Riester-Rente: Ja. Aber richtig!

Die Vertragsabschlüsse für die staatlich geförderte private Altersvorsorge mit Riester-Zuschuss sinken. Dennoch: Für viele kann der richtige Vertrag sinnvoll sein. Wir haben zusammengestellt, was Sie wissen müssen.

Großvater mit Kind

Das Wichtigste in Kürze

  1. Aufgrund der unübersichtlichen Marktlage meiden viele Verbraucher die doch empfehlenswerte Riester-Rente.
  2. Über Versicherungen abgeschlossene Verträge bergen viele Nachteile durch versteckte Kosten.
  3. Gerade für Geringverdiener und Verbraucher mit Kindern kann sich der Abschluss eines Riester-Vertrags auf lange Sicht lohnen.
  4. Auch für Arbeitnehmer mit einem höheren Einkommen kann die Riester-Rente unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein.
Stand: 01.08.2018

Sie möchten einen Riester-Vertrag abschließen? Banksparplan? Fondssparplan? Renten­versicherung? Sie haben vermutlich gehört, dass „alles sehr kompliziert ist”. Das stimmt auch. Dann möchten Sie sich nicht zu ausführlich damit beschäftigen und wollen einfach nur wissen: Was soll ich machen? Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Müssen Sie riestern? Nein, Sie sollten aber!

Keiner muss. Aber für viele Verbraucher kann sich das „Riestern“ lohnen. Voraussetzung ist nur, dass der Sparer oder dessen Ehepartner in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt oder Beamter ist. Riestern können beispielsweise auch Bezieher von Arbeitslosengeld, ALG II, Krankengeld und andere.

Der Staat unterstützt Riester-Sparer mit 175 Euro pro Jahr. Für Eltern gibt es zudem jährlich 185 Euro für jedes vor 2008 geborene Kind und 300 Euro für die, die seit 2008 geboren wurden. Die Zuschüsse für den Nachwuchs werden bis maximal zur Vollendung des 25. Lebensjahres gezahlt. Wer jünger als 25 Jahre ist und einen Riester-Vertrag abschließt, erhält zudem einmalig einen Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro.

Wer die Riester-Zulagen erhalten will, muss Sparbeträge in Höhe von 4 Prozent des Bruttoeinkommens (vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge etc.) im Vorjahr auf ein spezielles Vertragskonto einzahlen. Geringverdiener (z.B. 450-Euro-Jobber, die auf die Sozialversicherungsfreiheit verzichten) müssen nur mindestens den Sockelbetrag in Höhe von 60 Euro pro Jahr einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten.

Rechenbeispiel

Eine allein erziehende Mutter mit einem achtjährigen Sohn verdiente im Vorjahr 20.000 Euro brutto. Ihre Sparrate beträgt 800 Euro im Jahr (4 Prozent des Bruttoeinkommens). Davon kann sie die Zulage für sich (175 Euro) und das Kind (300 Euro) abziehen. Sie muss also nur 325 Euro im Jahr auf einen Sparvertrag einzahlen, um die Riester-Zuschüsse für sich und ihren Nachwuchs zu erhalten. Das entspricht knapp 27 Euro pro Monat. Am Ende des Jahres stehen auf ihrem Konto jedoch 800 Euro (325 Euro + 175 Euro + 300 Euro) plus Zinsen.

Die Rendite eines solchen Sparvertrags ist unschlagbar gut. Bis zum Rentenalter hat sich ein ordentliches Kapital gebildet, das man dann Monat für Monat aufzehren kann und so seine gesetzliche Rente aufbessert.

Für Höherverdiener ist Riestern dagegen deshalb lukrativ, weil sie ihre Sparbeiträge alternativ auch steuerlich absetzen können. Möglich ist das bis maximal 2.100 Euro im Jahr.

Mit welchen Verträgen können Sie „riestern“?

Die Zulagen bekommen Sparer nur für bestimmte Verträge geschenkt. Die Regeln für diese Sparverträge sind so kompliziert, dass viele davor zurückschrecken, einen „Riester“-Vertrag abzuschließen. Doch das ist falsch!

Die gesetzlichen Regeln sollen vor allem gewährleisten, dass das Spargeld sicher angelegt ist und man darüber nicht vor dem Rentenalter verfügen kann. Außerdem darf das Geld nicht auf einen Schlag, sondern nur in monatlichen Raten ausgezahlt werden, wobei man sich 30 Prozent des Ersparten als erste Rate in der Rentenphase auszahlen lassen kann.

Sind alle gesetzlichen Riester-Anforderungen erfüllt, wird das Finanzprodukt eines Anbieters „zertifiziert“. Das bedeutet: Die Summe der eingezahlten Beiträge sowie der erhaltenen Zulagen ist zum Zeitpunkt des Rentenbeginns garantiert. Die Zertifizierung ist dennoch nicht mit einem Gütesiegel gleichzusetzen.

Wer das Spargeld verwalten soll, muss jeder selbst entscheiden. Vier Wege kommen in Betracht:

  • ein Vertrag bei einer Versicherung (Rentenversicherung)
  • ein Vertrag bei einer Investmentgesellschaft (Fondssparplan)
  • ein Vertrag bei einer Bank oder Sparkasse (Banksparplan)
  • ein Vertrag bei unterschiedlichen Anbietern (Wohn-Riester)

Wo soll ich meinen Riester-Vertrag abschließen?

Von den Rentenversicherungen halten wir nicht viel – wegen der meist sehr hohen Kosten.

Ein Fondssparplan dagegen ist sinnvoll für Sparer, die an eine höhere Renditechance bei Aktien glauben, nicht jedoch für ältere Sparer.

Daneben gibt es die Sparpläne von Banken oder Sparkassen, damit machen Sie nichts falsch. Sie sind eine gute Alternative zu den Versicherungen. Aber: Überregionale Sparpläne werden zurzeit kaum noch angeboten. Einige Kreditinstitute bieten regional begrenzte Sparpläne an.

Wohn-Riester-Verträge sind in der Regel sehr komplex und nur im Einzelfall nach eingehender Beratung empfehlenswert.

Nach dem Abschluss eines Riester-Vertrags können Sie noch zwischen den verschiedenen Sparprodukten wechseln. Übertragen Sie Ihr Guthaben jedoch nicht überstürzt auf einen anderen Vertrag oder kündigen Sie gar, sondern informieren Sie sich vorab genau über die möglichen Alternativen.

Unser Rat

Viele Kunden ziehen nach schlechten Erfahrungen mit Riester-Versicherungen die Notbremse, kündigen ihren Vertrag und wollen von „Riester“ nichts mehr wissen. Doch Riestern kann sich lohnen – wenn man es richtig macht. Konkret sollten Sie ...

  • Versicherer vermeiden!
  • Auf alle Kosten achten!
  • Unabhängigen Rat einholen!

Welche Probleme bereiten Versicherungen?

Ein Riester-Vertrag kann eine gute Altersvorsorge sein – solange man ihn nicht bei einer Versicherung abschließt. Solche Riester-Verträge sind ins Gerede gekommen: zu teuer und zu geringe Renten, bemängeln Kritiker.

Auch uns erreichen täglich sorgenvolle Fragen von Verbrauchern, die um ihr Erspartes fürchten. Viele Kunden stellen anhand der jährlich erstellten Standmitteilungen fest, dass ihr Kapital nicht wächst, sondern allenfalls stagniert, so wie im Fall von Frau B., deren Vertrag seit neun Jahren bei der Ergo läuft. Eingezahlt hat sie 13.147,92 Euro, der mitgeteilte Stand ist aber 11.906,39 Euro. Um irgendwann einmal ins Plus zu kommen, müsste der Versicherer Frau B. ab sofort jedes Jahr eine Rendite von 4 Prozent gut schreiben.

Wie schließe ich einen Sparplan ab?

Rufen Sie einfach bei Bank, Sparkasse oder Fondsgesellschaft an und lassen Sie sich einen Antrag schicken. Diesen füllen Sie aus und senden ihn an den Anbieter zurück. Fertig. Ihre Sparrate fließt jeden Monat automatisch von Ihrem Girokonto an das Geldinstitut.

Am Anfang des nächsten Jahres erhalten Sie einen Antrag auf die staatlichen Zulagen. Wenn Sie den Dauerzulagen­antrag stellen, kümmert sich Ihr Anbieter Jahr für Jahr um alles Notwendige. Wichtig ist aber, dass Sie ihn über Gehaltserhöhungen oder Nachwuchs informieren, um die volle Zulage zu erhalten.

Was passiert in der Rentenphase?

Die Auszahlung des Guthabens aus Ihrem Riester-Vertrag beginnt üblicherweise mit dem Renteneintritt, aber frühestens mit dem 60. Lebensjahr.

Die ausgezahlte Rente muss bis zum Lebensende reichen. Daher mündet jeder Riester-Vertrag spätestens zu diesem Zeitpunkt mittelbar in eine Versicherung. Das lassen sich Versicherer teuer bezahlen. Sie gehen von zu hohen Lebenserwartungen aus, sodass die monatliche Rente ziemlich klein wird und man sehr alt werden muss, damit es sich überhaupt lohnt. Manchmal weigern sich Versicherungsgesellschaften auch, Neukunden zur Rentenphase aufzunehmen.

Sollten Verbraucher in der Rentenphase staatliche Grundsicherung erhalten, so bleiben 200 Euro pro Monat anrechnungsfrei. Das Geld aus dem Riestervertrag ist also bis zu dieser Höhe in der Rentenphase frei verfügbar.

Unser Angebot

Unsere unabhängigen Finanzexperten beraten Sie  zur Riester-Rente – zum Beispiel, wenn Sie lieber einen Fondssparplan abschließen oder von einer teuren Wohn-Riester-Vertrag auf einen besseren Sparplan umsteigen möchten. In unserer Beratung erfahren Sie, welches Produkt zu Ihnen passt.

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