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Streaming, Social Media, KI & Co ‚Äď was bedeutet das f√ľr Klima und Umwelt?

Viele Bereiche unseres Lebens wurden zuletzt digitalisiert ‚Äď teils in einem rasanten Tempo. Manche erhofften sich dadurch auch einen Nutzen f√ľr die Umwelt. Doch ist dem wirklich so? Wir haben wichtige Informationen kompakt f√ľr Sie zusammengetragen. Mehr erfahren Sie in unserem kostenlosen Online-Vortrag zum Thema.

Streaming Dienst: Mann schaut auf Laptop

Das Wichtigste in K√ľrze

  1. Oft wird beim Thema Digitalisierung der positive Effekt auf die Umwelt hervorgehoben. Doch die Ger√§te, die dazugeh√∂rige Infrastruktur und der fortw√§hrende digitale Datenstrom haben auch negative Auswirkungen auf die Umwelt.
  2. Ein Problem: Die st√§ndige Weiterentwicklung von Produkten und Angeboten weckt in immer k√ľrzeren Abst√§nden neue Begehrlichkeiten. Das kostet Rohstoffe, verbraucht Energie und produziert Emissionen.
  3. Aktivit√§ten in der digitalen Welt sollten mit Bedacht stattfinden. Denn oft f√ľhrt ‚Äěmehr Komfort‚Äú zu einer √ľberm√§√üigen Mehrnutzung. Dann frisst das Wachstum den Effizienzgewinn, der eigentlich mit der Digitalisierung einhergeht.
Stand: 27.05.2024

Nachrichten zu jeder Zeit h√∂ren, sehen oder lesen und morgens nicht mehr am Zeitungskiosk stehen. Schnell E-Mails oder Kurznachrichten schreiben und keine Briefe oder Faxe schicken. Von jedem Ort der Welt Zugriff auf Fotos und andere Dokumente haben, ohne Alben zu w√§lzen oder Aktenordner aufzubewahren. Filme und Serien nach Belieben schauen und immer genau die Musik h√∂ren, die zur Stimmung passt, ohne an ein Programm gebunden zu sein.

In einer digitalisierten Welt ist vieles bequemer ‚Äď und auf den ersten Blick nicht mehr so stark an Dinge oder Gegenst√§nde gebunden. Doch um zu erkennen, welche Auswirkungen der Komfort auf unsere Umwelt hat und was unser Handeln ausl√∂st, braucht es einen gewissen √úberblick. Diesen versuchen wir in diesem Artikel zu geben. Weil die Zusammenh√§nge aber sehr komplex sind, k√∂nnen wir nur einen kleinen Ausschnitt darstellen ‚Äď quasi als Denkansto√ü.

Die Produktion: Handy, TV und Co

Ein wichtiger Knackpunkt liegt in der Produktion der Ger√§te. Egal ob Smartphone, Tablet oder Fernseher, es werden immer sehr viele Rohstoffe ben√∂tigt, um die technischen Helferlein herzustellen. Im Schnitt kommt laut Franz√∂sischer Agentur f√ľr Umwelt und Energiewirtschaft (ADEME) etwa das 50- bis 350-Fache des Gewichts eines Ger√§ts an Rohstoffen zum Einsatz. 

F√ľr einen zwei Kilogramm schweren Laptop sind es beispielsweise ungef√§hr 800 Kilogramm Rohstoffe, darunter Aluminium, seltene Erden und toxische Schwermetalle.

Viele der in technischen Ger√§ten verbauten Stoffe werden in Afrika, S√ľdamerika oder Asien abgebaut ‚Äď teilweise unter Einsatz von umwelt- und gesundheitssch√§dlichen Chemikalien und/oder mittels Kinderarbeit. Vor allem die sogenannten seltenen Erden sind sehr gefragt und nur schwer zu gewinnen.

Doch nicht nur der Abbau der Rohstoffe ist oft problematisch, auch die Produktion der Ger√§te selbst steht immer wieder in der Kritik. Hinzu kommt der weite Transport der fertigen Produkte aus Asien nach Deutschland, der zus√§tzlich Treibhausgase freisetzt. Laut ADEME sind bei einem Smartphone etwa 70 Prozent der Emissionen w√§hrend der gesamten Lebenszeit auf die Herstellung des Ger√§ts zur√ľckzuf√ľhren.

Wer sein Smartphone also l√§nger nutzt, spart viel klimasch√§dliches Kohlendioxid. Trotzdem ersetzen die Europ√§erinnen und Europ√§er ihr Smartphone nach nur etwa drei Jahren durch ein neues Ger√§t. W√§ren alle Handys nur ein Jahr l√§nger im Einsatz, k√∂nnte Europa laut einer Studie der Umweltorganisation European Environmental Bureau (EEB) zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid j√§hrlich einsparen.

So viele Jahre sollten neue Elektronikgeräte mindestens halten

Die technische Infrastruktur: Masten, Kabel und Serverfarmen

Damit wir unsere Smartphones, Smart-TVs und andere Ger√§te zu Hause verwenden und mit dem Internet verbinden k√∂nnen, braucht es eine immense Infrastruktur. Angefangen bei dem WLAN-Router zu Hause √ľber die Daten√ľbertragung mittels Glasfaserkabel, gro√üe Rechenzentren und Serverfarmen rund um die Welt bis hin zu Funkmasten f√ľr die mobile Nutzung des Internets und der Telefonie.

All das muss erbaut, betrieben oder auch erneuert werden. Vor allem der Betrieb von Serverfarmen, die Rechenleistungen f√ľr die Hintergrundprozesse bereitstellen, ist sehr energieintensiv. Der meiste Strom wird dabei nicht f√ľr die Rechenleistungen und den Betrieb der Server verwendet, sondern f√ľr die K√ľhlung der Ger√§te. Die Abw√§rme, die die Ger√§te produzieren, muss abgef√ľhrt werden, sonst nimmt die Technik Schaden.

Vor allem f√ľr die enormen Datenmengen, die Anwendungen mit K√ľnstlicher Intelligenz (KI) nutzen und erzeugen, sind immer gr√∂√üere Rechenzentren erforderlich. Deren Energiebedarf wird mit der Entwicklung st√§rkerer KIs und der damit einhergehenden wachsenden Datenmenge in Zukunft gr√∂√üer und gr√∂√üer. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der dringenden Notwendigkeit, Energie zu sparen, ist das ein Problem.

Gut zu wissen

Eine digitale Datei, wie zum Beispiel eine E-Mail, legt zwischen Sender und Empf√§nger im Durchschnitt rund 15.000 Kilometer zur√ľck und verursacht dadurch bis zu 10 Gramm CO2, das entspricht ungef√§hr den Emissionen einer Plastikt√ľte. Hochgerechnet auf den gesamten deutschen E-Mail-Verkehr im Jahr 2018 ergibt das mehr als 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Vorausgesetzt, jede Mail hatte nur einen Empf√§nger, denn steigt die Empf√§ngerzahl um den Faktor zehn, vervierfachen sich die Umweltauswirkungen.

Datenflut: Alles braucht Energie

Wir googeln, befragen ChatGPT, chatten, streamen Filme und Musik, sitzen in Videokonferenzen oder treffen uns zum Spielen im Netz. Jede Aktion im Internet verbraucht Energie. Und je mehr wir online unterwegs sind und je mehr Daten transferiert werden, desto rasanter steigt der Energiebedarf.

Die Berechnung des Stromverbrauchs der Informations- und Kommunikationsbranche h√§ngt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Berechnungsmethode fallen die Werte h√∂her oder niedriger aus ‚Äď mal sind es zwei, mal elf Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Laut Greenpeace ist das Internet nach China und den USA der drittgr√∂√üte Stromverbraucher und liegt mit 800 Millionen Tonnen CO2 wie Deutschland auf Platz 6 bei den Emissionen. Schon die Rechenzentren am gr√∂√üten Internetknoten der Welt in Frankfurt am Main verbrauchen so viel Strom wie eine Kleinstadt und mehr als der Frankfurter Flughafen. Weitere Beispiele:

  • 1 Suchanfrage = ca. 0,0003 Kilowattstunden (Jede Minute gehen etwa 4 Millionen Suchanfragen ein.)
  • 1 Tweet = ca. 0,63 Kilowattstunden (Jeden Tag werden rund 500 Millionen Tweets versendet.)
  • 1 Stunde Video-Streaming = ca. 0,25 Kilowattstunden

Was auf den ersten Blick nach kleinen Zahlen aussieht, summiert sich allein durch die gro√üe Anzahl an Nutzerinnen und Nutzern zu riesigen Daten- und Energiemengen. Und nicht immer wird gr√ľner Strom verwendet, um diese bereitzustellen. Ganz im Gegenteil ...

Rebound-Effekt: Effizienz sorgt f√ľr √ľberm√§√üiges Wachstum

Der Komfort, den digitale Angebote zweifellos bieten, hat leider noch weitere Schattenseiten. Auch wenn wir auf der einen Seite Ressourcen sparen, f√ľhrt der ‚Äěschnelle Klick‚Äú doch dazu, √ľberm√§√üig viele Mails zu schreiben, alles zu streamen, was im Angebot ist, rasch zu bestellen und noch viel rascher wieder zu retournieren. Dieser Anstieg der Netznutzung f√ľhrt zu erheblichen Folgeproblemen, wenn man an die vernichtete Retourware bei gro√üen Online-Anbietern denkt, an den zus√§tzlichen Transport- und Energieaufwand, vor allem f√ľr ‚ÄěPremium‚Äú-Dienste mit besonders rascher Zustellung und Abholung, an die exponentiell ansteigende Nutzung von Video-Daten.

Dann kommt es ‚Äď trotz zun√§chst positiver Umwelteffekte  ‚Äď zu einem dramatischen Anstieg der Umweltkosten durch √úbernutzung. Fachleute sprechen hier vom sogenannten Rebound-Effekt, oder Wachstum frisst den Effizienzgewinn. Auch aus diesem Grund ist eine sorgsame, abw√§gende und auf das Notwendige beschr√§nkte Nutzung der Digitalisierung beim Einkaufen, in der Freizeit und im Gesch√§ftsleben besonders wichtig!

Unsere Tipps

Wir haben ein paar Tipps f√ľr Sie zusammengestellt, mit denen Sie Ihr digitales Leben ein klein wenig umwelt- und klimafreundlicher machen k√∂nnen.

  • R√§umen Sie mal Ihre Daten auf dem PC oder im E-Mail-Postfach auf. L√∂schen Sie, was nicht mehr ben√∂tigt wird. Das spart Energie und macht den Rechner zus√§tzlich wieder schneller.
  • Schreiben Sie nicht wegen jeder Kleinigkeit eine E-Mail, sondern sammeln Sie Informationen. Verzichten Sie auf unn√∂tige oder zu gro√üen Anh√§nge.
  • Streamen Sie lieber √ľbers Festnetz als √ľber die mobilen Daten Ihres Smartphones.
  • Nutzen Sie Ihre elektronischen Ger√§te m√∂glichst lange. Kaufen Sie auch mal ein gebrauchtes Smartphone.
  • Bringen Sie Ihre Altger√§te zur Sammlung, zum Recycling oder verkaufen Sie sie auf dem Zweitmarkt. Liegen sie nur zu Hause herum, k√∂nnen die wertvollen Inhaltsstoffe nicht mehr genutzt werden.
  • Geht mal etwas kaputt, versuchen Sie den Defekt reparieren zu lassen. Das wird einem zwar nicht immer leicht gemacht, doch tun Sie der Umwelt damit wirklich etwas Gutes.

B√ľcher und Brosch√ľren