllmaterial tatsächlich stammt, bleiben Textilhersteller oft schuldig oder sie berufen sich auf Aussagen von Zulieferern.
  3. Beim Kauf von Daunenprodukten sollten Konsumenten besonders kritisch sein und nicht ausschließlich auf Siegel vertrauen. Besser ist es, gleich zu Textilien aus synthetischen Materialien zu greifen.
Stand: 03.05.2016

Viele Menschen hüllen sich bei kaltem Wetter in Daunenjacken, und abends lassen sie sich in ihre Federbetten fallen: Doch darüber, wie die wärmenden Federn gewonnen werden und dass dies mit Tierleid verbunden ist, wissen sie nichts. Trotz der Menge an Produkten aus Synthetik, die besonders für Allergiker besser geeignet sind, sind Daunen aufgrund ihrer wärmenden Eigenschaften wieder sehr beliebt.

Doch immer mehr Verbraucher wollen auch wissen, wie die angebotenen Produkte hergestellt wurden. Deklarationen wie „nur Totrupf“ oder „aus nachhaltiger Gänsezucht“ können viele Händler von Produkten mit Daunen nicht transparent bis zu deren Ursprung bestätigen. Auch die Nachverfolgbarkeit ist durch Gesetzeslücken oft nur bis zu den Daunen verarbeitenden Mitarbeitern möglich und nicht zu den Tieren selbst. Für Verbraucher ist es daher schwer zu ermessen, wie Daunen produziert oder gar vermischt wurden. Einige Händler machen sich sogar das zunehmende Bewusstsein der zahlungsbereiten Kundschaft zu Nutze und scheuen sich nicht, sowohl höhere Preise zu verlangen als auch Siegel und Zertifikate auszustellen, die bei Überprüfung jedoch selten halten, was sie versprechen.

So werden Daunen gewonnen

Daunen sind ein begehrter Rohstoff und jährlich werden bis zu hunderttausend Tonnen davon für Daunenjacken oder -schlafsäcke, Bettdecken und -kissen produziert. In vielen Fällen ist jedoch nicht klar, woher diese Daunen überhaupt stammen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden.

Daunen können durch

  1. den Rupf bereits geschlachteter Tiere (Totrupf) oder
  2. den wesentlich brutaleren Lebendrupf

gewonnen werden.

Die meisten Daunen stammen aus Lebendrupf, bei dem den Tieren die Daunen und Federn bei lebendigem Leib aus der Haut gerissen werden. Dies geschieht teilweise sogar maschinell. Lebendrupf ist in Deutschland zwar verboten, wird aber in China und Teilen der Europäischen Union praktiziert. Die so gewonnen Federn werden anschließend in nicht geringem Maße nach Deutschland exportiert.

Gut zu wissen

Für Verbraucher ist es kaum möglich, Daunen aus Lebend- oder aus Totrupf zu unterscheiden und höhere Preise werden oftmals als Indiz für Qualität missverstanden. Dem extremen Preisverfall durch Billigware aus Fernost geschuldet, ist der Preis eines Produktes nicht dazu geeignet, um Qualitätsmerkmale in der Haltung von Enten und Gänsen abzuleiten. Immer wieder wird der Preis trotzdem als Qualitätszeugnis betrachtet, jedoch können sich Daunen aus Produktionen mit schlechter Öko- und Sozialbilanz genauso im billigen Discounterkissen befinden, wie in der teuren Outdoor-Jacke, die mehr als 500 Euro kostet.

Rückverfolgbarkeit für Textilien aus Daunen

Immer mehr Unternehmen widmen sich der Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte. Mit dem Ausdruck „sauber produziert“ werben bereits einige Händler, welche die Gewinnung der von ihnen genutzten Daunen überprüfen und somit nachvollziehbar machen wollen. Der Trend, nachhaltige und tierleidfreie Produkte anzubieten, scheint langsam auch auf die Modebranchen und Bettenhersteller überzugehen. Dennoch können wir derzeit die meisten Bettenhersteller und Modefirmen nicht explizit empfehlen. Obwohl viele Händler öffentlich behaupten, dass sie keine Daunen aus Lebendrupf und Stopfmast verkaufen, also „sauber“ sind, bleiben Beweise und Kontrollen auf den Höfen weiter aus und die Branche beruft sich nach wie vor auf Zertifikate oder Aussagen von Zulieferern.

Auch hier ist Kontrolle besser: Es gibt bereits Mischbetriebe die sowohl „sauber“ als auch „unsauber“ produzieren. Kaufen Verbraucher Produkte, die auf solche Betriebe zurückgeführt werden können, ist es möglich, dass sie beide Herstellungsweisen ungewollt unterstützen. Die Daunenrückverfolgbarkeit bis hin zu den Elterntieren und dies tatsächlich garantieren zu können, ist ein Thema, dem sich die Outdoorbranche seit 2014 stark angenommen hat. Die Outdoor-Industrie ist damit einer der ersten Wirtschaftszweige, der sich mit diesem Thema nachhaltig beschäftigt.

Initiativen der Outdoor-Branche

Viele Unternehmen in der Outdoor-Branche haben sich Tierschutz zur Aufgabe gemacht. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten initiierte deshalb die „Cruelty Free Down Challenge“ und veröffentlicht Outdoor-Marken, die die Herkunft ihrer Daunen nachverfolgen. Diese Marken versuchen sicherzustellen, dass die von ihnen verwendeten Daunen aus tierleidfreien Betrieben stammen. Top-Outdoormarken wie Fjällräven, Jack Wolfskin, Mammut, Mountain Equipment, The North Face, Patagonia, Vaude und viele mehr befinden sich in einem virtuellen Bergsteiger-Wettrennen um „sauber“ produzierte Daunen.

  • Es geht auch ohne Label als Aushängeschild: Spitzenreiter beim Daunen-Wettrennen ist derzeit die Marke Fjällräven, die jegliche Art der Tierquälerei bei der Fertigung der eigenen Produkte ablehnt. Sie versucht daher sicherzustellen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und dass kein Tier aufgrund unsachgemäßer Behandlung verletzt wird oder Qualen erleiden muss. Deshalb ist die vollständige Rückverfolgbarkeit bei Materialen tierischen Ursprungs für Fjällräven von großer Bedeutung, an deren Sicherstellung sie kontinuierlich weiterarbeiten möchte. Erfolgreich – und das ganz ohne Eigenlabel.

  • Global Traceable Down Standard (TDS): Patagonia bemüht sich um eine strenge, hundertprozentige Nachverfolgung von Daunen und entwickelte mit der internationalen Zertifizierungs-Organisation NSF den TDS als Leitfaden für alle, die die höchstmöglichen Standards anstreben. Diese beinhalten auch Kontrollen der Elterntiere sowie keine Vermischung mit lebend gerupften Daunen.

  • DOWN CODEX-Projekt: Mountain Equipment startete dieses Projekt, um die Herkunft der Daunen ihrer Zulieferer zu kontrollieren. Auch wenn dies bereits gute Schritte sind, bemühen sie sich um stetige Weiterentwicklung: Daunen sollen aus höchster Qualität bezogen werden und der Tierschutz über Lebendrupf und Stopfmast hinaus gehen und sicherstellen können.

  • Responsible Down Standard (RDS): Dieses von The North Face entwickelte Label engagiert sich für die ethisch korrekte Behandlung von Tieren in der Daunen-Produktion ein. Der RDS wurde mit der Organisation „Textile Exchange“ für eine öffentliche Verwendung zur Verfügung gestellt. Der RDS verfolgt das globale Ziel, das Leben der Tiere ebenfalls außerhalb der eigenen Zulieferkette von The North Face zu verbessern. RDS beinhaltet die Distanzierung von Lebendrupf und Stopfmast und verfolgt die Implementierung weiterer Tierschutzbestimmungen. Die Nachverfolgbarkeit soll durch die Zertifizierung einer unabhängigen Stelle in jedem Abschnitt der Zulieferkette gewährleistet werden. Die Selbstbezeichnung als „erstes und einziges global umfassendes Tierschutz-Zertifikat für Daunen“ stimmt insofern, dass der Responsible Down Standard über eine eigene Internetrepräsentanz verfügt. 

Das sollten Verbraucher tun

Mit kritischen Konsumverhalten können Verbraucher viel bewirken. Häufiges Nachfragen erhöht den Druck auf die Hersteller und Händler. Wenn Sie immer wieder klar machen, dass Sie kein Produkt aus tierquälerischen Verhältnissen kaufen möchten, können Sie die Entwicklung und das Angebot von Daunen-Alternativen unterstützen.

Wenn Sie jedoch ein Daunen-Produkt mit guter Öko- und Sozialbilanz kaufen möchten, sollten Sie sich im Voraus gut informieren. Lassen Sie sich nicht von den blümeranten und emotionalen Aussagen der Verkaufsprofis wie „die abgefallenen Daunen werden eingesammelt“ oder „die Federn werden während der Mauser abgestrichen“ ködern: Beide Methoden sind entweder unrealistisch oder werden nicht praktiziert und zielen darauf ab, Sie zu besänftigen und zum Kauf zu überreden.

Besonders schwierig gestaltet sich das Einschätzen von Labels und Siegeln, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit garantieren sollen: Seien Sie kritisch und vorsichtig mit Siegeln, die sich nur auf Labortests stützen oder solchen, bei denen die Kontrollkette bei den Daunenverarbeitern endet. Tierleid kann aufgrund der vagen Aussagen nicht ausgeschlossen werden. Auch ist es wichtig, darauf zu achten, wie weit die Kontrollkette reicht. Laut Erfahrungen des Tierschutzes haben Unternehmen normalerweise keine vollständige Einsicht in ihre Daunenquellen (z.B. die Höfe, auf denen die Tiere gehalten werden), sondern verlassen sich lediglich auf Lieferanten-Zertifikate. Daher liegt es an Ihnen, eine Kontrolle der gesamten Lieferkette bis zur Elternfarm von Unternehmen einzufordern. Wenn diese nämlich nicht nachweisbar ist, kann Lebendrupf leider nicht ausgeschlossen werden, denn die bei vielen Kontrollen nicht miteinbezogenen Elterntiere sind es meist, die lebend gerupft werden.

Beim Einkauf sollten Sie beim Händler genau nachfragen, wofür ein Siegel steht und dieses anschließend kritisch prüfen: Wie soll garantiert werden, dass Lebendrupf und Stopfmast in der Produktion ausgeschlossen sind?

Unser Rat

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten und mit Ihrem Kauf kein Tierleid unterstützen wollen, dann schmücken Sie sich nicht mit fremden Federn und meiden Sie den Kauf von Daunenprodukten. Es gibt bereits sehr hochwertige Bekleidung und Betten, die mit modernen Materialien gefüllt sind, und oft bessere Eigenschaften als Daunen haben. 

Außerdem sind Synthetiktextilien preiswerter, recyclebar, feuchtigkeitsresistenter und auch für Allergiker besser geeignet, denn Daunenprodukte ziehen Milben an. Die Umweltbilanz von aufwändig aufbereiteten Daunen aus umweltschädlicher, industrieller Landwirtschaft hingegen ist negativ. Selbst Profis im Extremsport und Spezialeinheiten beim Militär greifen vermehrt zu synthetischen Daunenalternativen.