Chinesische Online-Shops: Billig einkaufen kann teuer werden

Wenn Sie im Internet nach neuen Klamotten stöbern, stoßen Sie schnell auf erstaunlich günstige Angebote aus Fernost. Doch häufig folgt die Ernüchterung schon beim Auspacken der Lieferung. Meiden Sie bestimmte Online-Shops lieber!

Frau beim Online-Shopping mit Kreditkarte

Das Wichtigste in Kürze

  1. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten bestimmte Online-Shops, insbesondere mit vermeintlichen Schnäppchen aus Fernost, besser meiden.
  2. Die Ware hält nicht immer das, was die Bilder im Netz versprechen.
  3. Die Rücksendung der Textilien ist oft nicht möglich oder mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Stand: 04.05.2021

Pullover für fünf oder Kleider für 21 Euro – mit unschlagbaren Preisen drängen Online-Händler aus Asien in den deutschen Markt und bieten Textilien zu bemerkenswert günstigen Preisen an. Auf Social-Media-Plattformen machen die Shops massiv Werbung für ihre Produkte. Doch die Kleidungsstücke haben oft wenig mit den Bildern in den Online-Shops zu tun. In vielen Fällen kommen besonders günstig angebotene Textilwaren aus asiatischen Online-Shops verspätet, gar nicht oder in mangelhafter Qualität beim Kunden an. Die bestellte Kleidung ist oft schlecht geschnitten, teils nicht ausreichend gekennzeichnet und die Rückabwicklung macht immer wieder Probleme.

Mängel bei Größenangabe, Qualität und Materialien

Kleidungsstücke aus asiatischen Shops weisen immer wieder erhebliche Mängel in der Verarbeitung oder im Schnitt auf. Darüber hinaus bestehen die Textilien manchmal aus völlig anderen Materialien als im Webshop angegeben. Die ausgewählten Kleider sind dann beispielsweise nicht aus Baumwolle oder Leinen, sondern aus synthetischen Materialen wie Polyester.

Auch bei den Größenangaben gibt es Verbesserungsbedarf. So entsprechen die Angaben nicht den hier in der EU bekannten Größen, was auf den Angebotsseiten nicht ausreichend erläutert wird. Die gekaufte Ware ist schließlich in vielen Fällen nicht nur etwas, sondern erheblich kleiner und enger als erwartet.

Gut zu wissen

Online-Shops, die Probleme bereiten, gibt es wie Sand am Meer. Zu diesen Anbietern aus Fernost sind Beschwerden von Käufern bei uns eingegangen. Meiden Sie diese Online-Shops daher lieber!

  • A–F: airydress.com, augennstern.com, boomaya.com, edressit.com, dehanr.com, draussenfeet.de, elencoco.com, ellepretty.com, fashion-traum.com, fillamoda.com, floryday.com, freesuniy.com
  • G–L: gasteinerhodalumpn.at, hallobh.de, jagute.de, jjshouse.de, juretro.com, kaufgallerie.de, kinovastore.de, klettern-ejhs.de, lightinthebox.com, isias4u.com, loftwav.com, loospet.com
  • M–R: milanoo.com, mode-stern.com, modetalente.com, muttermode.com, onecozyday.com, pinkkola.com, premium-garderobe.com, realyiyi.com
  • S–Z: shein.com, silkbers.com, sofftops.com, styleoutlets.club, untangomas.de, urbanhm.com, veryvoga.com, vbridal.de, wish.com

Sie haben auch schon einmal negative Erfahrungen mit einem Online-Shop gemacht? Geben Sie uns gerne Bescheid.

Ärger mit Zollgebühren und Steuern

Bei einer Bestellung außerhalb der Europäischen Union sind vom Empfänger der Ware – je nach Warenwert – Zollgebühren, Zollkosten, Zollsteuern und/oder Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten. Sie sollten sich daher unbedingt vor dem Kauf informieren: Ist der bestellte Artikel auch nach dem Zoll noch so unglaublich günstig? Oder lohnt sich vielleicht doch der Kauf bei einem europäischen Händler, bei dem übrigens dann auch das Widerrufsrecht gilt?

Uns wurde berichtet, dass Käufer beim Zoll ihre Ware gar nicht entgegennehmen konnten, weil ihre Pakete beispielsweise Plagiate von Turnschuhen enthielten, die vernichtet werden mussten. Die Kosten hierfür mussten die Besteller tragen, ebenso wie die Anwaltskosten des Markenrechteinhabers.

Probleme bei Lieferung, Rücksendung und Widerruf

Ein weiteres Problem sind die Lieferzeiten. Auch wenn die Artikel sofort lieferbar sind und in der Regel auch schnell versandt werden, dauert es oft mehrere Wochen, bis die Ware in Deutschland ankommt. Vielen ist das beim Kauf nicht klar und die Enttäuschung groß, wenn die Kleidung nicht wie erwartet eintrifft.

Möchten Verbraucher ihre Einkäufe deswegen oder aus anderen Gründen widerrufen, stehen sie vor noch ganz anderen Problemen. Mancher merkt erst dann, dass der Shop gar kein Impressum hat und nur über ein Kontaktformular erreichbar ist. Mit wem der Kaufvertrag abgeschlossen wurde, ist völlig unklar. Eine Rechtsdurchsetzung wird im Ergebnis praktisch nicht möglich sein.

Wem es gelingt, einen Kontakt zum Kundendienst herzustellen, erwartet trotzdem in der Regel eine große Portion Frust: Die Rückgabe der Ware ist entweder gar nicht möglich oder mit hohen Rücksendekosten verbunden. Einige Verkäufer bieten nur einen niedrigen Rabatt von 10 oder 15 Prozent auf die Ware an. Doch was nützt dieser, wenn die Kleidung am Ende gar nicht getragen werden kann oder will?

Unser Rat

  • Achten Sie vor der Bestellung darauf, wer Ihr Vertragspartner wird. Eine Endung auf .de bedeutet nicht, dass Sie es mit einem in Deutschland ansässigen Unternehmen zu tun haben.
  • Zahlen Sie bei Bestellungen im Internet möglichst nicht per Vorkasse (Überweisung, Kreditkarte).
  • Informieren Sie sich im Voraus über mögliche Rückgabemöglichkeiten.
  • Nutzen Sie – wenn möglich – die Filterfunktionen großer Anbieter, um den Standort der Ware zu bestimmen.

Shoppen? Aber nachhaltig!

Grundsätzlich raten wir beim Kleiderkauf zu Ware mit möglichst hohen Umwelt- und Sozialstandards. Solche Produkte sind in vielen Online-Shops, zumal aus fernen Weltgegenden, meist nicht zu finden oder Mangelware. Selbst wenn die formalen Bestellbedingungen eingehalten werden sollten, belasten die supergünstigen Angebote, die rund um den Globus geschickt, aber kaum getragen werden, unnötigerweise die Umwelt und verschwenden wertvolle Ressourcen. „Weniger ist mehr“ lautet die Devise. Hinterfragen Sie Ihren Konsum und reduzieren Sie den Kauf von Kleidung wo immer möglich.

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