Regional: Versteckspiel oder Einkaufshilfe?

„Das Beste von hier“ oder „Gutes aus der Heimat“ – Regionale Lebensmittel werden immer beliebter, doch die Werbung dafür ist oft unspezifisch und manchmal sogar irreführend. Wir haben das Angebot genauer unter die Lupe genommen.

Schild: aus der Region

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das blau-weiße Regionalfenster bietet eine gute Orientierung beim Einkauf von Lebensmitteln und beinhaltet konkrete Angaben über die regionale Herkunft und den Ort der Verarbeitung.
  2. Aber Vorsicht, in mancher Hinsicht  ist Regionalwerbung auch irreführend.
  3. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus, um ein transparentes Einkaufen zu ermöglichen.
Stand: 24.05.2018

Regionalität ist für viele Verbraucher ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf von Lebensmitteln, doch Begriffe wie „regional“ oder „aus der Region“ sind rechtlich nicht geschützt. Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen bei Eiern, Milch- und Fleischprodukten sowie Obst und Gemüse hat gezeigt, dass Werbung mit regionalem Bezug oft unspezifisch ist oder sogar irreführend. Bundesweit haben wir stichprobenartig 121 Produkte von Supermärkten, Discountern und Bioläden unter die Lupe genommen, davon 63 mit dem sogenannten Regionalfenster und 58 mit anderer Regionalwerbung.

Genau hinschauen beim Regionalfenster

Das blau-weiße Regionalfenster auf der Verpackung ist freiwillig und bietet nach unserer Einschätzung eine gute Orientierung beim Einkauf. Es gibt Auskunft über die Region, den Ort der Verarbeitung, den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten sowie die Kontrollstelle. Ein genauer Blick aufs Etikett ist dennoch geboten, denn Produkte mit Regionalfenster können deutschlandweit vermarktet werden.

Teilweise sind mehrere Bundesländer, beispielsweise Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu einer Region zusammengefasst. Doch solche Großregionen entsprechen nicht dem, was sich Verbraucher unter Regionalität vorstellen. Die Transportwege sind weit und die Orte der Produktion und des Verpackens sind oft viele Kilometer voneinander entfernt.

Insbesondere bei Mischprodukten, wie zum Beispiel Wurstwaren, schwankt der Anteil regionaler Zutaten stark. So bestand die Stichprobe bei Sülzfleischwurst nur gut zur Hälfte aus regionalen Zutaten, bei Bratwurst hingegen lag deren Anteil bei 94 Prozent.

Gut zu wissen

„Das Beste von hier“, „Gutes aus der Heimat“ oder „nah“ sind typische Formulierungen für Regionalwerbung auf Produkten, Flyern oder am Regal. Solche Hinweise sind unspezifisch und häufig nicht nachvollziehbar. Hinter den schönen Worten verbergen sich teilweise erhebliche Entfernungen und meist eine unklare Herkunft der Rohstoffe.

Ob die Zutaten aus der Region kommen oder das Produkt lediglich in der Region verarbeitet wurde und wie die Region genau definiert ist, bleibt bei dieser Art von Regionalwerbung meistens unklar. Manchmal ist nur der Firmensitz oder die Rezeptur regional, während die Zutaten deutlich weiter reisen mussten. Das ist für Kunden irreführend.

Werbung mit dem Regional-Bonus

Die Stichprobe zeigte beispielsweise: Gemüse wird mit „Gutes aus der Region – von Thüringen bis Sachsen bei uns gewachsen“ beworben. Dass die Tomaten aber stolze 451 km von Alperstedt in Thüringen bis zum Supermarkt in Saarbrücken zurückgelegt haben, ist für Verbraucher nicht offensichtlich. Obst und Gemüse wurde zudem als „regional“ beworben, obwohl nur die verpflichtende Herkunftsangabe „Deutschland“ zu finden war. Außerdem fanden wir Wurst mit der Angabe „aus maximal 30 Kilometer Umkreis“, die aber in einem 130 Kilometer entfernten Fleischwerk hergestellt wurde – aus Rohstoffen, deren Herkunft unbekannt blieb.

Herkunftsschwindel bei Obst und Gemüse

Vor allem beim Obst und Gemüse sind falsche Herkunftskennzeichnungen leider immer noch gang und gäbe in Supermärkten. Obwohl laut Lebensmittelrecht verboten, gilt es bei den Händlern als Kavaliersdelikt, das ohnehin niemand ahndet. Besonders beliebt: Obst und Gemüse, das vermeintlich aus Deutschland kommt, tatsächlich aber viel weiter gereist ist. Das zeigt auch ein Marktcheck, den wir im Mai 2018 gemacht haben.

Weißkohl kommt da nicht aus Deutschland wie es auf dem Schild steht, sondern aus Portugal. Äpfel wurden in den Niederlanden geerntet statt in Deutschland. Und Galia-Melonen stammen aus Honduras und nicht aus Spanien. Manchmal wird gar nicht klar, aus welchem Land die Ware überhaupt kommt.

Wissenstest zu regionalen Produkten

Wie fit sind Sie in Sachen Regionalkennzeichnung? Testen Sie Ihr Wissen.  Klicken Sie zwei Karten an. Gehören Sie zusammen, stellen Sie sich schräg und bleiben aufgedeckt. Passen sie nicht zueinander, dürfen Sie's erneut probieren – bis das gesamte Spielfeld aufgedeckt ist. Sollte die Schrift zu klein sein, können Sie die Karten mit der Zoom-Funktion vergrößern.

Sie können das Spiel direkt online in Ihrem Browser spielen auf: regional-spiel.de

Unsere Forderungen

Aus Sicht der Verbraucherzentralen reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht aus, um einen transparenten Einkauf regionaler Produkte zu ermöglichen und Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen. Anbieter und Lebensmittelhandel müssen falsche, nicht überprüfbare und unklare Regionalangaben ohne nachvollziehbare Kriterien unterlassen.

Bessere gesetzliche Vorgaben, neutrale Kontrollen und Sanktionen sind erforderlich, um der unseriösen Werbeflut einen Riegel vorzuschieben. Ein erster Schritt wäre es, wenn Werbung mit Regionalität nur den Produkten vorbehalten bliebe, die auch mittels Regionalfenster klar über Region, Herkunft der Zutaten und Verarbeitungsort informieren.

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