Ist das noch gut oder muss es weg?

11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. Ein Grund: der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbar­keits­datum. Doch wann wird es kritisch, welche Lebensmittel müssen wirklich weg. Unsere neue Checkliste hilft bei der Lebensmittelrettung.

Frau mit langen Haaren steht vor einem offenen Kühlschrank

Das Wichtigste in Kürze

  1. In Deutschland landen viele Lebensmittel im Müll, teilweise auch durch einen falschen Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Auch Obst und Gemüse werden häufig zu früh weggeworfen.
  2. Wir geben konkrete Tipps, wie Sie mit Ihren Sinnen (schmecken, riechen, sehen) prüfen können, ob ein Lebensmittel noch gut ist.
  3. Produkte mit fast abgelaufenem Mindest­haltbarkeits­datum werden in Supermärkten oft gesondert gekennzeichnet aber zuweilen auch schlecht präsentiert.
Stand: 21.03.2018

11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen Jahr für Jahr in deutschen Mülltonnen – weggeworfen von Privatpersonen, Großverbrauchern wie Gaststätten oder Kantinen, dem Handel oder der Industrie. Eine angemessene Wertschätzung von Lebensmitteln sieht anders aus. Jeder Bundesbürger wirft rein statistisch rund 80 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg, zum Teil noch in der Originalverpackung. Eine Ursache ist der falsche Umgang vieler Menschen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD).

Lebensmittel nicht immer sofort wegwerfen

Sind Sie auch manchmal unsicher, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist, obwohl das MHD („mindestens haltbar bis ...“) schon erreicht oder überschritten ist? 
Vieles ist länger haltbar. Wir helfen Ihnen dabei, Lebensmittel zu retten, die sonst im Abfalleimer landen würden.

Prüfen Sie das Lebensmittel mit allen Sinnen. Hat es sich verfärbt, hat sich Schimmel gebildet, riecht es komisch, hat eine Gasbildung stattgefunden: Dann seien Sie besonders achtsam und werfen es im Zweifelsfall lieber weg.

Unsere Checkliste

Wir haben für Sie in einer übersichtlichen Checkliste zusammengefasst, wie Sie Lebensmittel prüfen können, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist.

Ihre Sinne (riechen, schmecken, sehen) helfen Ihnen dabei zu entscheiden, ob ein Lebensmittel tatsächlich verdorben oder noch problemlos genießbar ist. Wir empfehlen: Testen statt gleich wegwerfen!

Das PDF-Dokument ist für die Darstellung auf dem Bildschirm optimiert. Wenn Sie eine handliche Liste benötigen, so empfehlen wir die gedruckte Variante – erhältlich als praktischer Falz-Flyer zum Ausklappen in unserem Online-Shop.

Achtung, für das Verbrauchsdatum („verbrauchen bis ...“), z.B. auf Hackfleisch, gelten andere Regeln, die eingehalten werden müssen. Es besteht die Gefahr, dass sich bei diesen empfindlichen Lebensmitteln Keime und Bakterien entwickeln und vermehren. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollten Sie Lebensmittel daher entsorgen.

Lebensmittel teilen oder abgeben

  • Wer zu viele Lebensmittel eingekauft hat, kann sie über die Plattform www.foodsharing.de mit anderen teilen statt in den Mülleimer zu werfen. Übrig gebliebene Lebensmittel von einer Party oder bevor man in den Urlaub fährt, können per PC oder Smartphone auf der Online-Tauschbörse angeboten werden. Die Anmeldung dafür ist denkbar einfach, man braucht lediglich eine E-Mail-Adresse. Die Seite ist kostenlos zugänglich.
  • Nach Feierabend können Sie mit der Too Good To Go-App noch weitere Lebensmittel retten. Einige Restaurants und Bäckereien bieten vor Ladenschluss übrig gebliebene Lebensmittel preiswerter an, die sonst vernichtet werden müssten. 
  • Unser Ratgeber „Kreative Resteküche“ hilft Ihnen dabei, Reste vom Vortag einfallsreich zu verwerten. Vom Rest zum Rezept lautet die Devise. Im Buch finden Sie viele leckere Rezepte mit Angabe der benötigten Reste. 
  • Mehr Informationen finden Sie auch auf der bundesweiten Internetseite www.zugutfuerdietonne.de

Möchten Sie mehr Lebensmittel retten? Dann sollte in Ihrer Küche unser Plakat „Das ABC der Lebensmittelrettung“ nicht fehlen.

Wenn ohne MHD, dann mit Herstellungsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum war einst eine wichtige Errungenschaft für den Verbraucherschutz: Überalterte Ware verschwand endlich aus den Supermarktregalen. Doch jetzt steht es wieder in der Diskussion, denn für länger haltbare Ware wie Tee, Reis, Nudeln oder Gewürze soll es abgeschafft werden. Zu viele Verbraucher verwechseln es mit einem „Verfallsdatum“ und entsorgen abgelaufene Lebensmittel, die trotzdem noch lange haltbar wären.

Doch ganz ohne Datum dürfen Lebensmittel auch nicht sein, denn es besteht die Gefahr, dass die alte „Ladenhüterzeit“ wieder anbricht – samt überlagerten geschmacklosen Gewürzen oder Nudeln mit Schädlingsbefall in den Supermarktregalen. Die Forderung der Verbraucherzentralen: Entfällt das Mindesthaltbarkeitsdatum, muss zumindest das Produktions- oder Herstellungsdatum auf der Verpackung stehen!

Übrigens: Norwegische Molkereien schreiben nun auf ihre Produkte „mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach“. Diese Kennzeichnung macht besser deutlich, dass Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum nicht gleich weggeworfen werden müssen.

Den Handel in die Pflicht nehmen

Weggeworfene Lebensmittel kosten die Welt wertvolle Ressourcen. Umso wichtiger sind auch in Supermärkten Aktionen gegen die Lebensmittelverschwendung. Eine gute Präsentation und deutliche Kennzeichnung von Produkten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald ausläuft, sind wirksame Maßnahmen. Verbraucher, die wenig Geld ausgeben möchten oder mittags nach Lebensmitteln suchen, die sie abends schon zubereiten wollen, werden auf diese Angebote gern zurückgreifen. 

Wir haben zweimal untersucht, wie gut das Angebot an Lebens­mitteln mit fast abgelaufenem Mindest­­haltbar­keits­datum in verschiedenen Super­märkten ist. Unser Fazit: Der Handel bietet Verbrauchern noch zu wenige Anreize, Produkte mit fast abgelaufenem Mindest­haltbarkeits­datum zu kaufen. Doch wir meinen, nicht nur Verbraucher auch die Händler sollten einen aktiven Beitrag zur Einschränkung der Wegwerf­mentalität leisten und die Verkaufsmaßnahmen für Produkte mit fast abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum genauso verkaufsfördernd gestalten wie für andere Waren.

Marktchecks zu abgelaufenen Lebensmitteln im Supermarkt

Wie die Warenpräsentation in den Supermärkten aussah, zeigen unsere exemplarischen Fotos.

Im Jahr 2014 haben wir die Supermärkte erneut aufgesucht und die Situation mit der im Jahr 2012 verglichen. Im Jahr 2012 gab es nur in zwei von elf besuchten Geschäften effektive Maßnahmen zum Abverkauf von Lebensmitteln mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum. Bei neun Supermärkten war vieles verbesserungswürdig. Beim erneuten Besuch der Supermärkte 2014 wurden Veränderungen sichtbar.

Unser Rat

Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht gleichzusetzen mit schlecht oder gesundheitsschädlich. Viele Lebensmittel können selbst dann noch wochen- oder sogar monatelang gegessen werden, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Wer seinen eigenen Sinnen vertraut, ist meistens gut beraten und muss keine Angst vor Lebensmittelinfektionen oder Gesundheitsgefahren haben.

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