Weniger Minis bei Babybel

Der „perfekte Snack“ ist die perfekte Mogelpackung. Die Bel Deutschland GmbH hat bei seinen Mini Babybel Käsekugeln die Füllmenge reduziert. In den einzelnen Netzen ist jetzt meist eine Käsekugel weniger drin. Das Produkt ist daher unsere Mogelpackung des Monats.

Alte und neue Packung im Vergleich, 5 statt wie bisher 6 Käsekugeln

Das Wichtigste in Kürze

  1. Bei den bekannten Mini Babybel Käsekugeln hat der Hersteller Bel Deutschland die Füllmenge reduziert. In den Netzen ist jetzt meist eine Käsekugel weniger drin.
  2. Die versteckte Preiserhöhung beträgt bei gleichem Verkaufspreis bis zu 20 Prozent.
  3. Der Molkereikonzern verweist in seiner Stellungnahme auf eine höhere Qualität durch ohne Gentechnik produzierte Milch.
Stand: 05.09.2018

Die verschiedenen Netze von Mini Babybel enthalten jetzt ein Käselaibchen weniger. Es sind nur noch fünf (100 Gramm) statt wie bisher sechs Käsekugeln (120 Gramm) enthalten. Doch der Preis pro Netz liegt z. B. in mehreren Edeka-Filialen in Hamburg meist weiterhin bei 1,89 oder 1,99 €, was einer versteckten Preiserhöhung von 20 Prozent entspricht. Viele Verbraucherbeschwerden, die bei der Verbraucherzentrale aus ganz Deutschland eingegangen sind, bestätigen diese Masche.

Rewe bot Ende Juli die geschrumpften Netze zum identischen Preis von 1,79 € (20 Prozent Preiserhöhung) an, doch machte nach aktuellen Recherchen im August einen Rückzieher. Jetzt bietet der Händler den 5er Pack meist für 1,55 € an, was einer moderaten Preiserhhung von rund 4 Prozent entspricht. Ob da wohl zu viele Kunden protestiert haben?

Auch in Discountern wie Netto oder Penny schrumpfte die Anzahl der Käsekugeln von sieben (140 Gramm) auf jetzt nur noch sechs Stück (120 Gramm). Mit der Reduzierung der Füllmenge sank der Verkaufspreis teilweise um 10 Cent, unterm Strich ist der Käse aber trotzdem teurer (10 Prozent).

Teilweise gibt es auch noch Großpackungen mit bislang zehn Stück (200 Gramm), die auf neun Stück (180 Gramm) zusammengeschrumpft sind. Bei gleichem Preis wurde der Käse hier um 11,1 Prozent teurer.

Gut zu wissen

Mit unterschiedlichen Füllmengen in Discountern und Supermärkten wollen Hersteller und Händler häufig Preisunterschiede vertuschen. Denn kein Verbraucher rechnet damit, dass im Netz beim Discounter ein Babybel mehr drin ist.

Bel verweist auf „Ohne Gentechnik“-Siegel

Der Hersteller des Käses, Bel Deutschland verweist in einer Stellungnahme darauf, dass „(…) ab Juli 2018 Mini Babybel mit dem anerkannten „Ohne Gentechnik“-Siegel des „Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.“ (VLOG) zertifiziert ist (...)“. Dies führe insgesamt zu höheren Produktionskosten.

Wir begrüßen den Umstieg auf Milch aus gentechnikfreier Fütterung, doch bei etlichen Milchprodukten von Discountern bekommen Verbraucher diesen Mehrwert auch ohne Preisaufschlag. Wir bezweifeln, dass eine Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent für „Ohne Gentechnik“-Siegel angemessen ist, denn laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) erhalten Milchbauern, die ihre Milch gentechnikfrei produzieren, nur 1 Cent mehr pro Kilogramm Milch – im Vergleich zu konventioneller Milch.

Netz bleibt Netz

Die Füllmengenreduzierung bleibt in der Regel unerkannt, denn die Netze unterscheiden sich auf den ersten Blick eigentlich nicht. Zwar ist das Netz der Mini Babybels durchsichtig, doch die genaue Anzahl der Käsestücke werden Verbraucher kaum wahrnehmen. Wer regelmäßig Babybel Käse kauft, wird auch nicht jedes Mal die  Anzahl der Käselaibchen im Netz und die Stückzahl auf dem Etikett überprüfen.

Mini Babybel Light auch betroffen

Nicht nur die Mini Babybels Original gibt es jetzt in kleineren Packungen, auch die Mini Baby Bels Light. Die Packungsgrößen entsprechen quasi denen des Original-Käses. Die versteckte Preiserhöhung kann ebenfalls bis zu 20 Prozent betragen.

Die große 200-Gramm-Kugel und die Babybel Bio-Variante sollen laut Hersteller nicht von der Füllmengenreduzierung betroffen sein.

Netto Marken-Discount schwindelt auf dem Preisschild

Besonders dreist geht es beim Netto Marken-Discount zu. Der Discounter hat auf seinem Preisschild am Regal - zumindest in einer Filiale in Hamburg - die neuen geschrumpften Mini Babybel Netze mehrfach mit „Billiger“ bewerben.

Zwar senkte Netto in der Tat den Verkaufspreis von 1,79 Euro auf 1,69 Euro, doch schrumpfte auch der Inhalt von 140 auf 120 Gramm. Unterm Strich stieg der Grundpreis pro 100 Gramm von 1,28 Euro auf 1,41 Euro. Der Käse wurde also nicht – wie beworben –  günstiger, sondern um zehn Prozent teurer!

Wir wollten Netto diesen Taschenspielertrick nicht durchgehen lassen und haben den Einzelhändler abgemahnt. Mit Erfolg. Die Netto Markendiscount AG & Co KG hat sich am 31. August 2018 gegenüber uns verpflichtet, das Produkt Mini Babybel gegenüber Endverbrauchern nicht mehr mit der Aussage »Billiger« zu bewerben, wenn der Endpreis zwar gesunken ist, sich zugleich aber der Grundpreis des Produkts erhöht hat.

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