Grünländer und Patros von Hochland – was für ein Käse!

Die Käsemarken „Grünländer“ und „Patros“ – beide von Hochland – sind unsere Mogelpackung des Monats April. Es ist nicht das erste Mal, dass der Käseriese seine Kunden über den Tisch ziehen will. Hochland präsentiert in einer Stellungnahme nur Ausreden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei zwölf Käsesorten der Marke Grünländer spart der Hersteller Hochland jetzt zwischen 10 und 15 Gramm Inhalt pro Packung.
  • Die versteckte Preiserhöhung ist schwer zu erkennen, weil Packungsgrößen und Verpackungsdesign unverändert blieben.
  • Auch bei ein Produkt der Hochland-Marke Patros wurde versteckt der Preis erhöht; Hochland ist „Wiederholungstäter“.
Stand: 07.04.2017

Bei den beiden Käsemarken Grünländer und Patros des Unternehmens Hochland SE aus Bayern wurde gleich bei mehreren Produkten die Füllmenge reduziert. Da der Preis im Handel identisch bleibt, kommt es dadurch zu versteckten Preiserhöhungen von bis zu 11 Prozent.

Füllmengenreduzierungen im gesamten Grünländer-Sortiment

Hochland hat bei zwölf unterschiedlichen Käsesorten der Marke Grünländer die Füllmenge reduziert. Je nach Ausgangsgewicht von 175 auf 160 Gramm oder von 150 auf 140 Gramm sowie von 130 auf 120 Gramm. 

Füllmengenreduzierungen im Überblick
Sorte Grünländer Alte Füllmenge Neue Füllmenge Versteckte
Preiserhöhung in %
Mild&Nussig 175 g 160 g 9,4 %
Leicht 175 g 160 g 9,4 %
Feine Käseplatte 130 g 120 g 8,3 %
Käse-Duo 130 g 120 g 8,3 %
Grünländer Würfel 130 g 120 g 8,3 %
Würzig 150 g 140 g 7,1 %
Cremig 150 g 140 g 7,1 %
Chili&Paprika 150 g 140 g 7,1 %
Bärlauch 150 g 140 g 7,1 %
Räucher 150 g 140 g 7,1 %
Gartenkräuter 150 g 140 g 7,1 %
Bunter Pfeffer 150 g 140 g 7,1 %

Gleiche Masche bei Patros

Bei der Marke „Patros“, ebenfalls aus dem Portfolio der Hochland SE, schrumpft der Inhalte der Sorte „Der Mild-Würzige“ von 200 auf 180 Gramm. Unterm Strich bleibt so eine Preiserhöhung von 11,1 Prozent. Rein äußerlich lässt sich die Veränderung kaum erkennen. Mal abgesehen von der Mengenangabe bleibt das Verpackungsdesign praktisch unverändert. Hochland trickst nach unserer Auffassung mit System. Getreu nach dem Motto: Wird schon keiner merken...

Will Hochland seine Kunden gezielt austricksen?

Mogelpackung hin oder her, wir finden die Vorgehensweise von Hochland besonders dreist. Alte und neue Käsepackung sind identisch: gleiche Verpackungsgröße, gleiches Verpackungsdesign, gleiche Kennzeichnung, gleiche Anzahl von Scheiben (bei Grünländer 8) – obwohl hinsichtlich des Gewichtes eigentlich eine fehlt.

Stammkunden wird die Füllmengenreduzierung daher zunächst gar nicht auffallen, es sei denn sie kontrollieren das Kleingedruckte. Legt man die Käsescheiben beispielsweise beider Günländer-Packungen nebeneinander (Foto links), so ist erkennbar, dass der Stapel mit den Scheiben der alten Packung um wenige Millimeter höher ist. Das bedeutet: Die einzelne Käsescheibe ist einfach dünner geworden. Wir meinen, mit dieser Masche führt Hochland seine Kunden gezielt in die Irre.

Andere Firmen weisen wenigstens mit „Störern“ auf der Schauseite auf neue Verpackungsgrößen hin. Hochland hingegen will die Füllmengenreduzierung so gut wie möglich kaschieren, indem das Unternehmen praktisch alles an der Verpackung unverändert lässt.

Hochland ist "Wiederholungstäter"

Wir haben in unserer Mogelpackungsliste recherchiert und tatäschlich herausgefunden, dass die Firma bei der Marke Grünländer exakt die gleich Masche vor etwa vier Jahren schon einmal angewendet hat. So fiel die Füllmenge der Sorte „Mild&Nussig“ damals von 200 auf 175 Gramm, bei der Sorte „Bärlauch“ von 175 auf 150 Gramm sowie bei den „Käsewürfeln“ von 150 auf 130 Gramm. Übrigens stand damals noch die Füllmenge und die Anzahl der Scheiben groß auf der Schauseite!

Laut dem Informations- und Recherche-Portal „Das ist drin“ gab es die Sorte „Bärlauch“ 2011 sogar noch in einer 200-Gramm-Packung. Hochland hat seinen Kunden in den vergangenen sechs Jahren ungefähr jede dritte Käsescheibe „geklaut“ (-30 Prozent).

Hochland macht Erhöhung der Milchpreise verantwortlich

In einer Stellungnahme antwortet Hochland auf Anfrage der Verbraucherzentrale: „(…) Die Erhöhung des Milchpreises macht sich daher in unserer Produktion deutlich bemerkbar. (…)“. In der Tat sind die desaströsen Milchpreise gegenüber 2016 stark gestiegen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Schaut man sich im Vergleich die Milchpreise von 2011 an, lagen diese damals mit rund 35 Cent pro Liter sogar noch über den aktuellen Preisen.

Wir meinen: Milchbauern sollten einen fairen Preis für ihre Milch erhalten. Viele Verbraucher sehen das ebenso. Auch der Einsatz von gentechnikfreien Futtermitteln („ohne Gentechnik“) oder regionaler Milch für die Herstellung von Molkereiprodukten wird von vielen Menschen honoriert. Doch wenn wirklich höhere Qualität und bessere Bezahlung für die Landwirte ein Grund für die Preiserhöhung sind, wollen sie transparent darüber informiert und nicht klammheimlich ausgetrickst werden.

Hinweis: Wir haben die Firma Hochland nur zur Marke Grünländer befragt und nicht zu Patros. Diese Mogelpackung haben wir erst später entdeckt.

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