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Schufa-Score: Wie kommt er zustande?

Auch Sie haben einen Schufa-Score! Unternehmen nutzen diesen Wert, um darüber zu entscheiden, ob Sie einen Kredit bekommen, auf Rechnung zahlen oder einen bestimmten Vertrag abschließen können. Jetzt ändert die Schufa ihre Berechnungsmethode für den Score. Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher? 

Hand dreht Würfel mit Smileys

Das Wichtigste in Kürze

  1. Auskunfteien ziehen mit Hilfe personenbezogener Daten Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern.
  2. Durch eine neue Berechnungsmethode des Score soll die Bonitätseinschätzung für Verbraucherinnen und Verbraucher vollständig transparent und leicht nachvollziehbar sein.
  3. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ihre Score-Daten abfragen und sie – wenn nötig – korrigieren lassen.
Stand: 16.03.2026

Haben Sie schon einmal etwas von Scoring gehört? Nein? Dann sollten Sie sich schlau machen. Denn von Scoring sind alle betroffen.

Bei Unternehmen werden Daten über das wirtschaftliche Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern gesammelt und zu Punktwerten zusammengefasst, den sogenannten Scores. Ein Score entscheidet mit, ob Sie nur gegen Vorkasse einkaufen dürfen oder auch auf Rechnung, ob Sie einen niedrigen oder einen höheren Zins für Ihren Kredit zahlen müssen oder ob Sie vielleicht gar keinen Kredit erhalten. Die Score-Daten sollten Sie sicherheitshalber für sich selbst abfragen – und gegebenenfalls korrigieren lassen.

Der Score darf nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht das alleinige Bewertungskriterium sein, das darüber entscheidet, ob ein Vertrag zustande kommt oder nicht. Der potenzielle Vertragspartner muss noch andere Informationen prüfen. Automatisierte Vergabeprozesse wie zum Beispiel bei Online-Kurzkrediten dürften damit unzulässig sein.

Was ist Scoring?

1996 wurde das sogenannte Scoring-Verfahren erstmals von der Schufa eingerichtet. Hergeleitet wird der Begriff aus dem englischen „score“, was so viel wie Punktzahl bedeutet. Mit Scoring bezeichnet werden systematische, in der Regel auf mathematisch-statistischer Analyse von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit basierende Verfahren zur Prognose über das zukünftige Verhalten von Personengruppen und Einzelpersonen mit bestimmten Merkmalen. Grundlage des Scoring sind personenbezogene Daten von Personen, über die in der Vergangenheit Erkenntnisse zu der zu prognostizierenden Frage gesammelt wurden. Nach bestimmten Gewichtungen wird ein Score errechnet. Dieser soll Anhaltspunkte über das künftige Zahlungsverhalten eines Kunden geben.

Ein Score entscheidet mit, ob ein Kredit gewährt oder abgelehnt wird. Der Score setzt sich aus verschiedenen Angaben der einzelnen Person zusammen, etwa den vorhergehenden Krediterfahrungen und statistischen Erhebungen. Unter Berücksichtigung aller Angaben wird letztendlich ein Wert erhoben, der je nach dem positiven oder negativen Gesamtbild variiert. 

Wie wird der Score berechnet? 

Ab dem 17. März 2026 soll ein neuer Score mehr Transparenz schaffen. Damit reagiert die Schufa auf eine jahrelange Forderung der Verbraucherzentralen nach mehr Transparenz beim Bonitätsscoring. Statt wie bisher maximal 100 Prozent sollen nun Punkte auf einer Skala von 100 bis maximal 999 die Bonität wiedergeben. Dafür werden nur noch zwölf Kriterien verwendet statt wie bisher hunderte. Zu den relevanten Kriterien zählen etwa Zahlungsstörungen, das Alter der ältesten Kreditkarte oder wann der letzte Umzug stattgefunden hat. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Bonitätsanfragen von Banken, Online-Händlern, Telekommunikations- und Finanzdienstleistern im Vorfeld eines Vertragsschlusses.

Der neue Score ersetzt in erster Linie nur den bisherigen Basis-Score, der alle drei Monate aktualisiert und nicht an Unternehmen weitergegeben wurde. Zudem fallen sechs weitere Branchen-Scores (für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel sowie Versandhandel) weg, die in dem neuen Score aufgehen. 

Kann sich mein Score durch die neue Berechnung plötzlich stark verändern?

Nach Auskunft der Schufa ändert sich für 83 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher nichts, Sie verbleiben in derselben Scoreklasse des zuvor am häufigsten angefragten Scores, dem Bankenscore. Für neun Prozent wirke es sich demnach positiv auf die Bewertung aus, für acht Prozent negativ.

Wo kann ich meinen neuen Score einsehen?

Der neue Schufa-Score soll für Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem 17. März direkt im Schufa-Account kostenfrei einsehbar sein. Dafür ist eine Registrierung notwendig. Alternativ können Interessierte in der bonify-App ihren Score prüfen oder sich eine kostenlose Datenkopie zuschicken lassen. Da eine falsche Datenbasis zu einer fehlerhaften Bonitätsbewertung führen kann, raten wir Verbraucherinnen und Verbrauchern dazu, regelmäßig die eigenen Daten zu checken. 

Wie oft wird mein Score aktualisiert?

Die Schufa aktualisiert ihre Daten nach eigenen Angaben quartalsweise. Hierzu zählen neben dem Score auch die Informationen zu Verträgen, Anfragen, Zahlungsstörungen und auch persönliche Daten.

Warum ist Scoring ein Problem?

Grundsätzlich ist der Score-Wert in verschiedene Risikoklassen eingeteilt. Abhängig von dem Kreditverhalten wird die einzelne Person einer bestimmten Klasse unterstellt. Die Errechnung des angeblichen Risikos eines Verbrauchers erfolgt durch Zuordnung zu einer Vergleichsgruppe mit identischen Merkmalen. Für jede Gruppe ergibt sich am Ende ein bestimmtes Risiko. 

Die Schufa ist dabei nur einer von vielen Datensammlern, hier werden nur Informationen über die Vertragstreue gespeichert, dagegen haben andere Unternehmen sich darauf spezialisiert Daten über Beruf, Einkommen, Vermögen oder Familienstand zu sammeln.

Intransparente Berechnung 

Gemeinsam ist allen Scores, dass kaum jemand weiß, wie genau sie errechnet werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte in einem Verfahren gegen die Schufa entschieden, dass es sich um eine automatisierte Entscheidung handelt, wenn ein Vertragsabschluss maßgeblich vom Schufa-Score abhängt. Das hatte zur Folge, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Transparenz von der Schufa verlangen können und das Recht haben, zu erfahren, wie der Wert ihres Schufa-Scores zustande kommt. Die Schufa hatte auf ihrer Seite deswegen einen Score-Simulator, mit dem sich anhand einiger Kriterien ein Score nachvollziehen ließ. Die neue Berechnungsweise des Scores ist jetzt die letzte Konsequenz.

Die Grundbausteine des neuen Schufa-Scores sind bereits bekannt: Die Anzahl der Girokonten, Kreditkarten und Anfragen außerhalb des Bankbereichs etwa fließen in die Berechnung genauso ein wie laufende Kredite, die Dauer der Kreditbeziehung und die Anzahl der Wohnungswechsel. Bei dem alten Scoring waren die Kriterien nicht so eindeutig festgelegt. Angeblich nicht entscheidungserhebliche Daten waren der Wohnort (wenn nichts anderes vorhanden ist, aber doch wieder), der Beruf, Einkommen, Geschlecht, Alter, Familienstand. Es bestand sogar der Verdacht, dass vielleicht sogar die Anzahl der Scheidungen und die Marke des Autos einfließen.

Kredit ist nicht gleich Kredit 

Probleme gibt es noch beim Merkmal „Kreditanfrage”. Dieses Merkmal wird immer dann gespeichert, wenn sich jemand bei einer Bank ein konkretes Kreditangebot unterbreiten lässt. Zwar verschwindet die Information schon nach zehn Tagen wieder aus der Schufa-Auskunft, sie bleibt aber noch ein Jahr lang intern gespeichert. Die Schufa verwendet auch diese Information für das Scoring, unabhängig von den Gründen für die Kreditanfrage: Während der eine Verbraucher innerhalb kurzer Zeit drei Kreditangebote einholt, weil er finanziell vor dem Abgrund steht, will der andere vielleicht nur Tarife vergleichen. Beim Scoring werden beide gleich behandelt. Deshalb hat die Schufa das Merkmal „Konditionenanfrage“ eingeführt, das diese Auswirkungen nicht hat, jedoch von den Banken kaum genutzt wird.

Kritisch ist auch das Merkmal "Anfragen außerhalb des Bankenbereichs" zu sehen. Hierzu zählen Anfragen aus den Branchen (Online)-Handel, Telekommunikation und (Finanz)-Dienstleistungen. Das heißt jemand, der in einem Monat beispielsweise seinen Handyvertrag wechselt und im nächsten eine neue Versicherung abschließt, verschlechtert seinen Score, obwohl man dadurch vielleicht sogar Geld spart. Es wäre nur unschädlich, wenn man dies innerhalb von 28 Tagen macht, weil es die Schufa dann als nur eine "Anfrage" zählt.

Was wird sich noch in Sachen Scoring ändern?

Alle Betroffene sollen dann in ihrem Account erfahren können, welche Vertragspartner den Score-Wert beeinflusst haben. Damit wäre wenigstens in Grenzen nachvollziehbar, welche Daten etwa bei einer Entscheidung ihrer Bank zugrunde gelegen haben.

Wie kann man sich gegen falsche Score-Werte wehren?

Mit dem neuen Score-Wert bietet die Schufa auch an, dass man die Schufa-Daten durch eine einfache Kontaktaufnahme korrigieren kann.

 

Unser Rat

Überprüfen Sie Ihren Score jährlich. Fragen Sie bei den Auskunfteien ab, welche personenbezogenen Daten über Sie dort zu welchem Zweck gespeichert sind, woher diese kommen und wer sie erhalten hat. Die Datenübersicht, die Ihnen ausgestellt wird, sollte alle in den letzten zwölf Monaten von Unternehmen abgefragten Werte beinhalten.

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