Maxivorsicht bei Minikrediten

Kurzzeitkredite versprechen schnelle finanzielle Hilfe. In der Regel auch ohne ausreichende Kreditwürdigkeit. Das macht sie für viele Menschen attraktiv. Gleichzeitig bergen die Darlehen aber auch große Risiken. Unser Rat: Finger weg! Lassen Sie sich bei finanziellen Problemen besser unabhängig und professionell beraten.

Euro Geld

Das Wichtigste in Kürze

  1. Für Kurzzeitkredite oder Minikredite gelten weniger strenge Vergaberichtlinien.
  2. Für Verbraucher bedeutet das: Die Kredite sind in der Regel verhältnismäßig teuer.
  3. Wer finanzielle Probleme hat, sollte sich lieber an eine offiziell anerkannte Schuldnerberatung wenden als einen Minikredit aufnehmen.
Stand: 29.01.2019

Kurzzeit-oder Minikredite bis maximal 199 Euro sind keine Verbraucherdarlehen im klassischen Sinn. Damit unterliegen sie auch weniger strengen Vergaberichtlinien. Das macht die Minikredite vor allem für Verbraucher ohne ausreichende Kreditwürdigkeit oder in finanziell angespannter Situation interessant.

Hohe Kosten für wenig Kredit

Doch die Anbieter solcher Kredite lassen sich ihre Dienstleistung entsprechend teuer bezahlen: So verlangt beispielsweise die Fidor Bank AG für ihren „Geld-Notruf“ Fixkosten in Höhe von sechs Euro. Selbst bei gleicher Laufzeit und einem sehr hohen Dispozins von 12,5 Prozent betragen die Fixkosten vergleichbarer Kredite lediglich 1,04 Euro.

Mit dem „Geld-Notruf“ der Fidor Bank  können Verbraucher zunächst 100 Euro beantragen, müssen den Kredit aber nach einer Laufzeit von nur 30 Tagen wieder zurückzahlen. Fehlt dieses Geld an anderer Stelle, ist die Gefahr weiterer Verbindlichkeiten groß.

Unser Rat

Mit Mini- oder Kurzzeitkrediten lassen sich keine finanziellen Probleme lösen. Wenn Sie einen solchen Kredit abschließen wollen, schauen Sie sehr genau hin. Wir empfehlen jedoch den Gang zu einer offiziell anerkannten Schuldnerberatung, zum Beispiel bei uns in der Verbraucherzentrale. Dort zeigt man Ihnen eine langfristige Perspektive auf.

In den AGB zum „Geld-Notruf“ verwendete die Fidor Bank gleich mehrere Bedingungen, mit denen sie die Voraussetzungen und die Höhe der Geldbeträge bei laufenden Verträgen einseitig ändern konnte. Zudem räumte sich das Kreditinstitut das Recht ein, die Kosten des Kleinkredits jederzeit anzupassen. Nach Ansicht der Marktwächter der Verbraucherzentralen sind derartige Änderungsrechte nach Abschluss eines Vertrags unzulässig, insbesondere, wenn sich der Vertrag für den Verbraucher verschlechtert.

Unangemessen hohe Mahngebühren

Gleiches gilt für die beanstandeten Mahn- und Servicekosten des Angebotes. Die Fidor Bank verlangte für einen ersten „Überfälligkeits-Alert“, für die anschließende „Zahlungserinnerung“ und die „letzte Mahnung“ jeweils 3,00 Euro. Damit können sich die Gesamtmahnkosten im Extremfall innerhalb weniger Tage auf neun Euro belaufen.

Vollständige Unterlassungserklärung

Die Fidor Bank hat in mehreren Schritten mittlerweile eine vollständige Unterlassungserklärung abgegeben und zugesichert, die beanstandeten Bestimmungen nicht mehr zu verwenden sowie die Mahnkosten auf maximal 3,00 Euro zu deckeln. Diese Verpflichtung gilt für Neuverträge, die ab dem 16. November 2018 abgeschlossen wurden.

Falls Sie vor dem 16. November 2018 einen Vertrag unterzeichnet haben, wenden Sie sich an unsere Experten in der Beratung. Dies gilt bei allen Fragen rund um das Thema Schulden und Kredit.

Dazu passend: Auch das Verbrauchermagazin WISO im ZDF hat sich in der Sendung vom 08. Juli 2019 mit Kurzzeitkrediten befasst. Anschauen lohnt sich!

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

Weitere Informationen über das Marktwächter-Projekt finden Sie auf der Marktwächter-Website und im Marktwächter-Twitter-Kanal.

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