Rürup-Vertrag? Keine gute Wahl!

Mit der sogenannten Rürup-Rente sollen sich vor allem Selbstständige eine steuerbegünstigte Altersvorsorge aufbauen können. Dabei ist sie für die meisten Zielgruppen eine nachteilige und riskante Altersvorsorge. Ungeeignet ist diese Form insbesondere für jüngere Selbstständige.

Mann sitzt auf Sofa und liest einen Brief

Das Wichtigste in Kürze

  1. In einem Rürup-Vertrag verstecken sich meist hohe Abschlusskosten.
  2. Rürup-Verträge sind nicht kündbar. Sie können lediglich beitragsfrei gestellt werden. Dabei drohen hohe Verluste.
  3. Rürup-Verträge sind im Regelfall nicht vererbbar.
  4. Es besteht kein Kapitalwahlrecht. Die angesparte Summe kann nicht auf einen Schlag ausgezahlt werden.
Stand: 02.02.2021

Die Rürup-Rente („Basis-Rente“) ist ein sehr teures und extrem unflexibles Altersvorsorgeprodukt. Sie taugt in aller Regel nicht als Alternative zur gesetzlichen Rentenversicherung für Selbständige. Sie taugt auch nur sehr selten für Gutverdiener, die damit etwas für ihre Altersvorsorge tun wollen. Für den Vertrag werden in der Regel hohe Abschluss-, Vertrags- und Verwaltungskosten erhoben. Diese drücken die Rendite. Renten, die ab 2040 ausgezahlt werden, müssen voll versteuert werden, während für 2021 nur 92 Prozent (höchstens 23.724 Euro von 25.782 maximal absetzbarer Beiträge) der gezahlten Prämien als Vorsorgeaufwendung steuerlich abgesetzt werden können.

Ein Kapitalwahlrecht besteht nicht. Es ist also nicht möglich, sich die angesparte Summe auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Es ist lediglich die Auszahlung in Form einer monatlichen Rente möglich.

Rürup ist nicht kündbar

Bei Lebens- und Rentenversicherungen gibt es generell eine hohe Abbruchquote, weil Versicherte sich ihren Vertrag nicht mehr leisten können oder wollen. Gerade Freiberufler und Einzelunternehmer müssen damit rechnen, im Laufe ihres Erwerbslebens auch Phasen mit geringeren Einnahmen überstehen zu müssen. Einen Rürup-Vertrag können Sie aber nur beitragsfrei stellen, nicht kündigen. Sie erhalten also keinen Rückkaufwert – im Gegenteil: Die Kosten für den Vertrag laufen weiter und werden dem Vertragsguthaben entnommen.

Aber auch, wenn man keine finanziellen Engpässe zu überstehen hat, kann es Probleme geben. Das in den Rürup-Vertrag eingezahlte Geld steht zum Beispiel bei einer Immobilienfinanzierung nicht zur Verfügung. Rürup-Verträge sind sehr unflexibel, sie passen sich nicht veränderten Einkommens- oder Lebenssituationen an. Der Vertrag ist nicht beleih- oder übertragbar. Außerdem ist er auch nicht verlässlich vor einer Pfändung geschützt.

Generell ist keine Hinterbliebenenabsicherung vorgesehen – also anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es keine Witwen-/Witwerrente. Ein Rürup-Vertrag ist also grundsätzlich nicht vererbbar. Durch einen Zusatzbaustein – die Rentengarantiezeit – kann die Rente eine bestimmte Anzahl an Jahren an die Erben ausgezahlt werden. Dieser Baustein kostet extra und schmälert damit die zu erwartenden Rendite. Ist die Rentengarantiezeit abgelaufen und verstirbt der Versicherte erst danach, gibt es keine Auszahlungen mehr für die Erben.

Nachteile werden im Verkaufsgespräch nicht genannt

Über die zahlreichen Nachteile von Rürup-Verträgen werden Verbraucher im Beratungsgespräch bei ihrer Bank oder Versicherung häufig nicht richtig aufgeklärt. Mit einer einseitigen Darstellung der Vorteile verletzt ein Vermittler allerdings seine gesetzlichen Beratungs- und Informationspflichten. Kann man dies heute noch nachweisen, besteht möglicherweise ein Anspruch auf Schadenersatz.

In der Praxis ist es allerdings schwer, dem Vermittler eine Verletzung seiner Beratungs- und Informationspflicht nachzuweisen. Dies hat häufig eine langwierige juristische Auseinandersetzung zur Folge.

Was tun mit einem bestehenden Rürup-Vertrag?

Einen abgeschlossenen Rürup-Vertrag wieder zu lösen, ist in der Regel nicht möglich. Eine Chance besteht bei Verträgen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, da diese eventuell eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung beinhalten. Ist das der Fall, können Sie dem Vertrag heute noch widersprechen. Dazu haben wir umfangreiche Informationen für Sie zusammengestellt.

Welche Alternativen gibt es zu Rürup?

Um den gewohnten Lebensstandard aus dem Erwerbsleben halten zu können, ist eine private Altersvorsorge unerlässlich. Gerade Selbstständige und Freiberufler sind bei der Altersvorsorge auf sich allein gestellt. Sie können nicht auf die gesetzliche Rente bauen. Wir machen mit Ihnen eine Bestandsaufnahme Ihrer Finanzen: Wo stehen Sie? Was sind Ihre Ziele? Und welche Möglichkeiten gibt es? Wir beraten Sie kompetent und unabhängig.

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