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Reckitt Benckiser trickst beim Wasserenthärter Calgon

Mehr Wäschen pro Packung und trotzdem ist es unsere Mogelpackung des Monats: der Wasserenthärter der bekannten Marke Calgon. Wir zeigen, wie der Milliardenkonzern Reckitt Benckiser Verbraucherinnen und Verbraucher austrickst.

Waschmittel wird dosiert

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der neue Wasserenthärter von Calgon verspricht mehr Waschladungen (50 statt 46) pro Packung. Doch das Gegenteil ist der Fall.
  2. Für den gleichen Härtegrad sind nach der Dosierempfehlung des Herstellers nun bis zu 42 Prozent mehr Pulver notwendig. Das Produkt wird entsprechend um bis zu 42 Prozent teurer trotz gleicher Füllmenge und unverändertem Preis.
  3. Der Hersteller Reckitt Benckiser widerspricht sich in seinen Stellungnahmen teilweise – mal wurde die Formulierung des Wasserenthärters angeblich verändert und mal nicht.
  4. Wasserenthärter sind in der Regel überflüssig. Sowohl Waschpulver als auch Flüssigwaschmittel enthalten bereits Substanzen zur Wasserenthärtung.
Stand: 15.09.2022

Der britische Konzern Reckitt Benckiser, der vor allem Reinigungsprodukte und Haushaltswaren herstellt, bietet seinen Wasserenthärter „Calgon Power Pulver“ neuerdings für 50 statt 46 Waschladungen an. Die Füllmenge des Produkts hat sich nicht verändert. Der Karton enthält noch immer 1.500 Gramm. Der Preis ist bei fast allen Händlern gleich geblieben; bei Rossmann kostet das Produkt zum Beispiel 8,99 Euro. Warum soll das eine Mogelpackung sein, fragen Sie sich jetzt vielleicht. Auf den ersten Blick sieht es auf jeden Fall nicht danach aus. Doch weit gefehlt ... beim „Calgon Power Pulver“ wurde tatsächlich versteckt der Preis erhöht.

„Ultra compacted“ und trotzdem mehr Pulver verwenden

Mit dem Hinweis „UItra compacted“ wirbt Reckitt Benckiser für sein Produkt. Dieser Zusatz suggeriert unserer Meinung nach, dass das Produkt konzentrierter ist und deshalb weniger Pulver für eine Waschladung notwendig sein sollte. Seltsam, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei hartem Wasser jetzt 30 Gramm Pulver statt wie bisher 21 Gramm verwenden sollen.

Legt man das auf die Waschladungen um, so sind in der Konsequenz nur noch 50 statt 71 Wäschen pro Packung möglich. Das sind rund 30 Prozent weniger. Unterm Strich entspricht das einer versteckten Preiserhöhung vom 42 Prozent!

Hersteller ändert Bezugsgröße

Aber warum stehen statt der möglichen 71 Waschladungen auf der alten Packung nur 46 Waschladungen? Das liegt daran, dass Reckitt Benckiser bisher seine herausgestellte Dosierempfehlung (46) auf sehr hartes Wasser bezogen hat (was sehr ungewöhnlich ist) und sie nun auf hartes Wasser bezieht. Der Hersteller verweist auf eine neue EU-Richtlinie, die er verpflichtend umsetzen muss. Das mag wohl stimmen, trotzdem hat der Konzern das Pulver „verdünnt“ und nicht konzentriert, denn für die gleiche Bezugsgröße sind jetzt deutlich weniger Wäschen möglich.

Nebelkerzen durch den Hersteller

Wir haben Reckitt Benckiser zweimal um eine Stellungnahme gebeten. Doch in den Antworten zündet der Hersteller unserer Meinung nach nur Nebelkerzen und widerspricht sich teilweise. In der jüngsten Nachricht vom 2. September 2022 schreibt die zuständige PR-Agentur:

(...) Infolge der internen Prüfungen zur Regulierung der Dual Qualität (Vermarktung von scheinbar identischen Produkten zweierlei Qualität in verschiedenen Mitgliedsstaaten - (EU) 2019/2161) wurde festgestellt, dass die aktiven Wirkstoffe pro Dosis in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern niedriger waren. Außerdem basierte die Berechnung der Anzahl der Waschladungen in Deutschland auf sehr hartem Wasser (>21,3 °dH) und nicht, wie in anderen Ländern, auf hartem Wasser (14-21,3 °dH). Um die Anforderungen nach Dual Qualität zu erfüllen und die bestmöglichen Ergebnisse für die Verbraucher zu gewährleisten, wurden die aktiven Wirkstoffe pro Dosis in Deutschland erhöht, wobei es zu keiner Änderung der Formulierung gekommen ist. Zudem basiert die Berechnung der Anzahl der Waschladungen nun auf hartem Wasser. (...)

Übersetzt heißt das: Die Qualität des Produktes war in Deutschland bisher schlechter. Der Konzern verbessert aber trotzdem nicht die Rezeptur, sondern empfiehlt seinen Kundinnen und Kunden, eine größere Menge an Pulver pro Waschladung zu verwenden, um zum einen die schlechtere Rezeptur auszugleichen und um zum anderen den Vorgaben der EU nachzukommen, nach denen es bei gleichen Marken in verschiedenen EU-Staaten keine unterschiedlichen Qualitäten geben darf. Was für eine tolle Idee!

Im ersten Schreiben vom 15. August schrieb die PR-Agentur noch:

(...) Zudem wird auf der Verpackung sehr deutlich, dass es sich um ein kompaktiertes (konzentriertes) Pulverprodukt, also eine neue Formulierung, handelt. (...)

Wasserenthärter in der Regel überflüssig

Die gute Nachricht zum Schluss. Wir raten Verbraucherinnen und Verbrauchern prinzipiell auf Wasserenthärter zu verzichten: Einen Wasserenthärter zusätzlich zum Waschpulver zu dosieren, ist grundsätzlich nicht notwendig, da in Waschmitteln schon Substanzen zur Wasserenthärtung enthalten sind. In Pulvern übernehmen das Zeolite, in Flüssigwaschmitteln sorgt eine größere Menge der Tenside für weicheres Wasser. In Gegenden mit weichem Wasser brauchen Sie generell keinen Wasserenthärter.

Danke für Ihren Hinweis!

Haben Sie auch Mogelpackungen bzw. versteckte Preiserhöhungen entdeckt? Dann freuen wir uns über eine E-Mail, oder Sie nutzen unser Kontaktformular, um Informationen an uns weiterzugeben. Ob Wasserenthärter, Waffeln oder Würstchen – wir veröffentlichen hier auf unserer Website und in den sozialen Netzwerken regelmäßig aktuelle Beispiele.

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