Geringere Krankenkassenbeiträge für kleine Selbstständige

Selbstständige, die wenig Gewinn machen, können aufatmen: Seit Jahresbeginn können sie sich ab 162 Euro monatlich krankenversichern. Bisher wurde mehr als die doppelte Summe fällig.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Selbstständige mit geringem Einkommen mussten bisher sehr hohe Beiträge für ihre gesetzliche Krankenversicherung bezahlen.
  2. Seit 2019 ist das anders. Die sogenannte Mindestbeitragsbemessungsgrundlage wurde deutlich gesenkt. Ein wichtiger Schritt, die Versicherungspflicht für alle auch individuell zu ermöglichen.
  3. Nur wer weniger als 1.000 Euro im Monat verdient, muss proportional noch zu viel seines Einkommen für den Versicherungsschutz ausgeben.
Stand: 24.06.2019

Gerade für Kleinunternehmer ist der Beitrag zur Krankenversicherung oft ein hoher Kostenfaktor. Selbstständige, die wenig verdienen, müssen seit 2019 aber deutlich geringere Versicherungsbeiträge zahlen. Das Einkommen, das zur Berechnung des Krankenversicherungsbeitrags für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung zugrunde gelegt wird – die sogenannte Mindestbeitragsbemessungsgrundlage – wurde drastisch von 2.283,75 Euro auf 1.038,33 Euro pro Monat gesenkt (§ 240 Abs. 4 SGB V).

Der Krankenkassenbeitrag, den Selbstständige mit geringen Einnahmen mindestens zahlen müssen, verringert sich damit auf monatlich rund 162 Euro (bei einem Zusatzbeitrag von 1 Prozent und mit Krankengeldanspruch).

Der Versicherungsschutz für viele Kleinunternehmer orientiert sich endlich an ihren tatsächlichen Einnahmen und wird so bezahlbar – eine große Gerechtigkeitslücke wurde geschlossen. Ebenfalls positiv: Es entfällt die Bedürftigkeitsprüfung, die diejenigen durchlaufen mussten, deren Einkommen unterhalb der alten, mehr als doppelt so hohen Mindestgrenze liegt.

Aber: Trotz der Verbesserung gibt es weiterhin Geringverdiener unter den Selbstständigen, die auch die neue Einkommensgrenze von zurzeit monatlich 1.038,33 Euro nicht erreichen und proportional zu viel von ihrem Einkommen an die Krankenkasse zahlen müssen.

Hohe Beiträge trotz geringer Einnahmen

Die Höhe des Beitrags zur Krankenversicherung für Selbstständige wurde bis Ende 2018 nach einem unterstellten Mindesteinkommen berechnet, das viele der Betroffenen gar nicht erwirtschafteten – nämlich mindestens 2.283,75 Euro. Mit einem angenommenem Zusatzbeitrag von 1 Prozent mussten die Kleinunternehmer 356,27 Euro pro Monat (mit Krankengeldanspruch) zahlen. Oben drauf kam noch der Beitrag für die Pflegeversicherung.

Für viele Selbstständige, die nur kleine Gewinne erwirtschaften, waren die 350 Euro kaum zu stemmen. Nicht wenige haben bei ihrer Versicherungsgesellschaft Beitragsrückstände angehäuft und damit auch den vollen Leistungsanspruch verloren. Zusätzlich zum Schuldenberg war der normale Arztbesuch dadurch nicht mehr abgesichert. Zwar ließen sich geringere Einkünfte geltend machen, doch hierfür musste man eine Bedürftigkeitsprüfung durchlaufen, wie sie sonst nur beim Bezug von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II (Hartz-IV) üblich ist.

Mehr Selbstständige mit Versicherungsschutz

Es wird sich zeigen, ob Selbstständige fortan besser krankenversichert sind. Denn trotz gesetzlich normierter Krankenversicherungspflicht sind gerade viele Kleinunternehmer immer noch ohne Krankenversicherung.

Wir hoffen, dass der Versicherungsschutz zu angemessenen Beiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung Kleinunternehmer davor bewahrt, in eine teure Falle zu geraten: die private Krankenversicherung. Sie lockte mit – vermeintlich – niedrigeren Beiträgen, die später teuer bezahlt werden mussten. Da es in der privaten Krankenversicherung keine Familienversicherung gibt, müssen für den Ehepartner und für jedes Kind eine eigene Versicherung abgeschlossen und bezahlt werden. Zudem steigen die Beiträge oft sprunghaft an. Häufig sind die Leistungen in den günstigen Tarifen der privaten Krankenversicherung schlechter in als in der gesetzlichen, manche Therapien werden gar nicht bezahlt. Und ein Wechsel zurück ist nur unter Bedingungen möglich, die die wenigsten Selbstständigen erfüllen.

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