E-Scooter fahren – das sollten Sie wissen

Seit einem Monat dürfen E-Scooter am Straßenverkehr in Deutschland teilnehmen. Doch Achtung, nicht alle Modelle, die Sie im Internet kaufen können, erhalten auch eine Zulassung. Das sollten Sie beim Kaufen und Fahren beachten.

Zwei Männer mit E-Scootern unterwegs

Das Wichtigste in Kürze

  1. E-Scooter, die schneller als 20 km/h fahren können oder nur mit einer mangelnden Beleuchtung ausgestattet sind, erhalten keine Zulassung für den Straßenverkehr.
  2. Jeder Elektro-Scooter benötigt eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung.
  3. Für die Nutzung von E-Scootern und E-Rollern gelten unterschiedliche Regeln.
Stand: 16.07.2019

Seit dem Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) dürfen in Deutschland elektrische Tretroller, auch bekannt als E-Scooter, im Straßenverkehr unterwegs sein. Voraussetzungen für eine Zulassung sind: Die Scooter dürfen nicht schneller als 20 km/h fahren und ihre Leistung sollte nicht mehr als 500 Watt betragen. Außerdem sind ein funktionierendes Front- und Rücklicht sowie Reflektoren vorgeschrieben. Darüber hinaus müssen Elektro-Scooter mit zwei separaten Bremsen ausgestattet sein – eine fürs Vorderrad und eine fürs Hinterrad  – sowie mit einer Lenk- oder Haltestange.

Wenn Sie einen E-Scooter fahren möchten, benötigen Sie keinen Führerschein. Allerdings ist ein Mindestalter einzuhalten: für elektrische Tretroller mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 km/h sind es 12 Jahre und für E-Scooter mit einer Geschwindigkeit von über 12 km/h bis höchstens 20 km/h  sind 14 Jahre vorgegeben. Ebenso wie bei Fahrrädern besteht auch bei der Nutzung der elektrischen Scooter keine Helmpflicht.

Wir haben für Sie zusammengefasst, was Sie darüber hinaus noch wissen sollten.

Wo darf ich mit dem E-Scooter in der Stadt fahren?

Für E-Scooter mit einer Geschwindigkeit von maximal 12 km/h gilt: Grundsätzlich auf dem Gehweg fahren. Ist kein Gehweg vorhanden, kann auf den Radweg ausgewichen werden. Gibt es auch keinen Radweg, ist das Fahren auf der Straße erlaubt. 

Für E-Scooter mit einer Geschwindigkeit von mehr als 12 km/h (bis 20 km/h) gilt: Grundsätzlich den Radweg nutzen. Fehlt der Radweg, muss auf die Straße ausgewichen werden. 

Wer mit seinem E-Scooter nicht dort fährt, wo er fahren soll, muss ein Bußgeld zwischen 15 und 30 Euro zahlen.

Gut zu wissen

Viele E-Scooter, die man im Internet kaufen kann, erfüllen die Voraussetzungen für eine Zulassung zum Straßenverkehr nicht und sind dann häufig mit Sätzen wie „nur fürs Privatgelände“ oder „keine Straßenzulassung“ gekennzeichnet.

Seit Januar 2019 wurden 1.722 E-Scooter bei der Einfuhr in die Europäische Union im Hamburger Hafen kontrolliert. Nur 315 Fahrzeugen wurde die Einfuhr gewährt. Alle anderen erhielten keine Freigabe zum freien Verkehr. Die Behörden raten Nutzern, auf die sogenannte CE-Kennzeichnung zu achten.

Muss ich meinen E-Scooter versichern?

E-Scooter müssen versichert werden. Das heißt: Jeder Scooter braucht eine Kfz-Haftpflichtversicherung und eine Versicherungsplakette.

  • Fehlt die Versicherungsplakette, wird ein Bußgeld von 40 Euro fällig. 
  • Wurde keine Versicherung abgeschlossen, ist ein möglicher Schaden aus der eigenen Tasche zu zahlen. Gerade, wenn Personen verletzt werden, können die Kosten schnell im fünf- oder sechsstelligen Bereich liegen.

Die meisten Versicherungsgesellschaften bieten eine Versicherung für E-Scooter an, die auch dann einspringt, wenn eine andere Person mit dem Fahrzeug fährt. Der Versicherungsschutz kostet Sie rund 30 bis 40 Euro pro Jahr. Eine Diebstahl- bzw. Kaskoversicherung müssen Sie in der Regel zusätzlich abschließen.

Mein E-Scooter hat keine Zulassung, was kann ich tun?

Ist Ihr E-Scooter nicht für den Straßenverkehr zugelassen und wurden Sie beim Vertragsschluss, zum Beispiel in der Produktbeschreibung oder bei der Bewerbung des Scooters nicht darauf hingewiesen, handelt es sich um einen Mangel. Ist eine Zulassung nicht möglich, so können Sie vom Vertrag zurücktreten und Ihr Geld zurückverlangen.

Ist der Verkäufer auch der Hersteller, so kann er nachträglich eine Betriebserlaubnis beantragen. Der Roller muss dafür nach- oder umgerüstet werden. Als Käufer können Sie ebenfalls eine sogenannte  Einzelbetriebserlaubnis beantragen. Dies verursacht aber in der Regel hohe Kosten.

Was ist E-Scooter-Sharing?

Da E-Scooter konzipiert wurden, um kurze Strecken zu fahren, bietet sich das Sharing-Prinzip an. Mittlerweile rollen 2.160 E-Scooter von vier Anbietern durch Hamburg. Viele Sharing-Unternehmen arbeiten nach dem Free-Floating-Prinzip. Das heißt: der ausgeliehene Tretroller kann an einem beliebigen Ort in einem großräumig festgelegten Gebiet abgestellt werden. Einige Städte – auch Hamburg – wollen, wie beim Bike-Sharing, Stationen für die E-Scooter einrichten, um achtlos abgestellte Roller im öffentlichen Raum zu vermeiden.

Welche Unterschiede bestehen zwischen E-Scootern und E-Rollern?

E-Roller werden fälschlicherweise häufig mit E-Scootern gleichgesetzt. Allerdings sind E-Roller letztlich eine elektrische Variante des gewöhnlichen Motorrollers, haben also einen deutlich leistungsstärkeren Motor und einen Sitz. Äußerlich gleichen die E-Roller oftmals einer Vespa.      

Die E-Roller unterliegen nicht den Regelungen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV). Wenn Sie einen E-Roller fahren, müssen Sie beispielsweise einen Helm tragen und die Straße nutzen.

Für E-Roller gibt es in vielen Städten bereits Sharing-Angebote ohne feste Stationen. Der Roller wird einfach nach der Nutzung im zugelassenen Gebiet abgestellt. Über eine dazugehörige App kann man sich die verfügbaren E-Roller in der Nähe anzeigen lassen.

Unser Rat

Achten Sie beim Kauf eines E-Scooters oder E-Rollers genau auf die technischen Daten wie Geschwindigkeit, Leistung und klären Sie, dass das Fahrzeug beim Kauf schon über eine Straßenzulassung verfügt. Anderenfalls kann es teuer werden. Wichtig: Das Zweirad sollte schon vor der ersten Fahrt versichert sein.

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