Downgrading: Billiger als besser verkauft?

Auf vielen Lebensmittelverpackungen wird mit Hinweisen wie „Verbesserte Rezeptur“ oder „Neue Rezeptur“ geworben. Doch was zunächst nicht schlecht klingt, kann ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Produktqualität verschlechtert hat. Wir haben aktuell erhältliche Lebensmittel mit ihren Vorgängerprodukten verglichen.

Downgrading: Lebensmittel mit schlechteren Rezepturen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Lebensmittelindustrie spart an wertvollen Zutaten: Kakao, Haselnüsse, Kaffee, Rapsöl oder Schokolade werden beispielsweise durch billige Füllstoffe oder Aroma ersetzt.
  2. Die Hersteller der Produkte sind oft um keine Ausrede verlegen;  meist wird auf „Wünsche“ der Verbraucher verwiesen.
  3. Die Verbraucherzentrale hat bei 17 Lebensmitteln alte und aktuelle Rezeptur miteinander verglichen und teils gravierende Verschlechterungen festgestellt.
Stand: 23.02.2018

Wir haben bei Produkten von bekannten Lebensmittelherstellern geringfügige bis gravierende Verschlechterungen der Rezeptur festgestellt. Wertgebende Zutaten wie Rapsöl, Kakao oder Haselnüsse werden eingespart und häufig durch billigere Inhaltsstoffe oder Aroma ersetzt. Bei 17 aktuell erhältlichen Lebensmittel haben wir die Rezepturen mit denen der Vorgängerprodukte verglichen und die Ergebnisse in einer »Downgrading-Liste« zusammengefasst.

Update 3. Mai 2018: Rezepturänderung bei Nusskati - Jetzt mit umstrittenen Palmöl

Ferrero hat bekanntlich im letzten Jahr weniger Kakao in die Nutella gerührt. Jetzt zieht Aldi mit einer Rezepturänderung bei seiner Nuss-Nugat-Creme nach. Die Eigenmarke Nusskati enthält nun Palmöl. Palmöl ist vor allem aus ökologischen Gründen umstritten. Zuvor kam statt Palmöl Sheafett in die Creme, ein Fett aus den Samen des afrikanischen Karitébaums. Das schlägt sich auch in der Nährwerttabelle nieder: Mit 14 g sind fast doppelt so viele gesättigte Fettsäuren wie vorher (8,3 g) drin – die kommen vor allem aus dem Palmöl. Zusätzlich wird die Creme jetzt mit dem künstlichen Aromastoff Vanillin angereichert. Positiv: Es ist etwas weniger Zucker (49 statt 52 g) in dem neuen Glas vorhanden. Zusätzlich ist das neue Nusskati dunkler, was auf einen höheren Kakaogehalt hinweisen könnte – in der Zutatenliste ist dies aber nicht klar ersichtlich. Aldi begründet die Rezepturänderung mit „geschmacklichen Gründen“ und verteidigt den Palmöleinsatz, da nur RSPO-zertifiziertes Palmöl verwendet werden würde. Problem dabei: Es gibt auch an RSPO-Palmöl viel Kritik, weil die Anforderungen lasch sind und immer wieder Mängel aufgedeckt werden. Wer Palmöl von seinem Speiseplan verbannen will, muss jetzt auch Nusskati vom Einkaufszettel streichen.

Nutella mit weniger Kakao

Anlass für den Produktcheck war die neue Rezeptur für den Schokoaufstrich Nutella. Ferrero verwendet für dessen Herstellung seit Kurzem weniger Kakao und dafür mehr Magermilchpulver.

Ein von uns beauftragtes Labor ermittelte in der alten Variante der Schokocreme einen Kakaoanteil von etwa 8,4 Prozent und im neuen Nutella nur noch rund 7,4 Prozent. Die Laborwerte belegen nun schwarz auf weiß, dass wir mit unserem Verdacht der Wertminderung richtig lagen. Hersteller Ferrero sprach bis zuletzt von einer „Feinjustierung“, ohne Aussagen über den tatsächlichen Kakaogehalt zu treffen.

Wertgebende Zutaten werden eingespart

Auf unserer »Downgrading-Liste« finden sich neben Nutella von Ferrero weitere namhafte Markenprodukte: Mondelez spart beim Riegel Milka Nussini an Haselnüssen und setzt stattdessen Aroma zu. Homann verwendet für die Herstellung seines Eiersalats weniger Eier, erweitert die Zutatenliste jedoch um zwei Konservierungsstoffe. Die Honig Dinkel Pops der Marke Rewe Bio enthalten statt 30 nur noch 20 Prozent Honig. Teilweise wird auch einfach mehr Wasser zum Strecken der Produkte eingesetzt oder günstiger Milchzucker durch noch günstigeren Glukosesirup ersetzt. Dass das auch bei Markenherstellern, die oft für höhere Qualität stehen, die Methode der Wahl ist, hat uns überrascht. Verbraucher bekommen von den Veränderungen in der Regel nichts mit, weil kein Mensch die alten Rezepturen kennt.

Woher haben wir die alten Produkte?

Jedes Jahr nehmen wir für unsere Marktchecks Produkte der Lebensmittelindustrie genauer unter die Lupe. Doch nach den Untersuchungen werfen wir die Packungen nicht einfach in den Müll, sondern heben sie auf und lagern sie ein. Unser Produktarchiv reicht bis ins Jahr 2009 zurück. Das hat sich nun als echter Glücksfall erwiesen – wir hätten das Downgrading wohl nur vermuten, aber nicht richtig belegen können.

Hersteller berufen sich auf „Wünsche“ der Verbraucher

Durch Downgrading wollen Lebensmittelkonzerne meistens Rohstoffkosten einsparen, legen die Karten jedoch nicht offen auf den Tisch. Dabei sind die Produzenten oft um keine Ausrede verlegen, wenn sie Stellung zu einer Rezepturänderung nehmen sollen. Wie ein roter Faden zieht sich die Begründung durch die Firmenantworten, dass es vor allem die Kunden seien, die beispielsweise weniger Kaffee im Fertig-Cappuccino oder einen weniger intensiven Schokoladengeschmack wünschten.

„Downgrading“ in Verbindung mit „Downsizing“

Nicht selten geht Downgrading mit Downsizing einher. Bei mindestens fünf Beispielen der Untersuchung haben Hersteller ein Produkt nicht nur hinsichtlich seiner Qualität verschlechtert, sondern auch noch die Füllmenge reduziert. Das waren Milka Nussini Riegel, das Dr. Oetker Vitalis Früchtemüsli, die Pralinen-Hütchen von Arko, das Kölln Schoko-Kirsch Müsli und das Cappuccino-Pulver von Krüger. Bei gleichem Preis mussten die Verbraucher für diese fünf Produkte – bezogen auf den Grundpreis – durchschnittlich über 20 Prozent mehr bezahlen.

Unser Tipp

Insbesondere bei Hinweisen wie „verbesserte Rezeptur“ oder „Neue Rezeptur“ empfiehlt sich ein prüfender Blick auf die Zutatenliste. Bei diesen Lebensmitteln könnte sich die bisherige Produktqualität verschlechtert haben oder der Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen verringert worden sein.

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