Wie sinnvoll sind beheizbare Handschuhe, Socken und Oberteile?

Die Bekleidungsindustrie hat einen neuen Markt geschaffen: Beheizbare Kleidung soll Winterklamotten auf ein neues Level heben. Doch akkubeheizte Kleidungsstücke sind problematischer als sie zunächst scheinen. Für den Alltagsgebrauch raten wir davon ab.

Frau in Schneelandschaft

Das Wichtigste in Kürze

  1. Beheizbare Kleidung wie Mützen, Socken oder Handschuhe soll leicht fröstelnden Menschen im Winter mehr Komfort verschaffen.
  2. Die Kleidungsstücke werden mit Hilfe von Strom aus Lithium-Ionen-Akkus aufgewärmt. Die Temperatur lässt sich teils sogar steuern.
  3. Der zusätzliche Komfort beheizbarer Winterkleidung ist mit zahlreichen Problemen für Mensch und Umwelt verbunden.
Stand: 29.01.2019

Beheizbare Jacken, Westen, Thermoshirts, Mützen, Handschuhe oder Socken sollen für Wärme am ganzen Körper sorgen. Die mit Heizelementen aufgepeppte Winterkleidung ist vor allem bei niedrigen Temperaturen gefragt. Doch der zusätzliche Komfort hat seine Tücken und schadet der Umwelt.

Beheizbare Kleidungsstücke werden per Strom aufgewärmt. Über Drähte, die in den Stoff eingenäht sind, wird die elektrische Energie aus einem Lithium-Ionen-Akku an integrierte Heizelemente weitergeleitet, die die Wärme an den Körper abgeben. Bei einigen Produkten lässt sich die Temperatur je nach Bedarf regulieren, manchmal sogar via Smartphone-App.

Probleme mit den Akkus

Diese „Innovation“ der Bekleidungsindustrie ist problematischer als sie auf den ersten Blick scheint. Das in den Lithium-Ionen-Akkus verbaute Lithium-Kobaltoxid ist eine begrenzte Rohstoffressource und wird unter problematischen Bedingungen gewonnen. Vor allem bei tiefen Temperaturen sind die Akkus zudem besonders störanfällig, was bei Spezialkleidung für den Winter ein handfestes Problem darstellt. Auch unregelmäßiges Aufladen der Akkus für die meist nicht täglich getragene Kleidung kann die Akkuleistung einschränken und zum Defekt führen. Die hochenergetische Li-Zelle kann dabei sogar zur Brandgefahr werden.

Problematisch für den Körper

Auch wenn die Hersteller ihre Produkte anders vermarkten, für den menschlichen Körper kann beheizbare Kleidung von Nachteil sein. Wer stets aufgewärmte Kleidungsstücke trägt, wird durch deren Nutzung kälteempfindlicher. Der Mensch ist eigentlich in der Lage, Kälte und Wärme über weite Bereiche auszugleichen, doch dieser körperliche Ausgleichsmechanismus wird durch beheizbare Kleidung reduziert.

Probleme bei der Entsorgung

Sollen beheizbare Kleidungsstücke aussortiert werden, können Verbraucher sie nicht einfach zum Altkleidercontainer bringen, sondern müssen vorher alle elektronischen und elektrischen Bestandteile entfernen. Bei manchen Sachen ist das gar nicht möglich. Am Ende ist die Kleidung entweder komplett zerstört und nicht mehr tragbar oder aufwendig zu recycelnder Elektroschrott.

Unser Rat

Einzig für Menschen mit bestimmten Krankheiten in extremen Kältesituationen könnten beheizbare Jacken, Mützen, Handschuhe oder Socken sinnvoll sein. Für den Alltagsgebrauch raten wir davon ab.

Mehr über die Nachteile beheizbarer Kleidung im Speziellen und den Kauf nachhaltiger sowie sozial- und umweltverträglicher Kleidung im Allgemeinen erfahren Sie bei unserem kostenlosen Vortrag „Korrekte Klamotten“ am Mittwoch, dem 13. Februar 2019. Anmeldung unter: unter: https://www.vzhh.de/veranstaltungen/korrekte-klamotten

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