Korrekte Klamotten?!

Nachhaltigkeit ist in Mode! Immer mehr Menschen wollen deshalb gerne zu „korrekten Klamotten“ greifen. Kleidung, mit der sie eine nachhaltige, soziale und umwelt­freund­liche Produktion unterstützen können. Doch wie erkennt man solche Kleidungsstücke? Unsere neue kostenlose Broschüre hilft weiter.

Einkauf nachhaltiger Kleidung

Das Wichtigste in Kürze

  1. Kleidung ist zu einem preiswerten Konsumgut geworden, für dessen Herstellung Menschen ausgebeutet werden und das die Umwelt belastet.
  2. Je länger die Lebensdauer eines Kleidungsstücks, desto besser für Mensch und Umwelt.
  3. Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt, weniger zu konsumieren und beim Kauf von Kleidung auf Qualität zu achten sowie zu nachhaltig produzierter Mode zu greifen. Zwei Broschüren zum Thema helfen beim Shoppen.
Stand: 29.01.2020

Die Zeiten, in denen Hosen geflickt und Socken gestopft wurden, gehören längst der Vergangenheit an. Kleidung ist zu einem preiswerten Konsumgut geworden, das im Überfluss verfügbar ist und als kurzlebiger Modeartikel hergestellt wird.

Laut Statistischem Bundesamt lassen sich die Deutschen Schuhe und Bekleidung mittlerweile rund 78 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Rund 25 Kilogramm neue Textilien kaufen wir jedes Jahr, wovon in etwa die Hälfte auf Kleidung fällt. Ständig kommen neue Kollektionen zu billigen Preisen auf den Markt. Ärgerlich: Etwa ein Fünftel der neu gekauften Kleidung wird von ihren Besitzern nie getragen.

Doch Hungerlöhne in der Textilbranche, verschmutzte Flüsse und Böden und Nachrichten über Gift in unserer Kleidung öffnen immer mehr Menschen die Augen. So kann es nicht weitergehen, denken viele, und wollen ihren Teil dazu beitragen. 

Was können wir verändern?

Wenn Sie etwas verändern möchten, können Sie im Kleinen anfangen: Fragen Sie sich vor dem Kauf eines Kleidungsstücks, ob Sie es wirklich brauchen. Häufig heißt die Antwort nämlich: Nein, aber ich will es trotzdem gern haben. Dann sollten Sie es zumindest so lange wie möglich tragen. Je länger die Lebensdauer, desto besser für Mensch und Umwelt.

Wenn Sie eine Hose, einen Pulli oder ein Kleid nicht mehr im Kleiderschrank haben wollen, geben Sie die Sachen weiter, damit jemand anderes sie tragen kann. Flohmärkte bieten sich hierfür an, Kleidertauschpartys, aber auch Online-Plattformen. An eine gemeinnützige Organisation spenden geht natürlich auch. ⇒ Mehr Infos 

Übrigens: Ein relativ neuer Trend ist es, Bekleidung einfach nur auszuleihen anstatt sie gleich zu kaufen. ⇒ Mehr Infos

Wie erkennt man faire und umweltverträgliche Kleidung?

Siegel oder Label sollen Konsumenten Hinweise auf ökologische oder soziale Standards geben. Doch es gibt unzählige von ihnen, und ständig kommen neue hinzu. Denn die Unternehmen haben erkannt: Wer die Marktmacht hat, kann auch ein Label etablieren. Ob diese allerdings sinnvoll sind, ist fraglich. Denn in den seltensten Fällen sind sie extern kontrolliert.

Doch es gibt auch ein paar wenige verlässliche Siegel – die allerdings sieht man in normalen Bekleidungsgeschäften kaum. Der Blaue Engel zum Beispiel, das staatliche Umweltzeichen, das die Umweltauswirkungen entlang der gesamten Produktionskette berücksichtigt. Das IVN-Best- oder das GOTS-Siegel, die nicht nur darauf achten, dass Umweltstandards eingehalten werden, sondern auch soziale Kriterien erfüllt sind. Oder der staatliche Grüne Knopf, der sich auf das Nähen und Färben innerhalb der Produktion eines Kleidungsstücks bezieht.

Gut zu wissen

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, auf die Sozial- und Umweltverträglichkeit von Produkten zu achten, sondern auch den eigenen Konsum zu hinterfragen. Für die Klimabilanz eines jeden Kleidungsstücks ist auch seine Lebensdauer und Verwertung wichtig. Je länger also Textilien getragen werden, desto besser ist ihre Ökobilanz.

Ein Produkt ist dann nachhaltig, wenn es die folgenden Kriterien erfüllt:

  • Es wird eine hohe Sozialverträglichkeit entlang der gesamten Produktionskette (Rohstoffgewinnung, Textilerzeugung, Textilveredelung, Konfektion, Vertrieb, Gebrauch, Verwertung) gewährleistet.
  • Das Produkt wird umweltverträglich unter Schonung der endlichen Ressourcen, insbesondere Erde, Luft und Wasser, hergestellt.
  • Es bietet den größtmöglichen Nutzen bei geringstem Rohstoffverbrauch.
  • Es steht für eine hohe Gebrauchstauglichkeit und eine lange Gebrauchsdauer.
  • Es ist kein Prestige- oder Wegwerfprodukt bzw. wiederverwertbar oder recyclingfähig.

Welche verschiedenen Textilien gibt es?

Immer weniger Menschen können Gebrauchs- und Pflegeeigenschaften der unterschiedlichen Materialien beurteilen, aus denen Kleidung hergestellt ist. Dass die „Veredelung“ mit allerlei chemischen Ausrüstungen nicht nur Knitterarmut und Fleckenschutz, sondern auch Allergien zur Folge hat, erzählen die Etiketten im Shirt oder an der Hose nicht. 

Was? Das bedeutet...
Naturfaser Nachwachsende Rohstoffe, z.B. Baumwolle, Wolle, Hanf, Bambus
Kunstfaser Künstlich aus Erdöl hergestellt, z.B. Polyester, Polyamid
Mischfaser Kunst- und Naturfaser gemischt
kbA kontrolliert biologischer Anbau
kbT Kontrolliert biologische Tierhaltung

 

Wo kann man „korrekte Klamotten“ kaufen?

Auf der Internetseite www.getchanged.net des Vereins Fair Fashion Network sind – übersichtlich dargestellt auf einer Karte – Geschäfte aufgeführt, die fair produzierte und „Bio-Kleidung“ führen. Bei fairfashion-hamburg.de sind Läden aufgelistet, die ausschließlich fair produzierte Mode anbieten. Weitere Geschäfte mit fair gehandelten Produkten findet man auch unter hamburg.de/oeko.

Übrigens: Auch Second-Hand-Läden können eine Alternative sein. Denn: Wer Kleidung aus zweiter Hand erwirbt, verlängert deren Lebensdauer. Außerdem kann man sich ziemlich sicher sein, dass möglicherweise schädliche Chemikalien bereits herausgewaschen sind. ⇒ Mehr Infos

Unser Angebot

Wer bessere Kleidung kaufen will, scheitert oft an der mangelhaften Kennzeichnung der Textilien sowie den vielen verschiedenen Siegeln, die eigentlich der Orientierung dienen sollen. In unseren kostenpflichtigen Broschüre „Korrekte Klamotten“ stellen wir mehr als 30 übergeordnete und firmeneigene Textillabels vor, erläutern ihre Bedeutung und geben Hinweise zu den Vergabekriterien. Nützliche Tipps für den Kauf und die Pflege der Lieblingskleidungsstücke runden die kompakte Lektüre ab. Die Kurzfassung im Hosentaschenformat ist kostenlos erhältlich.

Beide Broschüren können Sie auch als gedruckte Variante in unserem Online-Shop bestellen.

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