Cyberversicherungen: Digital ist schlechter

Das Internet ist allgegenwärtig. Es bietet unzählige Möglichkeiten, birgt auf der anderen Seite aber auch einige Gefahren. Sogenannte Cyberversicherungen sollen Risiken wie Datenmissbrauch, Online-Betrug oder Mobbing absichern. Der Schutz ist jedoch oft unzureichend. Wir raten von diesen Versicherungen ab. 

Mit Stickern beklebter Laptop

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der Schutz von Cyberversicherungen ist häufig lückenhaft. Die Leistungen sind nur gering.
  2. Verbraucher sollten prüfen, ob ihre bestehenden Versicherungen Cyber-Komponenten enthalten oder sich um diese erweitern lassen.
  3. Prävention und ein gesundes Misstrauen minimieren die Risiken im Internet.
Stand: 29.04.2019

Cyberversicherungen suggerieren einen Versicherungsschutz vor den Risiken der Internetnutzung wie Identitätsmissbrauch, Warenkreditbetrug oder Mobbing. Meist halten diese Versicherungen aber deutlich weniger als sie versprechen.

Die Klauseln der Verträge sind häufig eng gefasst und die Risiken entsprechend lückenhaft versichert. Zudem sind die Versicherungsleistungen im Schadensfall oft nur gering. In der Regel verlangen die Versicherer von ihren Kunden, dass diese ihre Computer mit Schutzmaßnahmen wie einer bestimmten Virensoftware oder einer Firewall ausrüsten. Nicht selten entbrennt im Schadensfall über die Frage eines angemessenen Schutzes ein Streit zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer.

Unser Rat

Finger weg von Cyberversicherungen! Prüfen Sie lieber, ob Ihre bestehenden Versicherungen Schutz vor Internetkriminalität bieten oder sich um entsprechende Cyberschutz-Bausteine erweitern lassen.

Zusatzbausteine für klassische Versicherungen

Auch viele herkömmliche Versicherungen decken die Gefahren der Internetnutzung teilweise ab oder lassen sich um Zusatzbausteine erweitern.

In der Privaten Haftpflichtversicherung sind Schäden „aus dem Austausch, der Übermittlung und der Bereitstellung elektronischer Daten, z. B. im Internet, per E-Mail oder mittels Datenträger“ versichert. Wenn Sie also Mails mit Schadsoftware fahrlässig weiterleiten und dadurch einen Schaden verursachen, sind Sie über Ihre Haftpflichtversicherung versichert.

Eine Rechtsschutzversicherung bietet im Baustein „Privatrechtsschutz“ Rechtsschutz im Vertragsrecht – unabhängig davon, ob der Online- oder Offline-Handel betroffen ist. Je nach Police wird beim Vorwurf der Urheberrechtsverletzung im Internet Rechtsschutz gewährt. Manche Premium-Tarife bieten weitere Leistungsbausteine aus dem Cyberbereich an.

Auch Hausratversicherungen sichern teilweise Internetrisiken ab. Hier gibt es unterschiedliche Angebote – von einzelnen Leistungen bis hin zum kompletten Leistungspaket einer Cyberversicherung.

In Fällen von Cybermobbing übernehmen Krankenversicherungen unter Umständen die Behandlungskosten bei einem Psychologen.

Die beste Absicherung gegen Cyber-Risiken ist eine umsichtige Nutzung des Internets. Wer regelmäßig seine Daten sichert, dem entstehen im Schadensfall keine hohen Kosten für die Datenrettung. Bezahlen Sie Ihre Käufe im Internet konsequent per Kreditkarte oder Paypal. So schützen Sie sich wirksam vor Fake-Shops, die Vorkasse verlangen, und Sie können im Betrugsfall auf Charge-back-Verfahren der Kreditkartenunternehmen oder andere Käuferschutzsysteme zurückgreifen. Schützen Sie Ihr System präventiv mit einem leistungsstarken Virenscanner.

Danke für Ihren Hinweis!

Cyberversicherungen sollen für Schäden eintreten, die im Zusammenhang mit Internetkriminalität entstehen. Doch tun sie das wirklich? Schildern Sie uns ihre Erfahrungen mit diesen Versicherungen.

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