Riester-Rente: Ja. Aber richtig!

Die Vertragsabschlüsse für die staatlich geförderte private Altersvorsorge mit Riester-Zuschuss sinken. Dennoch: Für viele kann der richtige Vertrag sinnvoll sein. Wir haben zusammengestellt, was Sie wissen müssen.

Großvater mit Kind

Das Wichtigste in Kürze

  1. Aufgrund der unübersichtlichen Marktlage meiden viele Verbraucher die doch empfehlenswerte Riester-Rente.
  2. Über Versicherungen abgeschlossene Verträge bergen viele Nachteile durch versteckte Kosten. Mit Sparplänen von Banken sind Sparer generell besser aufgehoben, doch zurzeit gibt es nur weniger Angebote.
  3. Gerade für Geringverdiener und Verbraucher mit Kindern lohnt sich der Abschluss einer Riester-Vertrags auf lange Sicht.
Stand: 30.01.2017

Sie möchten einen Riester-Vertrag abschließen? Banksparplan? Fondssparplan? Renten­versicherung? Sie haben vermutlich gehört, dass „alles sehr kompliziert ist”. Das stimmt auch. Dann möchten Sie sich nicht zu ausführlich damit beschäftigen und wollen einfach nur wissen: Was soll ich machen? Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Müssen Sie riestern? Nein, Sie sollten aber!

Keiner muss. Aber (fast) jeder sollte, denn „Riestern“ lohnt sich. Voraussetzung ist nur, dass der Sparer oder dessen Ehepartner in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt oder Beamter ist. Und es müssen Sparbeträge in Höhe von 4 Prozent des Bruttoeinkommens (vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge etc.) im Vorjahr auf ein spezielles Vertragskonto eingezahlt werden.

Mit 154 Euro im Jahr unterstützt der Staat derzeit jeden, der einen Riester-Vertrag abschließt. Für Eltern gibt es zudem jährlich 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro pro Kind, das seit 2008 geboren wurde. 

Rechenbeispiel

Eine allein erziehende Mutter mit einem achtjährigen Sohn verdiente im Vorjahr 20.000 Euro brutto. Ihre Sparrate beträgt 800 Euro im Jahr. Davon kann sie die Zulage für sich (154 Euro) und das Kind (185 Euro) abziehen. Sie muss also nur 461 Euro im Jahr auf einen Sparvertrag einzahlen. Das entspricht knapp 39 Euro im Monat. 
Am Ende des Jahres stehen auf ihrem Konto aber 800 Euro plus Zinsen.

Die Rendite eines solchen Sparvertrages ist unschlagbar gut. Bis zum Rentenalter hat sich ein ordentliches Kapital gebildet, das man dann Monat für Monat aufzehren kann und so seine gesetzliche Rente aufbessert.

Unter 25-Jährige erhalten zudem einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus. Und für Geringverdiener (z.B. 450-Euro-Jobber) wichtig: Sie müssen nur mindestens den Sockelbetrag in Höhe von 60 Euro pro Jahr einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten.

Für Höherverdiener ist Riestern dagegen deshalb lukrativ, weil sie ihre Sparbeiträge alternativ auch steuerlich absetzen können. Möglich ist das bis maximal 2.100 Euro im Jahr.

Mit welchen Verträgen können Sie „riestern“?

Die Zulagen bekommen Sparer nur für bestimmte Verträge geschenkt. Die Regeln für diese Sparverträge sind so kompliziert, dass viele davor zurückschrecken, einen „Riester“-Vertrag abzuschließen. Doch das ist falsch!

Die gesetzlichen Regeln sollen vor allem gewährleisten, dass das Spargeld sicher angelegt ist und man darüber nicht vorm Rentenalter verfügen kann. Außerdem darf das Geld nicht auf einen Schlag, sondern nur in monatlichen Raten ausgezahlt werden. 

Wenn alle gesetzlichen Riester-Anforderungen erfüllt sind, wird das Finanzprodukt eines Anbieters „zertifiziert“. Doch Vorsicht: Diese Zertifizierung stellt kein Gütesiegel dar!

Wer das Spargeld verwalten soll, muss jeder selbst entscheiden. Drei Wege kommen in Betracht:

  • ein Vertrag bei einer Versicherung (Rentenversicherung)
  • ein Vertrag bei einer Investmentgesellschaft (Fondssparplan)
  • ein Vertrag bei einer Bank oder Sparkasse (Banksparplan)

Welche Probleme bereiten Versicherungen?

Ein Riester-Vertrag ist eine gute Altersvorsorge – solange man ihn nicht bei einer Versicherung abschließt. Solche Riester-Verträge sind ins Gerede gekommen: zu teuer und zu geringe Renten, bemängeln Kritiker.

Auch uns erreichen täglich sorgenvolle Fragen von Verbrauchern, die um ihr Erspartes fürchten. Viele Kunden stellen anhand der jährlich erstellten Standmitteilungen fest, dass ihr Kapital nicht wächst, sondern allenfalls stagniert.

  • Beispiel 1: Seit neun Jahren läuft der Vertrag von Frau B. bei der Ergo. Eingezahlt hat sie 13.147,92 Euro, der mitgeteilte Stand ist aber 11.906,39 Euro. Um irgendwann einmal ins Plus zu kommen, müsste der Versicherer Frau B. ab sofort jedes Jahr eine Rendite von 4 Prozent gutschreiben.

  • Beispiel 2: Eine Kundin mit einem Riester-Vertrag der Allianz seit 2001 traut ihren Augen nicht, als sie ihre Information zur Wertentwicklung studiert: „Erhaltene Zulagen + 154,00 Euro“ heißt es da, und – einige Zeilen später – „einbehaltene Verwaltungskosten – 154,48 Euro.“

  • Beispiel 3: Ein Kunde der Victoria rechnet nach: Im Jahr 10 seines Riester-Vertrages muss er 338,66 Euro für Abschluss- und Vertriebskosten sowie für die Verwaltung zahlen.

Viele Kunden ziehen nach solchen Erfahrungen die Notbremse, kündigen ihren Vertrag und wollen von „Riester“ nichts mehr wissen. Doch Riestern lohnt sich – wenn man es richtig macht. Konkret sollten Sie ...

  • Versicherer vermeiden!
  • Auf alle Kosten achten!
  • Unabhängigen Rat einholen!

Wo soll ich meinen Riester-Vertrag abschließen?

Wie gesagt, von den Rentenversicherungen halten wir nicht viel – wegen der meist sehr hohen Kosten. Ein Fondssparplan dagegen ist nur sinnvoll für Sparer, die an eine höhere Rendite­chance bei Aktien glauben und zugleich auch bereit sind, das damit verbundene höhere Risiko einzugehen.

Wir favorisieren eigentlich die Sparpläne von Banken oder Sparkassen, damit machen Sie nichts falsch. Aber: Überregionale Sparpläne werden zurzeit kaum noch angeboten. Einige Kreditinstitute prüfen, ob sie regional begrenzte Sparpläne im Laufe des Jahres wieder in ihr Angebot aufnehmen werden. Warten Sie also ab oder halten Sie nach einer Alternative Ausschau. Vielleicht passt zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation auch ein Fondssparplan.

Sie können übrigens später noch auf ein anderes Sparprodukt umsteigen. Wenn Sie Ihren Riester-Vertrag wechseln möchten, sollten Sie aber nicht überstürzt kündigen, sondern sich vorab genau über die möglichen Alternativen informieren.

So schließen Sie einen Sparplan ab

Einfach bei Bank oder Sparkasse anrufen und Antrag schicken lassen, Antrag ausfüllen und abschicken. Ihre Sparrate fließt jeden Monat automatisch von Ihrem Girokonto an das Geldinstitut.

Am Anfang des nächsten Jahres erhalten Sie einen Antrag auf die staatlichen Zulagen. Wenn Sie den Dauerzulagen­antrag stellen, kümmert sich Ihr Anbieter Jahr für Jahr um alles Weitere. Wichtig ist aber, dass Sie ihn über Gehaltserhöhungen oder Nachwuchs informieren, um die volle Zulage zu erhalten.

Unser Angebot

Unsere unabhängigen Finanzexperten beraten Sie unter anderem zur Riester-Rente – zum Beispiel, wenn Sie lieber einen Fondssparplan abschließen oder von einer teuren Rentenversicherung auf einen besseren Sparplan umsteigen möchten.

Ratgeber