Teure Kreditkarte statt schufafreier Kredit

Im Umgang mit Finanzdienstleistungen ist Vorsicht geboten. Dies gilt umso mehr, da dubiose Anbieter mit betrügerischen Geschäftsmodellen immer wieder versuchen, Geschäfte mit Krediten und Kreditkarten zu machen. Vor diesen Maschen sollten Sie sich in Acht nehmen:

Mehrere Kreditkarten, die aus einer Hosentasche hervorgucken

Das Wichtigste in Kürze

  1. Unseriöse Anbieter wollen angeblich Kreditkarten oder schufafreie Kredite vermitteln.
  2. Die Kreditkarten entpuppen sich als teure Prepaidkarten und bereits versprochene Kredite werden nicht vergeben.
  3. Dafür werden Verbraucher mit Nachnahmesendungen kräftig zur Kasse gebeten und mit Inkassoschreiben belästigt.
Stand: 02.02.2021

Sie locken mit kostenlosen Kreditanfragen und werben teils mit goldenen MasterCards. Doch Verbraucher erhalten keinen Kredit und bei den Kreditkarten handelt es sich in der Regel um teure Prepaid-Karten. Auf diese Masche haben sich einige dubiose Anbieter und deren Inkasso-Büros spezialisiert. Mit falschen Bewertungen und Gütesiegeln locken sie Verbraucher in die Kreditenkarten-Falle. Ihre Angebote auf den Websites bewerben sie als „fair“, „transparent“ sowie „zuteilungssicher“, doch dahinter verbergen sich betrügerische Geschäftsmodelle.
Auch wenn die Namen der Anbieter wechseln, wiederholen sich doch oft deren Maschen. Darauf sollten Sie achten:

Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV: Horrende Ausgabegebühren

Zu den Anbietern Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV gingen schon jede Menge Beschwerden bei den Verbraucherzentralen ein. Entgegen der Werbung und den zugehörigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) erhielten Verbraucher statt der bestellten MasterCard-Kreditkarte bei Optimize Consumer Service nur eine Prepaid-Karte per Nachnahme. Für die Karte berechneten die Anbieter Ausgabegebühren zwischen 99,80 Euro und 149,90 Euro.

Wollten Verbraucher aus dem vermeintlichen Vertrag wieder aussteigen, hatten sie es bei beiden Anbietern schwer: Alpha Finanz Ltd. akzeptierte keinen Widerruf, reagierte nicht auf Schreiben und schickte bei Nichtzahlung der verlangten Beträge Mahnungen mit weiteren Kosten. Die Optimize Consumer Service ging ähnlich vor, bot im Vorfeld jedoch eine Art Stornierung an, bei der die Betroffenen trotzdem 139,90 Euro zahlen sollten.

VeriPay: Untergeschobene Kreditkarten

VeriPay bediente sich bei der Akquise unaufgeforderter, „kalter“ Telefonanrufe, die in Deutschland bereits seit Jahren gesetzlich verboten sind. In den Telefongesprächen versuchten VeriPay-Mitarbeiter, den Angerufenen Kreditkarten anzudrehen. Die Vorwände für die meist aufdringlich geführten Telefonate waren ganz unterschiedlich: Häufig gaben die Anrufer an, der Betroffene haben bei einem Gewinnspiel eine Kreditkarte gewonnen. Oder der Anruf erfolge im Auftrag der Hausbank, um den Versand einer neuen Karte abzustimmen. In anderen Fällen bezog sich der Anrufer einfach nur auf eine bereits vorhandene Kreditkarte.

Im Anschluss an das Telefonat erhielten die Angerufenen eine kostenpflichtige Nachnahmesendung, für die sie mitunter bis zu 100 Euro zahlen sollten. Nahmen sie diese Sendung nicht an, folgten Forderungen des Inkassounternehmens Euro Collect GmbH über rund 180 Euro wegen einer nicht bezahlten Kreditkartenbestellung bei der Firma VeriPay.

Den Betroffenen war in der Regel überhaupt nicht klar, dass sie in irgendeiner Form eine kostenpflichtige Kreditkarte bestellt hatten. Die Zahlungsaufforderungen wurden jedoch mit „aufgezeichneten telefonischen Kreditkartenbestellungen“ begründet.

GlobalPayments: Teure Prepaid-Kreditkarten statt Sofortkredit

Die Firma GlobalPayments BV aus den Niederlanden bot auf ihren beiden Internetseiten mastercredit.de und sorglosduo.de ein Kombipaket aus einer MasterCard Gold und einem Sofortkredit in Höhe von bis zu 6.499 Euro ohne Schufa-Auskunft an.

Nach Bestellung des Sofortkredites und der Mastercard Gold erreichte die Betroffenen zunächst nur eine kostenpflichtige Postsendung per Nachnahme. Dafür sollten sie eine Ausgabegebühr in Höhe von 49,90 Euro für die Kreditkarte und zusätzlich 10 Euro für deren Versand beim Postboten bezahlen. Später wurde sogar eine Jahresgebühr für das „gute Stück“ fällig. Dabei handelte es sich nicht einmal um eine „richtige“ Kreditkarte, sonderlich lediglich um eine Prepaid-Karte, auf die erst Geld geladen werden muss.

Vom Kredit fehlte zu diesem Zeitpunkt noch jede Spur. Ein Blick ins Kleingedruckte der Offerte offenbarte: Die Kreditanfrage wurde nur an ein Kreditinstitut zur Prüfung weitergegeben. Die Erfolgsaussichten sind somit völlig unklar.

Zahlreiche Verbraucher meldeten uns, dass die Firma sie wiederholt zur Zahlung aufgefordert hatte, obwohl sie weder eine Kreditkarte geschweige denn einen Kredit bekommen hatten. Nach einem Urteil des Landgerichts Berlin vom 11. April 2018 (Az. 97 O 57/17) musste der Anbieter bei der Werbung mit Formulierungen wie „SofortKredit“ oder „100% Zuteilung sicher sogar bei negativer Schufa, Arbeitslosigkeit oder geringem Einkommen!“ nachbessern, solange er nicht selbst Kredite vergibt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Unser Rat

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie jemand wegen einer Kreditkarte oder Finanzgeschäften unaufgefordert anruft.
  • Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Kreditangeboten genau durch. Nur so können Sie in Erfahrung bringen, welche Leistung Sie tatsächlich erhalten.
  • Haben Sie bereits eine Kreditkarte bestellt, verweigern Sie die Annahme der teuren Sendung und widersprechen Sie Ihrem Vertrag per Einwurf-Einschreiben. Zahlen Sie nicht! Erst wenn Sie tatsächlich einen Mahnbescheid vom Gericht erhalten, sollten Sie sich Rechtsrat holen oder zu uns in die Beratung kommen.

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