Nachhaltige Rentenversicherungen?

Private Rentenversicherungen sind eine schlechte Altersvorsorge. Daran ändert auch ein grüner Anstrich nichts. Der ist überdies oft nicht berechtigt.

Ältere Frau sitzt auf einem Stuhl in ihrem Garten und schaut auf ein Haus
Stand: 22.11.2017

Die Versicherungsbranche verkauft besonders gern private Rentenversicherungen. Doch davon können wir nur abraten: Rentenversicherungen sind teuer und unflexibel. Denn die Abschluss- und Verwaltungskosten sind hoch und bei einem nicht unwahrscheinlichen Ausstieg während der langen Laufzeit geht die mickrige Rendite sogar ins Minus. Bei fondsgebundenen Verträgen kommen noch Fondskosten hinzu sowie das Risiko, Verluste durch Kursschwankungen zu erleiden. Also: Bloß keine Rentenversicherungen abschließen!

Nun werben Anbieter damit, ihre Rentenversicherung sei „nachhaltig“, da bei ihnen das Geld der Kunden nach ethischen und ökologischen Kriterien investiert werde. Doch zur schlechten Geldanlage kommt einigen dieser Anbieter nur noch ein zweifelhafter grüner Anstrich hinzu.

Vorsicht frisch grün gestrichen! 

Bei Finanzprodukten sind Begriffe wie „nachhaltig“ ebenso wenig gesetzlich geschützt wie „öko“, „fair“ oder „klimafreundlich“. Daher kann jeder Anbieter etwas anderes darunter verstehen. Sogenannte nachhaltige Rentenversicherungen versprechen, bei ihren Investments eigens definierte ethische und ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Genannt wird: kein Geld in bestimmte Branchen und Produktionsweisen wie Rüstung, Atomkraft, Pornografie oder Kinderarbeit. Andere Anbieter wollen gezielt in „grüne“ Branchen wie den Windkraft- oder Solaranlagenbau investieren. Doch Vorsicht: Nicht alle Angebote halten, was Name oder Werbung hinsichtlich der Nachhaltigkeit versprechen.

Zur Nachhaltigkeit gehört Transparenz 

Gerade weil es im Finanzbereich keinen gesetzlichen Standard für Nachhaltigkeit gibt, ist es wichtig, dass Anleger alle hierzu notwendigen Informationen vor dem Abschluss des Vertrages erhalten. Dazu gehört eine Information, nach welchen konkreten ethischen und ökologischen Kriterien investiert wird und auf welchen Anteil des Geldes diese angewandt werden. Von Versicherern darf erwartet werden, dass sie Informationen hierzu auf der Homepage, in Flyern und im Produktinformationsblatt veröffentlichen.

Bei der klassischen Rentenversicherung gibt es nur eine Handvoll Anbieter, die angeben, ethische und ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Den Nachhaltigkeitsgedanken interpretieren sie dabei ganz unterschiedlich: Oeco Capital gibt beispielsweise an, bei allen Geldgeschäften des Unternehmens die von ihnen festgelegten Kriterien zu berücksichtigen. Man investiere nicht in die Atom- und Rüstungsindustrie oder in Gentechnik. Bei der „Grünen Rente“ der Stuttgarter hingegen unterliegen nur die Sparbeiträge der Rentenversicherungen bestimmten Nachhaltigkeitsstandards. Bei der von Ökoworld vertriebenen „Versirente“ fließen sogar nur rund 20 Prozent in ethisch-ökologische Investments.

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen steht Anlegern meist eine Auswahl an Investmentfonds zur Geldanlage zur Verfügung. Hierunter können sich auch solche mit ethisch-ökologischen Anlagekriterien befinden. Bei den fondsgebundenen Angeboten gibt es zwei Varianten: Fonds mit und ohne Garantie. Bei der Variante ohne Garantie haben Anleger keinen Anspruch auf eine Mindestauszahlung. Der gesamte Sparanteil (nach Abzug der Kosten) kann dann in ethisch-ökologische Investmentfonds investiert werden. Laufen diese schlecht, schmälert das die Altersvorsorge. Bei der Variante mit Garantie erhalten Sie am Ende der Laufzeit eine Mindestauszahlung. Die Versicherung investiert nur das Geld in nachhaltige Fonds, das sie nicht für die spätere Auszahlung der garantierten Summe benötigt. Aufgrund der momentan niedrigen Zinsen fällt dieser Anteil mit circa fünf bis zehn Prozent sehr gering aus. Worin sie den restlichen, weitaus größeren Teil des Geldes investiert, erfahren Sie nicht.

Nur wenige Rentenversicherungen sind konsequent nachhaltig

Im Rahmen des Projektes „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ wurden Ende des Jahres 2017 insgesamt 46 Anbieter von privaten Rentenversicherungen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsstandards untersucht. 22 Unternehmen machen demnach Angaben zu mindestens einem Ausschlusskriterium. Investitionen in geächtete Waffen und Nahrungsmittelspekulationen werden bei der Kapitalanlage am häufigsten ausgeschlossen. Nur zwei Versicherer wenden umfangreiche ethisch-ökologische Ausschlusskriterien an: die Familienfürsorge und die Concordia oeco, deren Kriterien allerdings nur für die Produktlinie „Leben oeco“ gelten. Mehr über die Untersuchung lesen Sie auf dem Verbraucherzentralen-Portal geld-bewegt.de.

Unser Tipp

Rentenversicherungen werden auch durch grünen Anstrich nicht besser. Altersvorsorge ist keine Versicherungsfrage, sondern eine Frage der Geldanlage. Es gibt bessere Geldanlagen.

Über das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“

Im Rahmen des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ untersuchen die Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen regelmäßig Anbieter von nachhaltigen Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukten und gehen gegen unseriöse und irreführende Werbung vor. Das bundesweite Projekt wird in Kooperation mit den Verbraucherzentralen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein umgesetzt. Gefördert wird „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

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