Darum sollten Sie keine Lebensversicherung abschließen

Garantiezins im Sinkflug, Überschussbeteiligung gestrichen, so las man in den letzten Jahren. Nun schafft Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz auch noch die hundertprozentige Beitragsgarantie ab. Ein Grund mehr, keine Kapitallebensversicherung abzuschließen.

Ordner mit Beschriftung Lebensversicherung
Stand: 16.10.2020

Kapitallebensversicherungen kombinieren den Versicherungsschutz für die Hinterbliebenen mit Einzahlungen für die Altersvorsorge des Versicherten. Sie sind eine Kombination aus Risikolebensversicherung und Sparvertrag. Am Ende der Vertragslaufzeit bekommen Versicherte einen einmaligen Geldbetrag ausgezahlt. Über viele Jahre waren Lebensversicherungen das liebste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen. Doch heute spricht kaum noch etwas für den Abschluss eines solchen Vertrags.

  1. Magere Rendite: Der gesunkene Garantiezins (derzeit nur noch 0,9 Prozent für Neuverträge), gestrichene Überschussbeteiligungen und nun die gestutzte Beitragsgarantie (bei der Allianz) lassen Versicherte alt aussehen. Sie bekommen kaum etwas für ihr eingezahltes Geld. Wenn Lebensversicherungen künftig nur noch mit einer Beitragsgarantie von 90, 80 oder gar 60 Prozent abgeschlossen werden, bedeutet das konkret: Verbraucher erhalten am Ende nicht einmal mehr die volle Höhe ihrer eingezahlten Beträge zurück. Da kann man sein Geld auch unters Kopfkissen legen...
  2. Hohe Kosten: Hohe (versteckte) Kosten für Vertrieb, Abschluss oder Verwaltung mindern die Rendite der Verträge zusätzlich. In den ersten Jahren nach Vertragsschluss zahlen Verbraucher fast nur hierfür. Die hohen Kosten verteilen die Versicherungskonzerne nämlich nicht auf die gesamte Laufzeit, sondern ziehen den größten Teil direkt in den ersten fünf Jahren von den Beiträgen ab.
  3. Keine Flexibilität: Mit 30 Jahren und mehr haben Lebensversicherungen eine unglaublich lange Laufzeit. Kein Wunder, dass nur ein Bruchteil der Verträge bis zum Ende durchgehalten wird. Die meisten Kapitallebensversicherungen werden aus guten (oder jedenfalls triftigen) Gründen vorzeitig gekündigt oder beitragsfrei gestellt. Damit ist immer ein hoher finanzieller Verlust verbunden. Schließlich müssen in den ersten Jahren nach Vertragsschluss die Kosten bezahlt werden. Verbraucher bekommen deswegen sehr viel weniger zurück als sie eingezahlt haben.
  4. Fehlende Transparenz: Versicherte können ausgezahlte Beträge wie den Rückkaufswert oder die Ablaufleistung ihres Vertrags nur schwerlich überprüfen. So suggerieren die Versicherer beispielweise, man bekomme einen Garantiezins und außerdem Überschüsse. Den Garantiezins gibt es allerdings nur auf einen Teil des Beitrags – nämlich auf den, der herauskommt, wenn Kosten und Risikoanteil abgezogen wurden. Und für die Überschüsse gibt es quasi keinen Rechtsanspruch; sie können bis zum Tag der Auszahlung reduziert oder sogar gestrichen werden.
  5. Mangelnde Sicherheit: Wer seine private Altersvorsorge mit Lebensversicherungspolicen bestreiten will, hat schlechte Karten. Wie viel Geld am Ende des jahrelangen Sparens wirklich auf dem Rentenkonto landet, ist völlig ungewiss. Mit dem Niedergang der 100-Prozent-Beitragsgarantie, wie ihn die Allianz nun einläutet, kann von einem sicheren Altersvorsorgeprodukt nicht mehr die Rede sein.

Unser Rat

Schließen Sie keine Kapitallebensversicherung ab. Sie ist eines der schlechtesten Produkte für die Altersvorsorge. Noch weniger empfehlenswert als klassische Kapitallebensversicherungen sind übrigens fondsgebundene Lebensversicherungen, da sie die Risiken des Aktienmarkts an den Kunden weiterreichen, aber meist noch mehr Kosten als eine Kapitallebensversicherung enthalten. Und auch die privaten Rentenversicherungen sind keinen Deut besser.

Wenn Sie bereits einen Vertrag haben und nicht wissen, was Sie damit anstellen sollen, lassen Sie ihn einmal durchchecken. Wir führen für 85 Euro eine umfassende Vertragsprüfung durch.

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