Patientenverfügung online erstellen?

Kostenpflichtige Online-Patientenverfügungen versprechen eine schnelle, professionelle Erstellung individuell passender Unterlagen. Wir haben das Angebot unter die Lupe genommen. Unser Fazit: Teurer ist nicht immer besser.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Wir haben elf kostenpflichtige Online-Angebote zu Patientenverfügungen untersucht. Die Texte der meisten Online-Verfügungen stimmen mit kostenlos erhältlichen Textbausteinen des Bundesjustizministeriums überein.
  2. Bei einigen Angeboten gibt es wortreiche Erweiterungen gängiger Vorlagen – diese können sogar nachteilig sein, weil sie oft zusätzliche Fragen aufwerfen.
  3. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps und wichtige Hinweise zum Verfassen von Vorsorge-, Betreuungs- und Patientenverfügung – im persönlichen Beratungsgespräch oder bei regelmäßigen Vorträgen.
Stand: 19.06.2018

Die Anzahl der Patientenverfügungen in Deutschland ist in den letzten Jahren zwar deutlich gestiegen, viele Menschen besitzen aber dennoch keine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Sie haben Scheu, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, und vielfach Angst, beim Abfassen der Verfügungen etwas falsch zu machen. Kostenpflichtige Online-Angebote scheinen die optimale Lösung für das „Problem“ zu sein – einfach zu handhaben, schnell und jederzeit nutzbar. Wir haben den Markt unter die Lupe genommen.

Eine gute Patientenverfügung bringt den Patientenwillen zum Ausdruck. Die betroffene Person legt darin fest, was sie in bestimmten Lebens- und Behandlungssituationen will und was nicht. Kostenpflichtige Online-Angebote versprechen eine rechtswirksame Festlegung der eigenen Wünsche. Allerdings gibt es keinen Grund für die Annahme, die Formulierungen in einer Online-Patientenverfügung seien besser als gängige Vordrucke, die Sie von Ministerien erhalten, aus dem Internet kostenfrei zum Ausfüllen herunterladen oder im Buchhandel kaufen können. 

Online-Patientenverfügungen im Check

Die Preise für Online-Verfügungen variieren erheblich. Sie liegen zwischen 10 und 140 Euro. Die Bandbreite der Angebote reicht vom einfachen Download der Formulare bis hin zum persönlichen Kontakt mit Experten. Doch nicht immer erhalten Sie für Ihr Geld die Dokumente, die Sie eigentlich brauchen. Unsere Kritikpunkte:

  • Mit kostenlosen Textbausteinen: Bei der Überprüfung von elf kostenpflichtigen Online-Angeboten stellten wir fest, dass die meisten Patientenverfügungen mit den kostenlos erhältlichen Textbausteinen des Bundesjustizministeriums übereinstimmten.
  • Optimierte Verfügungen oft schlechter: Manche Anbieter versprechen eine Optimierung erprobter Patientenverfügungsmuster. Schlimmstenfalls können wortreiche Erweiterungen gängiger Formulierungen jedoch sogar Zweifel aufwerfen, wenn diese als Unsicherheit des Verfassers interpretiert werden. Dann ist das Geld für solch eine vermeintliche Optimalversion schlecht investiert.
  • Verunsichernde Werbetexte: Stil und Inhalt zahlreicher Werbetexte, mit denen die Online-Verfügungen vermarktet werden, sind bedenklich. Häufig wird suggeriert, ohne die beworbene Patientenverfügung der Medizin hilflos ausgesetzt zu sein. Aussagen wie „9 von 10 Patientenverfügungen versagen, weil sie nicht passen“ oder „Ohne eine rechtswirksame Patientenverfügung … sind Sie dann der modernen Apparatemedizin hilflos ausgeliefert“ verunsichern. Dabei ist gerade ein kühler Kopf bei der Erstellung einer Patientenverfügung die beste Garantie für eine nachvollziehbare Bekundung des eigenen Willens.

Gut zu wissen

Manchmal ist von einer begrenzten Gültigkeitsdauer der Dokumente, zum Beispiel von 5 Jahren, die Rede. Das stimmt nicht. Die Patientenverfügung gilt solange, bis sie widerrufen oder eine neue erstellt wird. Trotzdem sollten Sie Ihre Patientenverfügung hin und wieder prüfen, denn die persönlichen Einstellungen können sich im Laufe des Lebens ändern.

Zudem müssen die Ärzte in einer konkreten Situation prüfen, ob die vorliegende Patientenverfügung dem aktuellen Patientenwillen entspricht. Eine mit Unterschrift regelmäßig aktualisierte Patientenverfügung lässt hierbei weniger Zweifel aufkommen.

Pressemitteilung und Verbraucherinformation wurden im bundesweiten Projekt „Wirtschaftlicher Verbraucherschutz“ erarbeitet, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

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