PFAS im Alltag: Verbotene Chemikalie in Kinderjacke entdeckt
Die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS sind ein Problem im Konsumalltag. Unsere aktuelle Untersuchung zeigt: Trotz Verbot taucht ein bedenklicher Stoff weiterhin auf – ausgerechnet in einer Kinderjacke.
Das Wichtigste in Kürze
- Verbotene Chemikalie entdeckt: In einer Kinderjacke von KiK hat die Verbraucherzentrale Hamburg im Rahmen einer Stichprobe die bereits seit 2020 verbotene PFAS-Verbindung PFOA nachgewiesen. Bis heute wurde das Produkt nicht vom Hersteller zurückgerufen.
- PFAS bleiben ein Problem: In vielen Alltagsgegenständen können PFAS stecken. In der aktuellen Untersuchung der Verbraucherschützer wurden in einem Imprägnierspray auffällige Fluor-Werte gemessen. Verbraucherinnen und Verbraucher können PFAS beim Kauf in der Regel nicht erkennen, Kennzeichnungen sind oft irreführend.
- Gesundheits- und Umweltrisiken: PFAS sind extrem langlebige Stoffe. Sie reichern sich in der Umwelt an und stellen ein gesundheitliches Risiko dar. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert deshalb ein umfassendes Verbot der gesamten Stoffgruppe und klare Kennzeichnungspflichten.
In einer Stichprobe haben wir erneut problematische per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Alltagsprodukten nachgewiesen – darunter die bereits seit Jahren weitestgehend verbotene Chemikalie PFOA. Untersucht wurden sechs Jacken (darunter eine Kinderjacke), drei Paar Schuhe und ein Imprägnierspray.
Verbotene Chemikalie in Kinderjacke von KiK gefunden
Ausgerechnet die Kinderjacke fiel besonders negativ auf: Das beim Textil-Discounter KiK erworbene Kleidungsstück mit der Produktnummer 1200948 enthielt stark erhöhte Werte von Perfluoroctansäure (PFOA) sowie Perfluordecansäure (PFDA), beides PFAS-Verbindungen. Besonders brisant: PFOA ist seit Juli 2020 weltweit weitgehend verboten. Dass wir ausgerechnet in einer Kinderjacke eine verbotene Substanz finden, ist alarmierend!
Laut Online-Shop des Anbieters ist die lilafarbene „Made to be happy“-Jacke mittlerweile ausverkauft. Es ist daher davon auszugehen, dass sich zahlreiche dieser Jacken im Umlauf befinden und von Kindern getragen werden. Dabei haben wir KiK bereits im Februar über das Ergebnis unserer Untersuchung informiert. Bis heute hat sich das Unternehmen jedoch nicht zurückgemeldet und keinen Produktrückruf in die Wege geleitet.
Rückrufe wegen PFOA keine Ausnahme
Immer wieder müssen Alltagsgegenstände europaweit wegen einer Belastung mit PFOA zurückgerufen werden. Laut Produktsicherheitsdatenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) waren das in Deutschland zuletzt Handschuhe, Kissen, Taschen und Jacken.
Doch das von uns als problematisch identifizierte Kleidungsstück von KiK steht, anders als eine Kinder-Softshelljacke des Händlers, nicht auf der → Warnliste „Gefährliche Produkte in Deutschland“ der BAuA.
Gefahr durch PFAS in Alltagsprodukten
PFAS werden auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, da sie in der Umwelt nicht abgebaut werden und sich sowohl in der Natur als auch im menschlichen Körper anreichern. Vertreter dieser Stoffgruppe – darunter die PFOA – stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen oder Krebs zu verursachen. Insgesamt umfasst die Stoffgruppe mehr als 10.000 einzelne Verbindungen, von denen bislang nur wenige reguliert oder verboten sind.
Dass PFAS dennoch in Alltagsprodukten eingesetzt werden, zeigte auch unsere Untersuchung im vergangenen Jahr. Damals hatten wir in Antihaft-Pfannen hohe Gehalte an per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen nachgewiesen. Auch in der aktuellen Stichprobe gab es Auffälligkeiten: Bei einem Imprägnierspray wurden sehr hohe Gesamtfluorwerte von über 4.000 Milligramm pro Kilogramm gemessen. Belastete Aerosole aus Sprays gelten als besonders problematisch, da sie in die Atemluft gelangen. Erfreulich: Der Hersteller gab an, inzwischen auf PFAS zu verzichten – ein Zeichen dafür, dass öffentlicher Druck Wirkung zeigen kann.
In vielen Alltagsgegenständen können jedoch weiterhin PFAS stecken. Verbraucher und Verbraucherinnen haben beim Kauf allerdings keine Möglichkeit, das zu erkennen. Es sei denn, die Unternehmen weisen freiwillig darauf hin. Oft sind die Kennzeichnungen aber irreführend, denn meist bedeutet „PFOA-frei“, dass andere PFAS enthalten sind.
So können Sie PFAS im Alltag vermeiden
Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung gibt es keine einfache Möglichkeit, PFAS-belastete Produkte sicher zu erkennen und zu meiden. Mit einigen Tipps können Sie Ihr Risiko verringern:
- Achten Sie auf Produkteigenschaften, die „zu gut“ erscheinen. Wenn Materialien ungewöhnlich stark wasser-, fett- oder schmutzabweisend sind, obwohl dies keine typische Eigenschaft ist, sollten Sie skeptisch werden. Ein Beispiel: Unbehandelter Karton nimmt Fett auf – bleibt ein Pizzakarton sauber, wurde er vermutlich behandelt, möglicherweise mit PFAS.
- Fragen Sie direkt beim Hersteller nach, ob ein Produkt PFAS enthält. Eine gesetzliche Auskunftspflicht besteht nicht immer, dennoch reagieren viele Unternehmen auf entsprechende Anfragen. Unser kostenloser Musterbrief kann Sie dabei unterstützen. Teilen Sie Antworten von Herstellern gern mit uns. Stehen PFAS auf der Kandidatenliste der Europäischen Chemikalienagentur und sind in relevanten Mengen enthalten, müssen Hersteller auf Nachfrage informieren. Wie Sie Ihr Auskunftsrecht nutzen können, erfahren Sie auf der Seite des Umweltbundesamtes.
- Verlassen Sie sich nicht auf Werbeaussagen wie „PFOA-frei“ oder „PFOS-frei“. Solche Angaben beziehen sich meist nur auf einzelne Stoffe und schließen andere PFAS nicht aus. Nur „PFAS-frei“ bedeutet, dass die gesamte Stoffgruppe nicht enthalten ist.
- Nutzen Sie Apps wie Codecheck, ToxFox oder Scan4Chem als Orientierungshilfe. Sie ermöglichen es, Produkte zu prüfen oder direkt Anfragen an Hersteller zu stellen.
- Verzichten Sie möglichst auf Produkte, bei denen der Einsatz von PFAS bekannt oder zu vermuten ist (wie zum Beispiel imprägnierte Outdoorkleidung oder beschichtete Pfannen), und greifen Sie – wo möglich – zu PFAS-freien Alternativen.
Unser Standpunkt
Wir fordern ein zügiges, umfassendes Verbot der gesamten PFAS-Stoffgruppe in der Europäischen Union sowie klare Kennzeichnungspflichten, wenn PFAS doch genutzt werden. Das Verbot müssen die zuständigen Behörden konsequent kontrollieren und durchsetzen. Unser aktueller Fund in der Kinderjacke von KiK zeigt leider, dass selbst bereits seit Jahren verbotene Stoffe weiterhin in Produkten auftauchen. Ohne wirksame Kontrollen und spürbare Konsequenzen für Hersteller drohen bestehende Regelungen ins Leere zu laufen.