Teure Kreditkarte statt schufafreier Kredit

Im Umgang mit Finanzdienstleistungen ist Achtsamkeit geboten. Dies gilt umso mehr, da dubiose Anbieter mit betrügerischen Geschäftsmodellen versuchen, auf dem deutschen Markt Geschäfte mit Krediten und Kreditkarten zu machen. Über die Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV beschweren sich zurzeit besonders viele Verbraucher.

Mehrere Kreditkarten, die aus einer Hosentasche hervorgucken

Das Wichtigste in Kürze

  1. Unseriöse Anbieter wollen angeblich Kreditkarten oder schufafreie Kredite vermitteln.
  2. Die Kreditkarten entpuppen sich als teure Prepaidkarten und bereits versprochene Kredite werden nicht vergeben.
  3. Dafür werden Verbraucher mit Nachnahmesendungen kräftig zur Kasse gebeten und mit Inkassoschreiben belästigt.
  4. Besonders viele Beschwerden betreffen zurzeit die beiden Anbieter Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV.
Stand: 30.04.2019

Sie locken mit kostenlosen Kreditanfragen und werben teils mit goldenen MasterCards. Doch Verbraucher erhalten keinen Kredit und bei den Kreditkarten handelt es sich in der Regel um teure Prepaid-Karten. Auf diese Masche haben sich einige dubiose Anbieter und deren Inkasso-Büros spezialisiert. Mit falschen Bewertungen und Gütesiegeln locken sie Verbraucher in die Kreditenkarten-Falle. Ihre Angebote auf den Websites bewerben sie als „fair“, „transparent“ sowie „zuteilungssicher“, doch dahinter verbergen sich betrügerische Geschäftsmodelle. Die Marktwächter der Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor Angeboten rund um „Schufa-freie“ Kredite.

Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV: Horrende Ausgabegebühren

Zu den Anbietern Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV gehen aktuell jede Menge Beschwerden bei den Verbraucherzentralen ein. Entgegen der Werbung und den zugehörigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) erhielten Verbraucher statt der bestellten MasterCard-Kreditkarte bei Optimize Consumer Service nur eine Prepaid-Karte per Nachnahme. Für die Karte berechneten die Anbieter Ausgabegebühren zwischen 99,80 Euro und 149,90 Euro.

Wollen Verbraucher aus dem vermeintlichen Vertrag wieder aussteigen, haben sie es bei beiden Anbietern schwer: Alpha Finanz Ltd. akzeptiert keinen Widerruf, reagiert nicht auf Schreiben und schickt bei Nichtzahlung der verlangten Beträge Mahnungen mit weiteren Kosten. Die Optimize Consumer Service geht ähnlich vor, bietet im Vorfeld jedoch eine Art Stornierung an, bei der die Betroffenen trotzdem 139,90 Euro zahlen sollen.

Gut zu wissen

Alpha Finanz Ltd. und Optimize Consumer Service BV betreiben aktuell folgende Internetseiten: kreditanfrage.gratis,credifant.com, cards24.credit, meister.cards, verbraucher.cards und volks.cards.

VeriPay: Untergeschobene Kreditkarten

VeriPay bediente sich bei der Akquise unaufgeforderter, „kalter“ Telefonanrufe, die in Deutschland bereits seit Jahren gesetzlich verboten sind. In den Telefongesprächen versuchten VeriPay-Mitarbeiter, den Angerufenen Kreditkarten anzudrehen. Die Vorwände für die meist aufdringlich geführten Telefonate waren ganz unterschiedlich: Häufig gaben die Anrufer an, der Betroffene haben bei einem Gewinnspiel eine Kreditkarte gewonnen. Oder der Anruf erfolge im Auftrag der Hausbank, um den Versand einer neuen Karte abzustimmen. In anderen Fällen bezog sich der Anrufer einfach nur auf eine bereits vorhandene Kreditkarte.

Im Anschluss an das Telefonat erhielten die Angerufenen eine kostenpflichtige Nachnahmesendung, für die sie mitunter bis zu 100 Euro zahlen sollten. Nahmen sie diese Sendung nicht an, folgten Forderungen des Inkassounternehmens Euro Collect GmbH über rund 180 Euro wegen einer nicht bezahlten Kreditkartenbestellung bei der Firma VeriPay.

Den Betroffenen war in der Regel überhaupt nicht klar, dass sie in irgendeiner Form eine kostenpflichtige Kreditkarte bestellt hatten. Die Zahlungsaufforderungen wurden jedoch mit „aufgezeichneten telefonischen Kreditkartenbestellungen“ begründet.

GlobalPayments: Teure Prepaid-Kreditkarten statt Sofortkredit

Die Firma GlobalPayments BV aus den Niederlanden bot auf ihren beiden Internetseiten mastercredit.de und sorglosduo.de ein Kombipaket aus einer MasterCard Gold und einem Sofortkredit in Höhe von bis zu 6.499 Euro ohne Schufa-Auskunft an.

Nach Bestellung des Sofortkredites und der Mastercard Gold erreichte die Betroffenen zunächst nur eine kostenpflichtige Postsendung per Nachnahme. Dafür sollten sie eine Ausgabegebühr in Höhe von 49,90 Euro für die Kreditkarte und zusätzlich 10 Euro für deren Versand beim Postboten bezahlen. Später wurde sogar eine Jahresgebühr für das „gute Stück“ fällig. Dabei handelte es sich nicht einmal um eine „richtige“ Kreditkarte, sonderlich lediglich um eine Prepaid-Karte, auf die erst Geld geladen werden muss.

Vom Kredit fehlte zu diesem Zeitpunkt noch jede Spur. Ein Blick ins Kleingedruckte der Offerte offenbart: Die Kreditanfrage wird nur an ein Kreditinstitut zur Prüfung weitergegeben. Die Erfolgsaussichten sind somit völlig unklar.

Zahlreiche Verbraucher meldeten uns, dass die Firma sie wiederholt zur Zahlung aufgefordert hatte, obwohl sie weder eine Kreditkarte geschweige denn einen Kredit bekommen hatten. Nach einem Urteil des Landgerichts Berlin vom 11. April 2018 (Az. 97 O 57/17) musste der Anbieter bei der Werbung mit Formulierungen wie „SofortKredit“ oder „100% Zuteilung sicher sogar bei negativer Schufa, Arbeitslosigkeit oder geringem Einkommen!“ nachbessern, solange er nicht selbst Kredite vergibt. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig, GlobalPayments BV ist nicht in Berufung gegangen. Die beiden Internetseiten sorglosduo.de und mastercredit.de sind mittlerweile nicht mehr erreichbar.

Unser Rat

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie jemand wegen einer Kreditkarte oder Finanzgeschäften unaufgefordert anruft.
  • Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Kreditangeboten genau durch. Nur so können Sie in Erfahrung bringen, welche Leistung Sie tatsächlich erhalten.
  • Haben Sie bereits eine Kreditkarte bestellt, verweigern Sie die Annahme der teuren Sendung und widersprechen Sie Ihrem Vertrag per Einwurf-Einschreiben. Zahlen Sie nicht! Erst wenn Sie tatsächlich einen Mahnbescheid vom Gericht erhalten, sollten Sie sich Rechtsrat holen oder zu uns in die Beratung kommen.

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert. www.marktwaechter.de/finanzen

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