Karneval: Achtung, Schadstoffe in Kostümen und Schminke!
Glitzer, Farbe und Kostüme – zur Faschingszeit darf’s bunt werden. Leider gilt das manchmal auch für die Haut am nächsten Tag. Ausschlag, Juckreiz oder brennende Augen sind keine Seltenheit. Der Grund können Schadstoffe sein. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich oder Ihre Kinder verkleiden möchten.
Das Wichtigste in Kürze
- Kostüme, Masken und Schminke können Schadstoffe enthalten: Das kann Hautreizungen, Ausschlag oder Allergien verursachen.
- Vorsicht bei sehr günstigen oder schlecht gekennzeichneten Produkten: Fehlende Herstellerangaben oder unklare Herkunft sind Warnzeichen – problematische Ware gibt es in vielen Online-Shops.
- Haut schützen: Neue Kostüme vor dem Tragen waschen, Baumwollkleidung darunter anziehen und am besten zertifizierte Schminke auf Wasserbasis verwenden.
Auch wenn die närrischen Tage in Hamburg nicht ganz so närrisch sind wie etwa im Rheinland, so werden doch auch bei uns jede Menge Karnevalsartikel angeboten. Die meisten Utensilien sind billige Saisonware: Kunststoffmasken enthalten oft krebserregende Stoffe oder schädliche Weichmacher, die besonders für Kinder gefährlich werden können. Und in Kostümen verbergen sich in vielen Fällen problematische Farbstoffe.
Besonders bei sehr günstigen Angeboten ist Vorsicht geboten. Online-Marktplätze und Plattformen wie Shein, Amazon, Temu oder Otto Marketplace locken mit extrem niedrigen Preisen. Untersuchungen – etwa von Greenpeace – zeigen jedoch: In sehr günstiger Kleidung können Schadstoffe stecken, die in der EU eigentlich verboten sind. Oft bleibt außerdem unklar, ob die Produkte europäischen Sicherheitsanforderungen entsprechen.
Masken nicht lange tragen
Wer auf seine geliebte Kunststoffmaske nicht verzichten will, sollte diese vor der Nutzung einige Tage lang gut auslüften und zur Karnevalszeit so kurz wie möglich tragen. Nach dem Feiern ist es ratsam, sich gründlich die Hände und das Gesicht zu waschen. Stark nach Chemie riechende Karnevalsmasken lässt man besser ganz im Laden. Als Alternative zu Plastikmasken sehen wir Masken aus Pappe, Baumwolle und Gips oder Karnevalsschminke.
Karnevalskleidung vorher waschen
Für Karnevalskostüme ist das Waschen vor dem ersten Einsatz ein Muss. Tragen Sie auch nach dem Waschgang die Kostüme nicht direkt auf der Haut, da so die schädlichen Farbstoffe leichter in den Körper gelangen können. Ziehen Sie besser T-Shirts, Strumpfhosen oder Leggings unter dem Kostüm an. Auch bei Perücken sind Sie mit einer Mütze darunter gut beraten.
Entfernen Sie lange Schnüre und Kordeln der Kostüme – vor allem im Halsbereich – und ersetzen Sie diese durch Knöpfe oder Klettverschlüsse, um Verletzungen vorzubeugen. Gerade bei selbstgemachten Kinderkostümen sollten sämtliche Dekorationen fest angebracht sein.
Unser Tipp
Muss es denn immer ein brandneues und gekauftes Kostüm sein? Vielen Kindern – und auch Erwachsenen – ist das vollkommen egal. Wenn Sie der Umwelt etwas Gutes tun wollen, recyceln, basteln und tauschen Sie auch zur Faschingszeit. Da wird aus einem alten Männerhemd schnell ein OP-Kittel für einen kleinen Arzt oder eine kleine Ärztin und das klassische Betttuch kann eine Toga für Cäsar sein. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.
Sind Sie nicht so der Basteltyp, kaufen Sie Ihre und die Kostüme Ihrer Kinder doch einfach gebraucht oder tauschen Sie sie mit anderen Familien. Mehrfach gewaschene Stoffe enthalten kaum noch Schadstoffe, bei oft benutzten Masken und Perücken sind schädliche Stoffe bereits ausgedünstet.
Zertifizierte Schminke auf Wasserbasis bevorzugen
Schminke auf Wasserbasis (Aquafarben) lässt die Haut besser atmen und ist außerdem leichter zu entfernen als eine fettfarbenhaltige Bemalung. Bevor Sie die Schminke großflächig aufgetragen, sollten Sie die Verträglichkeit des Produkts unbedingt an einer kleinen Hautstelle testen. Schminke ohne Konservierungsstoffe, Farb- und Duftstoffe mindert das Risiko von Allergien.
Zertifizierte dekorative Kosmetik, die frei von Paraffinen, Silikonen, Polyethylenglykolen und vielen anderen synthetischen Inhaltsstoffen ist, erkennen Sie im Handel unter anderem am BDIH- oder dem Natrue-Siegel, das ein Frauengesicht im Profil zeigt. Menschen mit Allergien sollten auch bei Naturkosmetik vorsichtshalber auf Produkte mit Duftstoffen verzichten.
Untersuchungen zeigen, dass einzelne Billig- oder No-Name-Schminken problematische Stoffe wie PFAS („Ewigkeitschemikalien“) oder Schwermetalle enthalten können. Diese stehen im Verdacht, Umwelt und Gesundheit langfristig zu schädigen; sie können Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz oder Ekzeme auslösen. Mit Apps wie ToxFox vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) oder Codecheck lassen sich Inhaltsstoffe per Barcode prüfen.
Übrigens: Auch europäische Regelungen wie die REACH-Chemikalienverordnung und die Kosmetikverordnung sind unserer Auffassung nach lückenhaft. Ein „EU-Standard“ ist daher kein automatischer Garant für vollständige Schadstofffreiheit.
Krachmacher meiden
Eine völlig unterschätzte Gefahr können Tröten, Rasseln und vor allem Spielzeugpistolen sein. Der Lärm ist oft so ohrenbetäubend, dass er zu bleibenden Schäden am Gehör führen kann. Zumindest auf die Schreckschusspistole verzichten Sie besser.
Unser Rat
Karneval soll Spaß machen – nicht jucken. Ein kritischer Blick auf Material, Herkunft und Inhaltsstoffe schützt vor unangenehmen Überraschungen. Denn: Nicht jedes Schnäppchen ist ein guter Deal – schon gar nicht für Haut und Gesundheit.
Wählen Sie Ihr Kostüm und die dazugehörigen Utensilien mit Bedacht aus – auch wenn Sie nur wenige Stunden in der Verkleidung unterwegs sind. Gefährliche Produkte finden sich in vielen Online-Shops.