Wie gefährlich sind Nahrungsergänzungsmittel?

Jedes Jahr geben die Deutschen eine Menge Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Doch in ihrer Werbung versprechen die Hersteller oft mehr als wissenschaftlich bewiesen ist und manchmal finden sich auch verbotene Substanzen in den Mitteln. Bei behördlichen Kontrollen wurden nun fast 800 nicht verkehrsfähige Produkte identifiziert.

Ältere Frau fasst sich an ihre Schulter

Das Wichtigste in Kürze

  • Verbraucher ärgern sich bei Nahrungsergänzungsmitteln besonders über die vollmundigen Werbeversprechen.
  • Vor allem Anbieter, die ihre Produkte in Online-Shops oder im Direktvertrieb verkaufen, versprechen viel und halten wenig. Manche Nahrungsergänzungen sind sogar mit verbotenen Substanzen angereichert. 
  • Bei aktuellen Kontrollen der Behörden wurden EU-weit fast 800 nicht verkehrsfähige Produkte identifiziert. 
  • Die Verbraucherzentralen fordern umfangreiche Maßnahmen, um Verbraucher besser vor Gesundheitsgefahren und Täuschung zu schützen.
Stand: 19.03.2018

Hauptärgernis für viele Verbraucher bei Nahrungsergänzungsmitteln sind vollmundige Werbeversprechen, insbesondere bei Produkten, die in Online-Shops oder im Direktvertrieb angeboten werden. Denn entgegen übertriebener Behauptungen wie „verschafft massive Muskelzunahme“, „Schönheit von innen“ oder „Gelenkbeschwerden lösen sich auf“ können die Produkte keine Wunder bewirken. Anders als Arzneimittel dienen Nahrungsergänzungsmittel auch nicht der Vorbeugung oder Behandlung von Erkrankungen. 

Dennoch bewerben die Hersteller ihre Nahrungsergänzungen teils mit unzulässigen Gesundheitsversprechen oder reichern sie gar mit verbotenen Substanzen an. Die Brisanz des Problems macht nun erneut eine europaweite amtliche Kontrollaktion deutlich. Die Behörden fanden fast 800 nicht verkehrsfähige Angebote bei 1.100 geprüften Internetseiten.

Heilende Wirkungen nicht belegt

Verbraucher erwarten aufgrund der Werbung und Aufmachung vieler Nahrungsergänzungsmittel, dass diese Produkte krankheitslindernde oder -heilende Wirkungen bieten. Dabei sollen sie lediglich eine unzureichende Versorgung mit Nährstoffen ausgleichen. Besonders bei Nahrungsergänzungen, die bei  Gelenk- oder Muskelbeschwerden angeboten werden, versprechen die Hersteller oft mehr als wissenschaftlich belegt werden kann.

 

Wie brisant das Thema ist, zeigen die veröffentlichten Warnungen und Untersuchungen der Verbraucherzentralen zu riskanten Mitteln mit gefährlichen und zum Teil illegalen Zutaten wie Schlankheitskapseln mit Sibutramin oder zu unseriösen Vertriebswegen wie Abo-Fallen.

Direktvertrieb und Internethandel besonders problematisch

Werden Nahrungsergänzungen im Direktvertrieb – oft von Freunden, Verwandten und Bekannten zuhause – angeboten, ist es besonders schwer, rationale unbeeinflusste Überlegungen zur Notwendigkeit derartiger Produkte anzustellen. Mündliche Werbeaussagen und Empfehlungen der selbstständigen Verkäufer, bei denen es sich oftmals um Laien handelt, sind von den zuständigen Behörden kaum überprüfbar.

Auch die Wahrscheinlichkeit Nahrungsergänzungsmittel im Internet zu finden, die bedenklich sind, ist sehr hoch. Bei einer europaweit koordinierten amtlichen Kontrolle von Lebensmittelangeboten überprüften die Behörden im September 2017 fast 1.100 Webseiten und ermittelten insgesamt 779 Produktangebote, die nicht verkehrsfähig waren. Davon betrafen 428 nicht zugelassene neuartige Lebensmittel wie beispielsweise den angeblichen Appetithemmer Hoodia und 351 Nahrungsergänzungsmittel mit unzulässigen Gesundheitsversprechen zu Knochen und Gelenken.

Unsere Forderungen

Verbraucher haben ein Recht auf sichere Lebensmittel. Um sie bezüglich Nahrungsergänzungsmitteln besser vor Gesundheitsgefahren und Täuschung zu schützen, fordern die Verbraucherzentralen über verstärkte amtliche Kontrollen hinaus

  • Nahrungsergänzungsmittel vor dem ersten Inverkehrbringen auf ihre Sicherheit, die Kennzeichnung und die Werbeaussagen zu überprüfen.
  • ein öffentlich zugängliches Verzeichnis aller zugelassenen Nahrungsergänzungsmittel.
  • die Einrichtung einer Meldestelle für unerwartete (Neben-) Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Höchstmengenregelungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie
  • eine Positivliste für „sonstige Stoffe“ wie Pflanzenzubereitungen (Botanicals) in Nahrungsergänzungsmitteln.

Das Portal klartext-nahrungsergänzung.de wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

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