Betrug mit Kleinanzeigen im Internet

Ein Auto für wenig Geld? Ein schöner Schrank ohne Makel? Hübscher Schmuck mit wertvollen Steinen? Die Inserate auf Kleinanzeigenportalen klingen oft verlockend. Doch Vorsicht ist geboten, denn bevor Sie Auto, Schrank oder Schmuck in den Händen halten, sollen Sie erst einmal zahlen. Auch Verkäufer sollten auf der Hut sein. Das sind die Tricks der Betrüger.

Frau tippt auf Tastatur eines Laptops

Das Wichtigste in Kürze

  1. Beim Kauf oder Verkauf von Waren über Kleinanzeigen-Portale im Internet können Verbraucher viel Geld verlieren.
  2. Käufer und Verkäufer sollten niemals vorab Geld für Gebühren, Transport, Versicherungen oder ähnliches zahlen.
  3. Betrüger vermitteln oft einen vertrauenerweckenden Eindruck und erzählen plausible Geschichten.
Stand: 20.01.2021

Ob Schmuck, Auto oder alte Möbel – über das Internet lässt sich für fast alles Interessenten finden. Doch da die Person auf der anderen Seite des Rechners in der Regel unbekannt ist, sollten Sie besonders aufmerksam sein und den Angeboten eher mit Skepsis begegnen. Viele Betrüger machen einen vertrauenerweckenden Eindruck und wollen Sie so über den Tisch ziehen. Das sind ihre bekanntesten Tricks:

Die Masche mit PayPal

Immer mehr Online-Bestellungen werden heute über den Zahlungsdienstleister PayPal abgewickelt. PayPal bietet einen Käuferschutz und erstattet einen Preis beispielsweise dann, wenn ein gekaufter Artikel nicht versandt wurde oder der gelieferte Artikel erheblich von dem abweicht, was der Verkäufer mit seiner Angebotsbeschreibung versprochen hat. Aber Vorsicht: Dieser Käuferschutz gilt nicht für die Variante „Geld an Freunde und Familie senden“ (Paypal Familiy & Friends). In diesem Fall sehen Sie Ihr Geld bei Problemen möglicherweise nicht wieder. Der Paypal-Käuferschutz greift nur bei der Option „Geld senden für Waren und Dienstleistungen“.

Besteht ein Verkäufer für die Bezahlung seiner Ware also auf „Geld senden an Freunde und Familie“, seien Sie misstrauisch und lassen Sie sich nicht darauf ein! Sitzen Sie einem Betrüger auf, sind Sie als Käufer nicht geschützt und das Konto, auf dem Ihr Geld gelandet ist, haben die Kriminellen vermutlich schon aufgelöst.

Auch für Verkäufer kann Paypal zur Falle werden. So wollte beispielsweise Herr S. seine Playstation 5 über ein Kleinanzeigenportal verkaufen. Statt Zahlung bei Abholung bot der Interessent an, den geforderten Preis via „Geld an Freunde und Familie senden“ auf das Paypal-Konto von Herrn S. zu schicken. Die Abholung der Playstation sollte dann durch den Neffen des Käufers erfolgen, da dieser angeblich in der gleichen Stadt wie Herr S. wohnte. Tatsächlich ging das Geld nur wenige Minuten später auf dem Paypal-Konto von Herrn S. ein. Auch die Abholung der Playstation 5 erfolgte umgehend. Erst später stellte sich heraus, dass das Paypal-Konto, von dem die Überweisung ausging, gehackt worden war. Herr S. musste das Geld zurückzahlen.

Der „Drei-Ecks-Betrug“ oder die Überweisung an / von fremden Konten

Opfer eines Betrugs kann man auch dann werden, wenn man eine reguläre Überweisung veranlasst. So schilderte uns eine Verbraucherin, dass das bei einem Verkaufsportal im Internet hinterlegte Konto des Verkäufers manipuliert war, und sie daher den Kaufpreis nicht an den Verkäufer, sondern an einen – nicht mehr auffindbaren – Dritten überwiesen hat.

Ein junger Mann wiederum hatte eine wertvolle Münze im Internet zum Verkauf angeboten. Nachdem der Kaufpreis auf seinem Konto eingegangen war, schickte er die Münze auf Wunsch des Käufers an eine Packstation. Ein paar Tage später erfuhr er, dass das Geld von dem gehackten Konto eines Dritten überwiesen wurde. Das Geld musste er dem Kontoinhaber zurückgeben, seine Münze sah er nicht wieder. Diese Form des „Drei-Ecks-Betrugs“ wird übrigens auch mit Paypal abgewickelt (wie oben beschrieben).

Die Masche mit dem Scheck

Auch wenn Sie etwas über das Internet verkaufen wollen, ist Vorsicht geboten. Seit Jahren versuchen Kriminelle – leider teilweise erfolgreich – an das Geld von Verkäufern zu kommen. Zum Beispiel melden sich die Betrüger aufgrund einer Anzeige und bekunden Interesse an dem Kaufgegenstand. Soll dieser beispielsweise 900 Euro kosten, schicken die Gauner einen Scheck über 1.500 Euro. Der Verkäufer wird gebeten, den Scheck einzulösen und die Differenz zwischen Kaufpreis und Ausstellungsbetrag an den vermeintlichen Käufer zu überweisen. Der Verkäufer reicht den Scheck ein, überweist das Geld, ein paar Wochen später platzt der Scheck. Die „Käufer“ sind spurlos verschwunden, der Verkäufer bleibt auf dem Schaden von 600 Euro sitzen und seine Ware ist er auch noch los.

Die Masche mit den Transportkosten

Ganz ähnlich funktioniert die Masche mit den Transportkosten. Verbraucher, die über ein Kleinanzeigenportal ihre Habseligkeiten verkaufen wollen, erhalten Mails von vermeintlichen Interessenten. Diese bekunden großes Interesse an der angebotenen Ware. Selbst der geforderte Preis wird nicht diskutiert. Wollen die Verkäufer dann einen Termin zwecks Abholung und Bezahlung vereinbaren, müssen sie erfahren, dass sich der Kaufinteressent gerade beruflich im Ausland befindet und nicht vorbeischauen kann. Der vermeintliche Kunde bietet an, den Kaufpreis und die Transportkosten auf das Bankkonto des Verkäufers zu überweisen und ein Transportunternehmen mit der Abholung zu beauftragen. In der Folge erhält der Verbraucher eine Mail, beispielsweise von der „Royal Bank“. In dieser wird ihm bestätigt, dass der Kaufpreis inklusive der Abholkosten vom Konto des Käufers abgebucht wurde. Nun soll der Verkäufer die Abholkosten via Transferwise an das angebliche Transportunternehmen im Ausland zu schicken. Spätestens in diesem Augenblick sollten Sie von dem geplanten Verkauf Abstand nehmen – und sich auch nicht von den anschließenden Drohmails des angeblichen Käufers einschüchtern lassen.

Die Masche mit Western Union

Seit Jahren informieren uns Verbraucher über tolle Angebote, für die sie per Western Union vorab Teilbeträge zahlen sollen. Ist das Geld, beispielsweise für Kaution oder „Überführungskosten“ transferiert, erweisen sich Wohnung oder Auto als Finte. Die Betroffenen stehen mit leeren Händen da und bleiben auf den vermeintlichen Kosten sitzen.

Warum immer Western Union? Der Vorteil für die unseriösen Geschäftemacher: Der Kunde zahlt das Geld bei einem Vertriebsstandort von Western Union ein; den gibt es zum Beispiel bei vielen Sparkassen und der Postbank gibt. Innerhalb von wenigen Minuten erhält der Empfänger das Geld und kann abtauchen. Die Chancen, sein Geld zurückzubekommen, sind schlecht, da die Betrüger aus dem Ausland agieren und für die Abholung des Geldes in der Regel ahnungslose Strohmänner einsetzen.

Unser Rat

Auch, wenn die Geschichte, die Ihnen erzählt wird noch so plausibel oder mitleiderregend klingt,

  • überweisen Sie nie vorab Geld für angebliche Gebühren, Versicherungen oder Überführungskosten,
  • nehmen Sie keine Schecks als Zahlungsmittel an,
  • werden Sie misstrauisch, wenn der Verkäufer z.B. in Hamburg wohnen soll, aber eine spanische Bankverbindung angibt,
  • vereinbaren Sie eine persönliche Übergabe (Ware gegen Geld).

Fallen Ihnen unseriösen Anzeigen auf, informieren Sie in allen Fällen den Betreiber des Kleinanzeigenportals.

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