Die „Top Five“ der Superfoods

Ob Moringa, Goji, Açaí, Chia oder Weizengras – exotische Pflanzen, Früchte oder Samen liegen im Trend. Doch was steckt dahinter? Wir haben uns die „Top Five“ der Superfoods genauer angeschaut und sie bewertet.

Moringa oleifera

Blätter, Früchte, Blüten, Schoten, Samen und Wurzeln können verwendet werden. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern werden die nährstoffreichen Blätter gekocht als Gemüse gegessen. Bei uns ist jedoch meist nur Moringaextrakt als Pulver oder in Kapseln zu bekommen.

 

Werbung: Aus der Erfahrungsheilkunde (traditionelle ayurvedischen Medizin) wird Moringa oleifeira die Fähigkeit zur Vorbeugung oder Heilung hunderter Erkrankungen zugeschrieben. Nahrungsergänzungsmittel mit Moringa-Extrakten werden bei uns als „Vitalstoffbombe“ angepriesen.


Wirklichkeit

Heilwirkung: Aussagekräftige Studien am Menschen, die die die versprochenen Heilwirkungen belegen und die Unschädlichkeit der Einnahme von Moringa-Extrakten belegen könnten, fehlen bislang. Eine ausführliche Bewertung der Datenlage findet sich auf der Internetseite medizin-transparent.at

Nährstoffgehalt: Das Chemische Veterinär- und Untersuchungsamt Stuttgart hat bereits 2013 bis 2015 insgesamt 16 Proben von Moringapulver, die in Deutschland vertrieben werden, untersucht und kommt zu dem Schluss: Moringablätter haben zwar ein breites Nährstoffspektrum, sind jedoch auch nur ein „normales“ Lebensmittel. Die Art und Weise der Bewerbung der Nährstoffgehalte könnte Verbraucher daher täuschen. Außerdem bemängelten die Wissenschaftler, dass für 13 Produkte irreführende gesundheits- oder krankheitsbezogene Angaben gemacht wurden. (Details der umfangreichen Untersuchung).

Schadstoffe: Moringa-Produkte sind häufig mit Schadstoffen belastet: Zwei von 16 untersuchten Proben enthielten Salmonellen, 12 der 13 auf Pestizide untersuchten Erzeugnisse wiesen Rückstände auf – darunter auch 2 angebliche Bio-Produkte, bei denen sogar Höchstmengen überschritten wurden.

Unser Tipp

Nutzen Sie einheimische Lebensmittel aus der Region, um Ihren Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Heimische Obstsorten wie beispielsweise Äpfel, Aprikosen und Mirabellen, heimische Gemüse wie Spinat, Pastinaken, Kohlrabi, Möhren, Kürbis, Koharten und Zwiebelgewächse sowie Hülsenfrüchte und Vollgetreide sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Unser Saisonkalender zeigt die Haupterntezeiten heimischer Gemüse- und Obstsorten.

Goji-Beeren

Die reifen, orange-roten Gojibeeren des Bocksdorn-Strauches ähneln in getrockneter Form roten Rosinen und werden häufig Müslis oder Nussmischungen zugesetzt. Außerdem wird Goji als Saft oder Tee angeboten.

 

Werbung: Goji-Beeren werden als Anti-Aging-Sensation angepriesen und sollen das Immunsystem sowie das Herz-Kreislauf-System stärken.


Wirklichkeit

Gesundheitsversprechen: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keine der beantragten gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims) zugelassen. Sie hat festgestellt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Behauptungen und der Einnahme der Beeren besteht.

Schadstoffe: Konventionelle Goji-Beeren sind immer wieder durch hohe Pestizidrückstände aufgefallen. In ökologischen Produkten hat das Magazin Ökotest zuletzt im April 2016 zwar keine Pestizide aber in 2 von 3 Produkten andere Schadstoffe (Mineralölrückstände, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Blei) gefunden. 

Risiken: Es gibt eine Warnung zu gefährlichen Wechselwirkungen mit bestimmten blutverdünnenden (geringungshemmenden) Medikamenten. Goji-Beeren scheinen den Abbau dieser Medikamente im Körper zu blockieren, sodass es zu einer gefährlichen Wirkstoffanreicherung und verstärkter Blutungsneigung kommen kann.

Unser Tipp

Bocksdorn-Sträucher sind frostresistent und gedeihen auch in unserem Klima gut. So können Sie unbelastete Goji-Beeren aus dem eigenen Garten ernten.

Açai-Beeren

Die Früchte der Kohlpalme wachsen vor allem am Amazonas und sind in Brasilien ein ganz normales Lebensmittel. Sie sind zunächst rötlich und glänzend, erst voll ausgereift haben sie die typische dunkelblaue Farbe.

 

Werbung: Açai-Beeren sollen angeblich schlank machen und werden als Anti-Aging-Wunder angepriesen. Außerdem sollen sie bei Herzproblemen, Erschöpfung und weiteren Erkrankungen helfen.


Wirklichkeit

Gesundheitsversprechen: Für die behauptete antioxidative und entzündungshemmende Wirkung gibt es bislang keine verlässlichen klinischen Studien. Der von einem Anbieter bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eingereichte Health Claim wurde zurückgezogen.

Nährstoffgehalt: Die Açai-Beere besteht zu fast 50 Prozent aus Fett und ist daher relativ kalorienreich. Sie liefert neben essentiellen Fettsäuren auch relativ viel Calcium, der Gehalt an Antioxidantien ist dagegen nicht außergewöhnlich hoch. Hoch ist allerdings ihr Anthocyan-Gehalt (dunkelroter Farbstoff), damit werden in der Regel auch die vielen positiven Gesundheitswirkungen (antioxidativ, Radikalfänger), die man den Anthocyanen ganz allgemein zuschreibt, begründet. Zudem enthält sie relativ hohe Mengen an Mangan (14,6 mg in 300 ml Pulpe). Eine höhere Manganzufuhr kann sich moglicherweise negativ auf die Eisenaufnahme auswirken.

Unser Tipp

Nicht so weit gereiste heimische Beeren und Obstsorten liefern ebenfalls Anthocyane und andere Antioxidantien: Heidelbeeren, Brombeeren, schwarze Johannisbeeren Kirschen oder rote Trauben.

Chia-Samen

Chia ist eine einjährige krautige Sommerpflanze, die in vielen Ländern Lateinamerikas angepflanzt wird. Die Samen der Pflanze können roh oder getrocknet verzehrt oder Getränken beigegeben werden.

 

Werbung: Chia-Samen sollen die Verdauung fördern, Gelenkschmerzen oder Sodbrennen lindern, den Blutzucker regulieren und schlank machen.


Wirklichkeit

Gesundheitsversprechen: Für Chia-Samen darf mit dem Hinweis auf einen hohen Ballaststoffgehalt geworben werden. Weitere gesundheitliche Wirkungen sind nicht belegt und entsprechende Werbeaussagen deshalb auch nicht gestattet.

Nährstoffgehalt: Chia-Samen haben einen hohen Gehalt an Ballaststoffen (5,5 g pro 15 g) und der Omega-3 Fettsäure Alpha-Linolensäure.

Schadstoffe: Auch bei Chia scheint der Pestizideinsatz in den lateinamerikanischen Anbauländern ein echtes Problem zu sein: Das Magazin Ökotest fand in allen 4 untersuchten Chia-Proben Pestizidrückstände, bei 2 Produkten aus angeblichem Bio-Anbau sogar Höchstmengenüberschreitungen.

Unser Tipp

Pflanzenöle, wie beispielsweise Raps- oder Walnussöl, sind ebenfalls reich an Omega-3-Fettsäuren. Leinsamen und Nüsse liefern sowohl Omega-3-Fettsäuren als auch Ballaststoffe. Wer Chia-Samen „pur“ einnimmt, muss unbedingt darauf achten, reichlich zu trinken. Ansonsten kann es zu einer gefährlichen Verstopfung kommen.

Weizengras

So zieht man Weizengras: Weizenkörner keimen und 4-10 Tage wachsen lassen. Die intensiv grünen Halme ernten. Im Handel wird jedoch meist ein Pulver aus getrockneten Halmen oder Weizengrassaft angeboten.

 

Werbung: Weizengras soll angeblich chronische Darmerkrankungen lindern, das Immunsystem stärken und wird als „alkalische Frischzellenkur“ angepriesen.


Wirklichkeit

Gesundheitsversprechen: Die Studienlage ist dünn, es fehlen aussagekräftige Studien am Menschen, die die versprochenen gesundheitlichen Wirkungen belegen könnten.

Nährstoffgehalte: In Nährstoffdatenbanken finden sich bislang keine Einträge für Weizengras und die in verschiedenen Veröffentlichungen verbreiteten Nährstoffangaben schwanken sehr stark. Dies könnte daran liegen, dass der Standort, die Bodenbeschaffenheit und der Erntezeitpunkt Einfluss auf den Nährstoffgehalt des Produkts nehmen. Frisches Weizengras enthält demnach reichlich Eisen, Vitamin C und auch Zink. Da jedoch nur relativ geringe Mengen an Weizengras gegessen werden, ist die absolute Nährstoffaufnahme eher überschaubar. Bei der Verarbeitung zu Weizengraspulver können hitzeempfindliche Vitamine wie zum Beispiel Vitamin C zerstört werden.

Schadstoffe: In Weizengraspulver fand das Magazin Ökotest Mineralöl- und Pestizidrückstände.

Unser Tipp

Weizengras können Sie selbst auf der Fensterbank ziehen und frisch ernten. Es kann in der Küche wie andere Kräuter zum Würzen von Suppen oder Salaten genutzt werden und so zu einer insgesamt gesunden Ernährungsweise beitragen.